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Entsorgung des radioaktiven Wassers ist vorrangig

Die internationale Hilfe für die Bewältigung der Atomkatastrophe im Meiler Fukushima läuft endlich an.

Von Matthias Meili Drei Wochen nach Beginn der Atomkrise im erdbebenversehrten Japan kommt die Expertenhilfe der internationalen Gemeinschaft ins Rollen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat anlässlich seines Besuchs in Tokio den Einsatz von speziellen Robotern angeboten. Der japanische Generalstabschef Ryoichi Oriki bestätigte gestern, dass die Amerikaner eine 140 Mann starke Spezialtruppe entsenden werden, die auf die Entsorgung von radioaktivem Schutt spezialisiert ist. Gleichzeitig hat der französische Nuklearkonzern Areva fünf Spezialisten freigestellt, um bei der Beseitigung des radioaktiv verseuchten Wassers zu helfen. Dieses behindert die Rettungsarbeiten derzeit am meisten. Nach Firmenangaben bringen die Areva-Experten das Know-how aus der Stilllegung von älteren Atommeilern mit, bei der kontaminiertes Wasser ebenfalls ein Problem ist. Die japanischen Einsatzkräfte im zerstörten Werk Fukushima Daiichi stecken in einer Zwickmühle: Einerseits müssen sie die beschädigten Brennstäbe in den Reaktorblöcken sowie die Abklingbecken weiter mit genügend Wasser direkt kühlen. Andererseits hat sich radioaktiv verseuchtes Kühlwasser in den Maschinenhäusern der Blöcke 1, 2 und 3 sowie in einem Tunnel zur Verlegung von Rohrleitungen ausserhalb von Block 2 angesammelt. Gemäss der japanischen Agentur Kyodo wurden in diesem Tunnel Strahlenwerte gemessen, die 10 000-mal höher waren als beim Normalbetrieb. Bisher konnten die Arbeiter noch nicht herausfinden, wo im Reaktorblock sich das Leck befindet, was die Rettungsarbeiten weiter erschwert.Die Entsorgung dieses Wassers ist nicht einfach. Gestern wurden 150 Tonnen aus dem Tunnel von Block 2 in einen Lagertank gepumpt, damit das verseuchte Wasser nicht ins Meer fliesst. Gleichzeitig leerten die Arbeiter die Überlauftanks der Reaktorblöcke, um das Wasser, das in den Maschinenhäusern liegt, zurückpumpen zu können.Zu einem späteren Zeitpunkt besteht die Möglichkeit, kontaminiertes Wasser mit speziellen Filtern zu reinigen. «Ob die Behandlung gelingt, hängt davon ab, wie stark und mit welchen radioaktiven Stoffen das Wasser kontaminiert ist», erklärt Anton Treier, Mitarbeiter des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi). «Darüber sind noch zu wenig Informationen bekannt.»Derweil sind sowohl im Meerwasser nahe dem Werk als auch im Grundwasser erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Im Meerwasser wurden Konzentrationen des radioaktiven Isotops Jod-131 gemessen, die mittlerweile fast 5000-mal über dem Grenzwert liegen. Laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist die Lage weiterhin sehr ernst. Dass die Brennstoffkerne beschädigt oder teilweise sogar geschmolzen sind, hat mittlerweile auch die japanische Regierung zugegeben. Gemäss der japanischen Nuklearsicherheitsbehörde Nisa entweicht derzeit sehr wahrscheinlich kontinuierlich Radioaktivität aus dem beschädigten Werk. Atomwrack Fukushima Daiichi, Block 1 bis 4: Bis sich die Lage stabilisiert hat, kann es nach Behördenangaben noch Wochen dauern. Foto: Air Photo Service (EPA, Keystone)

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