Zum Hauptinhalt springen

Die Sorge, aus allen Nähten zu platzen

Wohin mit Fehraltorf? Die Bevölkerung brachte an einem Workshop ihre Anliegen zur Ortsplanung ein.

Von Jennifer Steiner Fehraltorf – «Muss Wachstum immer und um jeden Preis angestrebt werden?», fragte Regula Wassmer. Sie antwortete sogleich selbst: «Wir dürfen die Siedlungsflächen nicht unbeschränkt ausdehnen.» Die gebürtige Fehraltorferin ist enttäuscht. Enttäuscht darüber, wie viel Land in ihrer Gemeinde in den letzten Jahren zugebaut wurde. Bruno Senn, der seit 15 Jahren in Fehraltorf wohnt, bläst ins gleiche Horn. «Ich kann kaum mehr zusehen, wie unser Land zubetoniert wird. Die Wohnqualität scheint zur Nebensache zu werden.» Zusammen mit 20 weiteren Fehraltorfern brachten Wassmer und Senn am Dienstag ihre Anliegen auf den Tisch. Im Zuge der anstehenden Revision der Ortsplanung hatte Bauvorsteher Walter Egli (SVP) zu einem Workshop eingeladen. Unter der Moderation von Baurechtsberater Raymond Stark konnten die Anwesenden ihre Ideen einbringen und mit dem achtköpfigen Planungsforum diskutieren. «Machen Sie nicht die Faust im Sack, beteiligen Sie sich aktiv», appellierte Stark an die Fehraltorfer. Gemeinderat Egli ergänzte: «Wir möchten die Bedürfnisse der Einwohner nach Möglichkeit in die Revision der Bau- und Zonenordnung einfliessen lassen.» Gerade in der heutigen Zeit, wo diese Anliegen so vielfältig seien und weite Kreise sich politisch interessierten. Nun, die Anzahl der Teilnehmer zeugte mit zwei Dutzend indes von mässigem Interesse. «Schade ist, dass mehrheitlich ältere Leute am Workshop teilnehmen», konstatierte Bruno Chiodi. Die Ortsplanung sei auf einen Horizont von 15 Jahren ausgerichtet. «Sie betrifft damit die Jüngeren am stärksten.» Einwohnerzahl stabilisieren Diejenigen, die am Dienstag ins Kirchgemeindezentrum kamen, diskutierten dafür umso engagierter; an Vorschlägen mangelte es nicht. So wurde der Wunsch nach mehr Radwegen, altersgerechten Wohnungen sowie Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum laut. «Die Umfahrung weiterverfolgen!», hiess es von der einen, «das Flugfeld Speck nicht weiter ausbauen!», von der anderen Seite. Zudem solle das bestehende Bauland besser genutzt werden. Weiter appellierten die Fehraltorfer an die Behörden, sie sollen sich für den Erhalt von Dorfbild und Grünflächen starkmachen. Bald kristallisierte sich heraus: Die Anwesenden drückten aufs Bremspedal. So war nicht etwa das Fehraltorfer Verkehrsproblem das zentrale Thema, es wurde vornehmlich Kritik am schnellen Wachstum geäussert. «Die Bauzonen sollen nicht weiter ausgedehnt, die Bevölkerungszahl stabilisiert werden – sonst platzen wir bald aus allen Nähten», bezog ein Fehraltorfer klare Position. «Inwieweit die Bevölkerung tatsächlich Einfluss nehmen kann, hängt davon ab, wie kristallin die Vorstellungen des Gemeinderats bereits sind», sagte Bruno Senn. Er sah im Workshop eine Reaktion auf die zwei Niederlagen, welche die Behörde kürzlich einstecken musste: Erst erteilte das Stimmvolk der Vorlage für einen Neubau der Hechtscheune eine Abfuhr, dann schickte die Gemeindeversammlung das Sanierungsprojekt für die Kempttalstrasse bachab. «Bis jetzt hatten wir nie Gelegenheit mitzuwirken», sagte Regula Wassmer. Dass sich die Bevölkerung nun auf diese Weise einbringen kann, schätzte die Fehraltorferin. Das Planungsforum, in dem Vertreter verschiedener Interessengruppen Einsitz nehmen, wird die Vorschläge in den kommenden Monaten bearbeiten. Läuft alles nach Plan, liegt im Frühling 2012 die revidierte Ortsplanung auf. Die Weichen stellen die Fehraltorfer voraussichtlich im Dezember 2012: An der Gemeindeversammlung befinden sie dann über die Vorlage. In Fehraltorf wurde in den vergangenen Jahren emsig gebaut, beispielsweise das noch junge Vivaldi-Quartier. Foto: Nathalie Guinand

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch