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Eingehüllt in den Mantel der Rock-Geschichte

Urs Junger und seine Pink-Floyd-Tribute-Band Crazy Diamond verzauberten am Freitagabend das Publikum im Wetziker Scala mit einem Konzert der Extraklasse.

Von Marc Ulrich Wetzikon – Die tickende Uhr ertönt leise im Hintergrund. Sie beginnt zu läuten, zu klingeln und zu schlagen. Ein älterer, ergrauter Mann mit Hemd, Faltenhosen und Lackschuhen johlt und hebt seine Faust in die Höhe, das Publikum klatscht in erwartungsvoller Vorfreude auf den Song. Gitarren- und Bassklänge dröhnen durch den Saal. Die Spannung im heissen, stickigen Saal liegt förmlich in der Luft. «Ticking away the moments that make a dull day», singt Urs Junger. Er lächelt ins Publikum und zwinkert dem älteren Mann zu, der mit dem Kopf zu wippen beginnt. «Time», ein Klassiker des Pink-Floyd-Albums «The Dark Side of the Moon», zählt zu den Höhepunkten des Konzerts von Crazy Diamond im Scala. Die Tribute-Band zieht dabei alle Register ihres Könnens und begeistert mit der detailgetreuen Wiedergabe der legendären Songs. Die Begeisterung der Musiker überträgt sich auch auf das Publikum – bereits nach wenigen Minuten, als die schwirrenden Helikopterklänge von «Another Brick in the Wall» ertönen, sind die ersten begeisterten Freudenschreie zu hören. Geschäftsmann neben Hippie Urs Junger aus Tann ist Sänger, Gitarrist und Gründer der heute siebenköpfigen Band. «Die Idee dazu entstand im Jahr 2000, als ich ein Jahr in Amerika war», erzählt er. «Im House of Blues in Los Angeles sah ich ein Konzert einer Pink-Floyd-Tribute-Band und war begeistert.» Junger – bis dahin in zwei anderen Bands als Musiker aktiv – kam mit dem Willen zurück in die Schweiz, auch hierzulande eine solche Tribute-Band zu etablieren. «Pink Floyd waren seit jeher meine Lieblingsband, deswegen kam für mich nichts anderes infrage», hält er fest. Er habe einige Freunde und Bekannte, die ebenfalls musizierten, zusammengetrommelt und sich Hals über Kopf in das Projekt gestürzt. «Es zeigte sich, dass wir ziemlich blauäugig waren», erklärt er mit einem Lachen. «Wir haben die Komplexität und den Anspruch der floydschen Musik unterschätzt und Jahre gebraucht, dem Werk der Band gerecht zu werden.» Das Publikum im Saal ist bunt durchmischt. Geschäftsleute in Anzügen, Krawatte und edlen Schuhen stehen Schulter an Schulter mit jungen Dreadlocks-Trägern und jubeln gemeinsam zu «Welcome to the Machine». Alt-Hippies, die beim fünfminütigen Gitarrensolo von «Comfortably Numb» in Erinnerungen an die guten alten Tage schwelgen. Verliebte Paare liegen sich zu «Wish You Were Here» in den Armen. Die Tatsache, dass es sich dabei nicht um ein Liebeslied handelt, spielt im Rausch der Gefühle halt eine nebensächliche Rolle. Die Mitglieder der Band zwinkern immer wieder Familienmitgliedern, Bekannten und Freunden im Publikum zu, die zum x-ten Mal ein Konzert besuchen. Es herrscht eine persönliche und unmittelbare Atmosphäre. Gilmour interessiert sich «Die Rückmeldungen der Konzertbesucher sind durchwegs positiv», sagt Urs Junger. Es sei schön, dass sich die Besucherzahl in den letzten drei Jahren um die Hälfte erhöht habe und das Bedürfnis bestehe, «die unvergleichliche Musik Pink Floyds und ihre Aussagekraft am Leben zu erhalten». Mittlerweile ist die Band auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Sogar die Pink-Floyd-Mitglieder David Gilmour und Roger Waters haben Kontakt zur Band aufgenommen und interessieren sich für ihr Schaffen. Pink Floyd leben weiter Auch im Scala ist der Saal voll. Die Band dankt es mit überbordender Spielfreude. Junger und Bryan Pfister, der zweite Gitarrist, imitieren Gilmours virtuoses Gitarrenspiel perfekt, Sängerin Kata Hanke berührt mit einer atemberaubenden Version von «The Great Gig in the Sky», Bassist Andreas Neisser und Drummer Felix Waldispühl bilden das rhythmische Rückgrat, und die zwei Keyboarder Dani Bucher und Bernd Hasenfraz beenden nach dem letzten Song «High Hopes» das Konzert mit einem mehrminütigen Solo. Die Band geht nach frenetischem Applaus von der Bühne und hinterlässt das zufriedene Publikum mit der Gewissheit, dass die Musik von Pink Floyd auch Jahrzehnte nach deren Trennung weiterlebt.

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