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Ein Archäologe spürt historischen Stätten nach

Der Archäologe Urs Niffeler arbeitet an einem Buch über die wichtigsten historischen Stätten in der Region. Auch zwei Objekte in Richterswil werden erwähnt.

Von Andreas Kurz Bezirk – Unscheinbar liegt sie in der Landschaft, die Sternenschanze beim Sternensee in Samstagern: ein viereckiger, mit Wiese überwachsener Erdwall, etwa zwei Meter hoch. Kaum einer der vorbeigehenden Spaziergänger ahnt, dass es sich um eine historische Stätte handelt. Es ist aber eine alte Verteidigungsanlage. Für Urs Niffeler symbolisiert sie den Kerngedanken, der hinter seinem archäologischen Führer steckt (siehe Kasten). Denn nebst bekannten Objekten wie beispielsweise dem Fraumünster will der 56-jährige Archäologe den Leuten auch die weniger bekannten Dinge näherbringen. Niffeler spricht von «unbekanntem Bekanntem» und meint damit Objekte, die man zwar kennt, aber nicht genau weiss, was dahintersteckt. Rivalität der Konfessionen Eben wie die Sternenschanze. «Sie ist unscheinbar, doch für die Lokalgeschichte bedeutend. Auf solche Dinge wollen wir die Leute gwundrig machen.» Im archäologischen Führer soll jedes Objekt auf einer Seite mit Bild, kurzem Text und einer Wegbeschreibung vorgestellt werden. So wird man im vermutlich Ende 2011 erscheinenden Führer erfahren, dass die Sternenschanze ein Teil einer Verteidigungslinie war, die sich vom Zürichsee bis zur Sihl erstreckte und den protestantischen Zürchern zur Abwehr von Angriffen der katholischen Schwyzer und Zuger diente. Ereignisreiche Geschichte Urs Niffeler weiss viel zu erzählen über die Zeit, als Konfessionen die Rivalitäten zwischen den Kantonen zusätzlich anheizten und als Dragoner-Kommandant Eschmann die Katholiken 1712 in Samstagern mit einer List in die Flucht schlug. Zum letzten Mal ausgebaut wurde die Schanze 1847 beim Sonderbundskrieg. Mit den Gräben rundherum sei der Wall damals vier bis fünf Meter hoch gewesen, dazu noch mit Palisaden befestigt. Danach diente sie noch 25 Jahre lang als Exerzierplatz. Der Archäologe hofft, dass sich Interessierte vertieft mit dem Thema beschäftigen werden. Burg des Kleinadels Ein zweites Objekt, welches Niffeler im «Archäologischen Führer» vorstellen möchte, ist die Burgruine Alt-Wädenswil. Die ehemalige Burg erzähle zwei Geschichten: eine, wie sich Kleinadel in der Region bildete; die andere über die Entstehung des Kantons Zürich. Der Kauf der Burg durch die Stadt Zürich im 16. Jahrhundert stehe exemplarisch für den Versuch Zürichs, immer mehr Herrschaftsrechte zu erwerben und so den Kanton herauszubilden. Alt-Wädenswil entspreche einer typischen Kleinadel-Burg, die es in der Region etwa alle zehn Kilometer gab, erzählt Niffeler. Mit so einer Burg habe man damals ein Gebiet in der Grösse von vier bis fünf Gemeinden verwalten können. Dabei sei der Freiherr nicht nur für die Verwaltung und Sicherheit der Umgebung verantwortlich gewesen, er habe unter anderem auch das Amt des Richters innegehabt. Urs Niffeler, der Archäologe, steht auf dem alten Turm der Burg und sieht sich um. Der Standort sei gut gewählt. «Man sieht auf das Hinterland und – wenn man sich die Bäume wegdenkt – bis zum Seeufer.» Die Region sei voller archäologisch interessanter Objekte, schwärmt Niffeler. Sie reichten von Römerspuren auf der Insel Ufenau bis zur Horgner Pfahlbauerkultur. Im neusten Band möchte das Team um Urs Niffeler rund 140 solche Erscheinungsbilder der kulturellen Entwicklung von der Urzeit bis ins moderne Industriezeitalter vorstellen. Sich auf diese Zahl zu beschränken bedeute für ihn die «Qual der Wahl». Archäologe Urs Niffeler vor der Sternenschanze in Samstagern. Foto: Sabine Rock

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