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Die Studentin, die ihre Ideale nicht verlieren will

Neu im Rat (III): Mattea Meyer aus Winterthur ist mit 23 Jahren die jüngste Kantonsrätin. Sie trägt die Radikalität der Juso in den Kantonsrat. Von René Donzé Winterthur – Mattea Meyer (23) stört sich an der Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Vor allem daran, «dass das Geld derart ungleich verteilt ist und die Reichen immer reicher werden». In die Schlagzeilen geriet die Vizepräsidentin der Juso Schweiz letztes Jahr, weil sie von Daniel Vasella angeklagt wurde – wegen eines Plakates, das den Kopf des Novartis-Chefs auf nacktem Körper zeigte. Der Prozess wurde nach Baden verschoben, wo Juso-Chef Cédric Wermuth wohnt. In Dänikon hat Mattea Meyer aus Protest gegen das Ausgangsverbot für Jugendliche vor dem Haus des Gemeindepräsidenten Würste grilliert. «Wir sind radikaler und provokativer als die Mutterpartei», sagt Meyer. Wobei sie medienträchtige Aktionen oft anderen überlässt. «Ich konzentriere mich auf die politische Arbeit.» Seit einem Jahr sitzt sie im Winterthurer Stadtparlament. Sie verlangt, dass die Stadt leer stehende Häuser beschlagnahmt und als Wohnraum für Schlechtverdienende anbietet. Der rot-grüne Stadtrat sei zu wenig aktiv in der Wohnungspolitik, kritisiert sie. Er hätte das Sulzer-Areal kaufen müssen, bevor der Baukonzern Implenia für 80 Millionen Franken zuschlug. Und sie rüffelt Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP) dafür, dass er guten Steuerzahlern einen Dankesbrief verschickte. «Steuern sind eine Pflicht und keine Gabe, für die sich der Staat bedanken muss.» Meyer würde in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens mehr Geld ausgeben – ausser für die polizeiliche Repression –, damit es allen besser gehe. Sie versteht nicht, warum die SP nicht mehr Wähleranteile hat: «Schliesslich machen wir als Einzige Politik zugunsten der Mehrheit.» Individualismus und Wettbewerb hält sie für Gift. Die blitzgescheite und debattierfreudige Mattea Meyer ist Tochter eines Agraringenieurs, der Biobauern berät, und einer Bibliothekarin. Sie wohnt in einer WG, studiert Geschichte, Geografie und Politologie und arbeitet Teilzeit in einer Anwaltskanzlei. Als jüngste Kantonsrätin möchte sie sich in der Bildungs-, Finanz- und Raumplanungspolitik engagieren. Sie könne Kompromisse eingehen, «aber nur, wenn ich mich nicht selber verliere». Schon heute gibt sie den Nationalrat als politisches Fernziel an. Dort sitzt ihr Vorbild: Jacqueline Fehr. Mattea Meyer sieht in Individualismus und Wettbewerb Gift für die Gesellschaft.

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