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Ein Tor und viel Leidenschaft

Monnet bescherte dem ZSC einen 1:0-Derbysieg. Das Duell war torarm, aber sehenswert.

Von Simon Graf, Kloten Im Finish kochten die Emotionen beinahe über. Pittis streckte Santala drei Minuten vor Schluss mit einem Ellbogencheck nieder, traktierte mit seinem Arbeitsgerät das Plexiglas der Strafbank und musste die Arena unter Schmährufen und gellenden Pfiffen verlassen. Der Wutausbruch des Kanadiers mit dem lateinischen Temperament verschaffte den Flyers ein finales Powerplay, doch irgendwie schienen bei ihnen Konzentration und Kraft für einen letzten grossen Ansturm auf Flüeler zu fehlen. Das Überzahlspiel plätscherte dahin, und auch, als Anders Eldebrink einen sechsten Feldspieler aufs Eis beorderte, kam keine Torgefahr mehr auf. Down trug den Puck in der Schlussminute in die gegnerische Zone und verteidigte ihn da erfolgreich. Die Sekunden verstrichen, die Sirene ertönte, ein letztes Gerangel bildete sich. Im dritten Derby schossen die ZSC Lions erneut nur ein Tor, doch diesmal reichte es sogar zu drei Punkten. 1:2, 2:1 nach Penaltys und nun 1:0 aus Sicht der Stadtzürcher – die Duelle bieten diese Saison kein Offensivspektakel. Doch Siegercoach Colin Muller sagte nach einem nervenaufreibenden Abend: «Kampf, Aggressionen, alles war drin in diesem Match.» Und er fügte an: «Kompliment an die Schiedsrichter, dass sie uns spielen liessen.» Trotz einer eher toleranten Regelauslegung summierten sich die Strafminuten auf 50. Immer wieder entluden sich die Feindseligkeiten in kleineren Scharmützeln. Und es wurde offensichtlich, dass Pittis nicht vergessen hat, dass Santala vor einem Jahr im Hallenstadion auf ihn einprügelt hatte. «Gladiatorenspiel mit Technik» Eldebrink beurteilte Pittis’ Angriff auf seinen Topskorer indes mit der ihm eigenen Gelassenheit: «Sie wollen beide unbedingt gewinnen. Es ist doch schön, eine solche Leidenschaft zu sehen. Eishockey ist nicht Fussball. Eishockey ist ein Kampfsport, ein Gladiatorenspiel mit ein bisschen Technik.» Was den Schweden allerdings beschäftigte, war die Abschlussschwäche seines Teams. «Wir müssen Tore schiessen», sagte er kopfschüttelnd. «Und dazu muss man vors Tor, dem Goalie die Sicht nehmen. Oder richtig schiessen, über die Schulter.» Wie es funktioniert, zeigte Monnet in der 23. Minute, als er nach zwei schnellen Pässen von Westcott und Pittis Flyers-Goalie Rüeger mit einem präzisen Schuss über dessen rechte Schulter erwischte. Es sollte das einzige Tor des Abends bleiben. Einmal überquerte der Puck zwar die Torlinie der ZSC Lions, in der 45. Minute nach einem Schuss von Bell, doch die Schiedsrichter anerkannten den Treffer zu Recht nicht. Liniger war im Torraum gelegen und hatte Flüeler behindert. Kloten bot über die 60 Minuten spielerisch deutlich mehr als die Lions, war phasenweise hoch überlegen, scheiterte aber immer wieder am hervorragenden Flüeler. Zudem machten die Gäste die Räume eng und spielten in der eigenen Zone viel konsequenter als auch schon, allen voran Seger und Westcott. «Man darf die Flyers nicht laufen lassen, denn sie sind eine der wendigsten und schnellsten Mannschaften der Liga. Wenn nicht die schnellste», sagte Muller. Sein Plan, das gegnerische Spiel zu zerstören und zu kontern, ging auf. Nach drei Derbys in den ersten 14?Spielen können die beiden Zürcher Klubs ihre Rivalität nun ein bisschen abkühlen lassen. Sie spielen erst am 21. und am 23. Dezember wieder gegeneinander. Dass Pittis und Santala bei dieser Gelegenheit Weihnachtsgeschenke austauschen, ist nicht anzunehmen. Kloten Flyers - ZSC Lions 0:1 (0:0, 0:1, 0:0) Kolping-Arena. – 6010 Zuschauer. – SR: Rochette/Stricker; Fluri/Müller. – Tor: 23. Monnet (Pittis, Westcott) 0:1. – Strafen: 10-mal 2 Minuten gegen die Kloten Flyers, 10-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Pittis) gegen die ZSC Lions. Kloten Flyers: Rüeger; Blum, Dupont; Du Bois, von Gunten; Winkler, Sidler; Welti; Bieber, Santala, Rintanen; Stancescu, Liniger, Bell; Jacquemet, Lemm, Hollenstein; Bodenmann, Kellenberger, Füglister. ZSC Lions: Flüeler; Stoffel, Seger; Westcott, Geering; Murphy, Müller; Bastl, Pittis, Monnet; Schommer, Ambühl, Bärtschi; Krutow, Wichser, Down; Schnyder, Ziegler, Bühler. Bemerkungen: ZSC Lions ohne Paterlini, Kloten Flyers ohne Jenni und Hamr (alle verletzt). – 4. Kellenberger scheitert mit Penalty an Flüeler. Die Kloten Flyers ab 58:54 ohne Torhüter. Den Puck im Blick, die Flyers im Griff – ZSC-Goalie Lukas Flüeler war gestern von Jacquemet (rechts) und den anderen Klotenern nicht zu bezwingen. Foto: Keystone

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