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Die SVP nominiert den Favoriten Stocker

Der erste Kandidat um die Nachfolge von Rita Fuhrer ist bekannt. Landwirt Ernst Stocker erhielt von den SVP-Delegierten ein ganz klares Mehr.

Uster. - So pathetisch wie gestern Abend im Stadthofsaal Uster hat die SVP noch nie einen Regierungsratskandidaten nominiert. Bevor es zur Auswahl ging, mussten die 276 Delegierten im Stehen drei volle Strophen der Nationalhymne singen. Und dann musste Favorit und Landwirt Ernst Stocker noch einen Bauernwitz über sich ergehen lassen. «Was ist schwieriger, als einen Tiger zu bändigen?», fragte der Dirigent der Stadt-Jodler von Uster. Die Antwort: «Einen Bauern im Winter hinter dem Ofenbänklein hervorzuholen.»

Zum Glück für Bauer Stocker finden die Wahlen nicht im Winter, sondern bereits im Spätherbst statt - am 29. November. Und diese Wahl sei von entscheidender Bedeutung, sagte Parteipräsident Alfred Heer. «Wenn ein Linker die Volkswirtschaftsdirektion übernimmt, dann haben wir das Verkehrschaos der Stadt Zürich bald im ganzen Kanton.» Auch für die Wirtschafts- und Finanzpolitik brauche es einen SVP-Mann, «denn Linke verwalten die Misere bloss». Dem wahrscheinlichen SP-Kandidaten, Daniel Jositsch, warf Heer vor, mit seiner Law-and-Order-Politik, «jetzt schon auf linken SVP-Politiker zu machen».

In die gleiche Kerbe hieb Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Man dürfe auf keinen Fall einen Professor in die Regierung wählen. Es brauche nun einen Mann, der mit beiden Beinen auf dem Boden stehe. Unter den Reformen, die Professor und Alt-Bildungsdirektor Ernst Buschor durchgeführt habe, «leiden wir noch 20 Jahre lang». Weder Blocher noch Heer nannten Jositsch namentlich, Heer sagte bloss «der da mit der gleichen Frisur wie ich». Der SP warf Blocher vor, den Begriff «Toleranz» allzu sehr zu strapazieren. «Um einen Dreieranspruch für die Regierung zu stellen, müssen die schon sehr tolerant sein. Aber die SP fordert noch dann die Mehrheit, wenn sie nur noch zwei Parteimitglieder hat.»

Christoph Blocher greift ein

Als dieser Lacher verebbt war, durften sich die drei Kandidaten vorstellen. Martin Arnold, Geschäftsleiter des Gewerbeverbands, machte auf zackig-sympathisch. Er sei ursprünglich ein schlechter Schüler gewesen, der es nur in die Realschule geschafft habe. «Mein Ehrgeiz wurde dann von einer guten Lehrerin geweckt - ohne Reformen und Stützunterricht.» Nationalrat Jürg Stahl sprach etwas langsamer. Er pries vor allem seine Arbeit im Nationalrat als Präsident der Gesundheitskommission und als Sportler und Sportfunktionär. Und dann wurde er sehr privat - auf den Vorwurf Blochers hin, dass er noch immer Junggeselle sei. Er sei zwar noch nicht verheiratet, räumte Stahl ein, habe aber bereits «nominiert», auch wenn die Familienplanung noch in der Schwebe sei. Stocker sprach noch langsamer, erwähnte «meine liebe Frau» aber gleich am Anfang. Er punktete auch mit einer Bemerkung über den Leerlauf im Kantonsrat wegen linker Anliegen: «Kürzlich wurde anderthalb Stunden über ein Verbot von Laubbläsern diskutiert.»

In einem Dutzend Voten wurden zuerst Stahl als der Bekanntere und Arnold als der bessere Rhetoriker gelobt. Arnold sei ein Mann der Wirtschaft und der Einzige, der es im Gesprächsduell mit einem Jositsch aufnehmen und sich auch im städtischen Raum gut verkaufen könnte. Als das Barometer zugunsten von Arnold oder Stahl zu kippen drohte, griff Christoph Blocher ein. Es komme nicht aufs Reden an. «Der Ernst Stocker denkt länger, als er redet.» Das sei gut so, denn die meisten in der Politik würden «so lange schnurren, bis sie beginnen zu denken». In einer offenen Abstimmung durch Handerheben war schnell klar: Stocker kam auf 164 Stimmen, Stahl auf 58 und Arnold auf 41. Die SP wird ihren Kandidaten voraussichtlich am nächsten Dienstag vorstellen.

Der Landwirt Ernst Stocker aus Wädenswil steigt für die SVP in den Wahlkampf um die Nachfolge von Rita Fuhrer.

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