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Ein nachgebauter Flugveteran gibt am Oberriedner Ufer ein kurzes Gastspiel

Der Zürichsee war gestern seit langem wieder einmal eine Flugpiste. Um 14.15 Uhr wasserte auf der Höhe der Seepolizei vor Oberrieden ein zweimotoriger Doppeldecker vom Typ Sikorsky S 38. Die Landung gelang erst im zweiten Anlauf.

Von Marco Morosoli (Text) und Sabine Rock (Bilder) Oberrieden – Oldtimer, alte Eisenbahnlokomotiven und Veteranen der Lüfte ziehen Menschen in Massen an. Das war auch gestern Nachmittag nicht anders. Um 14.15 Uhr landete am Oberriedner Zürichseeufer eine Sikorsky S 38. Das Wasserflugzeug schaffte die Landung auf dem unruhigen See aber erst im zweiten Anlauf. «Ich wollte sichergehen, dass die Landebahn ausreicht», sagte Tom Schrade, Pilot des zweimotorigen Doppeldeckers. Die Maschine ist das Zugpferd für die deutsche Vereinigung «Luftfahrt ohne Grenzen». Sie setzt sich für Kinder ein, die es im Leben schwer haben. Die aus Sicherheitsaspekten verzögerte Landung kümmerte die Zuschauer am Ufer aber nicht im Geringsten. Vielmehr bot sich ihnen die Gelegenheit, mehr Bilder als geplant zu machen. Kaum einer der Besucher war ohne Fotoapparat oder Filmkamera angereist. «Das ist etwas Einmaliges. In den kommenden Jahren werden wir eine solche Landung sicher nicht mehr erleben können», sagt Ueli Moser aus Thalwil. Auch er knipst und knipst und knipst. Begehrte Bootsplätze Besonders glücklich waren diejenigen Zaungäste, die mit einem Boot nahe an die Sikorsky heranfahren konnten. Unzählige Motorboote säumten die ganze von der Seepolizei abgesperrte Landebahn auf dem Wasser. Die Organisation «Luftfahrt ohne Grenzen» hatte den Landeplatz Oberrieden bewusst gewählt. In der Nähe der Zentrale der Seepolizei hatte der Jurassier Alfred Comte in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Flugzeuge gebaut. Es handelte sich dabei um keine Massenware. So stammt das grösste je in der Schweiz geplante und gebaute Flugzeug – die AC 3 – aus Oberrieden. Von diesem Bomberflugzeug wurde aber nur ein Stück produziert. Doch das ist Geschichte, die die Besucher gestern nur am Rande interessierte. Viele Zuschauer erkannten die Sikorsky als Requisite des Films «The Aviator» mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle wieder. Für diesen Hollywood-Streifen über den geheimnisumwitterten Milliardär Howard Hughes wurde die Sikorsky 2001 auch originalgetreu nachgebaut. Pilot Tom Schrade spielte im Film auch mit, denn er und nicht der Hauptdarsteller DiCaprio flog den Doppeldecker. Das erste Exemplar dieses Amphibienflugzeuges – es kann sowohl auf dem Wasser wie auch am Boden landen – wurde 1928 gebaut. 100 Flugzeuge wurden in Stratforf (US-Bundesstaat Connecticut) hergestellt, doch kein Exem-plar blieb erhalten. Immerhin stammt im Nachbau die obere Tragfläche von einem Flugzeug aus den 20er-Jahren. Für den Piloten eine Premiere Für den Piloten Tom Schrade war die gestrige Landung auf dem Zürichsee etwas Spezielles: «Ich bin hier noch nie gelandet.» Um auf der sicheren Seite zu sein, hatte er einen Führer. Sein Berufskollege Ueli Diethelm aus Lachen begleitete ihn mit einer Piper Super Cup. Dieser Flieger ist eines von heute noch fünf Wasserflugzeugen in der Schweiz. Nach der Landung wurde die Sikorsky S 38 an einer Boje befestigt. Der Wind liess das teure Flugobjekt aber bedrohlich nahe an die Hafenmole abdriften. Mit viel Geschick konnte ein Polizeiboot dann das Flugzeug wieder sichern. Weiterflug nach Deutschland Tom Schrade konnte aber beim gut einstündigen Zwischenstopp in Oberrieden nicht ausruhen. Kaum an Land, musste er schon den Weiterflug nach Deutschland planen. Um 16.23 Uhr – ein wenig hinter dem Fahrplan – startete er mit lautem Getöse von Oberrieden in Richtung Flughafen Egelsbach bei Frankfurt. Die Heimkehr in die USA hat Schrade aber erst im nächsten Jahr geplant. Die Winde über dem Atlantik sind in dieser Jahreszeit zu stark. Die Besucher der Sikorsky-Landung in Oberrieden zeigten sich auch generös. Die Spendenbox von «Luftfahrt ohne Grenzen» war jedenfalls schon schnell gut gefüllt. www.wingsofhelp.ch Eine Sikorsky S 38 landete gestern Nachmittag auf dem Zürichsee (Bild oben). Die Seepolizei half beim Sichern des Flugzeuges (Bild u. links). Später wurde der Flieger vom Land aus genau inspiziert (Bild u. rechts) .

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