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Ein Sportanlass – und nicht blosse Munitions-Vernichtung

Am Wochenende fand in Horgen das Bockenkrieg-Schiessen statt. Mit dem Wettbewerb will man an den Konflikt zwischen Bauern und Aristokraten aus dem 19. Jahrhundert erinnern.

Von Andreas Kurz Horgen – Es ist Bockenkrieg in Horgen. Im Sekundentakt peitschen am Samstagnachmittag die Schüsse durch die Luft. Schussrichtung Nord-Süd. 170 Dezibel laut. Es riecht nach Schiesspulver. Das Bockenkrieg-Schiessen ist – trotz martialisch anmutendem Namen – eine gesittete Angelegenheit. Es sind vorwiegend ältere Herren, die in ihren engen Schiessjacken, mit steifem Gang und ernster Miene durch den Schiessstand Käpfnach schreiten. Sie tragen Gehörschutz und Baseballmützen mit Sichtschutzklappen an den Seiten. Die Auswahl des Materials sei eine «Wissenschaft für sich», sagt Obmann Roland Stäubli. Nebst Schiessjacken gibt es spezielle Schiessbrillen, Schiesshosen und sogar Schiessschuhe. Und sie fluchen auch mal Die Schützen nehmen sich für die einzelnen Versuche viel Zeit, atmen tief und gleichmässig. Nach dem Schuss räkeln sie sich am Boden und fluchen schon mal, wenn einer danebengeht. Es sei eben wirklich ein Sport und nicht nur eine «Munitions-Vernichtung» wie beim Militär, sagt der Obmann. Die ein Meter grosse Zielscheibe in 300 Meter Entfernung nur ein kleiner Punkt am Horizont. Die Besten kommen bis wenige Zentimeter ans Zentrum heran. Zehn Zehner, also hundert Punkte, sind das Maximum. Die Schiessanlage Käpfnach, wo das Erinnerungsschiessen an den Bockenkrieg am Wochenende stattfand, liegt nur wenige Hundert Meter vom einstigen Schlachtfeld entfernt. Dort wehrten sich die Horgner Bauern anno 1804 gegen die hohen Preise des Zehntenloskaufes der Aristokraten. Die Regierung musste eidgenössische Truppen anfordern, um der hartnäckigen Aufständischen Herr zu werden. Sogar Napoleon habe sich damals bewiesenermassen Sorgen um die Sicherheit in der Region gemacht, erzählt Bockenkrieg-Obmann Roland Stäubli. Seit beinahe vier Jahrzehnten wird dieser rurale Aufstand gegen die Obrigkeit nun mit einem Schiesswettbewerb zelebriert. Für die Schützengesellschaft ist der Anlass in erster Linie eine Einnahmequelle. «Damit finanzieren wir unseren Betrieb», sagt Stäubli, der den Anlass zum dritten Mal leitet. Das bringe jedoch Pflichten mit sich: Wenn man ein eigenes Schiessen habe, müsse man auch diejenigen der anderen Vereine besuchen. «Es ist ein Geben und ein Nehmen.» Bei zwei bis drei Schiessen, die jedes Wochenende stattfinden, sei man viel unterwegs. Unter den rund 900 Teilnehmern in Horgen waren dafür auch viele Schützen aus anderen Kantonen. Wenige in der Schützenstube Die Schützen haben es ob der vollen Schiess-Agenda denn auch pressant. Viele hasten nach dem letzten Schuss noch in voller Montur zum Auszeichnungsschalter. «Das muss nicht sein», heisst es auf einem Zettel. Die Gesellschaft sähe es gerne, wenn die Sportschützen noch eine Viertelstunde verweilen und etwas trinken würden. Die Schützenstube ist am Samstagnachmittag aber eher spärlich besucht. Vielleicht liegt es ja daran, dass es ununterbrochen regnet. Das schlechte Wetter bereitet Einzelnen Mühe – oder dient zumindest als Erklärung für Fehlschüsse. «Wenn ein Tropfen auf die Patrone kommt, ist der Schuss gleich zehn Zentimeter tiefer», sagt einer. «Nein, nein, das glaube ich also nicht», sagt sein Kollege. Diejenigen, die länger bleiben, diskutieren und fachsimpeln über ihre Ergebnisse. Kollegialität werde bei der SG Horgen grossgeschrieben, sagt Stäubli. «Das Zwischenmenschliche soll im Vordergrund stehen.» Das Motto der Schützengesellschaft lautet denn auch: «Gute Kameraden zu sein, ist besser als viel Zehnerlein.» Roland Stäubli ist der Obmann des Bockenkrieg-Schiessens in Horgen. Foto: Silvia Luckner

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