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Er war hässig und setzte den Golf GTI als Waffe ein

Eine Disco-Schlägerei endete gestern vor dem Bezirksgericht Bülach: Ein Jugendlicher kassierte wegen Gefährdung des Lebens 16 Monate.

Von Markus Rohr Kloten/Bülach – Irgendwie kommt einem das bekannt vor: Der 22-jährige Angeklagte hat die Berufslehre abgebrochen, arbeitet jetzt als Magaziner und hat ein kleines Einkommen. Trotzdem kauft er sich zusammen mit seinem Vater einen 40 000 Franken teuren Golf GTI. Der Wagen ist auf den Vater eingetragen, der Sohn fuhr damit herum. Am späten Abend des 19. März dieses Jahres steuert der junge Aargauer mit zwei Kollegen ins Alpenrock House am Flughafen. Man vergnügt sich und trinkt auch Alkohol. Wie viel ist unklar. Auf der Tanzfläche kommt es zu einer Schlägerei unter Dritten. Der Angeklagte wird dazugerufen und schlägt selbst zu. Die Security-Leute greifen ein. Die Raufbolde werden aus dem Lokal gewiesen. Der aus dem Zürcher Unterland stammende Kläger B. wird am Ausgang von den Türstehern festgehalten. Der Angeklagte A. läuft an ihm vorbei und schlägt ihm die Faust ins Gesicht. Mit Vollgas auf den Gegner Damit nicht genug: An der nahe gelegenen BP-Tankstelle wollen sich die Aargauer Jungs etwas zum Trinken kaufen, um sich abzukühlen, wie der Angeklagte später sagt. Dazu kommt es gar nicht. Als A. an der Tankstelle seinen Schläger-kontrahenten sieht, beschleunigt er seinen Golf GTI gemäss Staatsanwaltschaft auf 35 bis 50 km/h und fährt direkt auf B. zu. Dieser kann im letzten Moment zur Seite springen, wird aber vom Auto erfasst und leicht verletzt. «Oh Scheisse, habe ich ihn getroffen?», entfährt es dem Autorowdy damals spontan. Ohne sich um den Verletzten zu kümmern, fährt A. weiter, zunächst in verkehrter Richtung (Einbahnstrasse) und in der Folge direkt nach Hause. Bei der Polizei meldet er sich erst am anderen Morgen.Für den Staatsanwalt ein klarer Fall: Der Angeklagte hat durch sein skrupelloses Verhalten B. in unmittelbare Lebensgefahr gebracht, die Verkehrsregeln grob verletzt, eine Blutalkoholentnahme vereitelt und sich nach dem Unfall mit seiner Flucht pflichtwidrig verhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass der GTI-Fahrer den Tathergang zunächst nicht korrekt schilderte, weil er nicht wusste, dass alles präzise auf dem Tankstellenvideo festgehalten wurde. Erst gestern rang sich der Angeklagte vor dem Bezirksgericht in Bülach zu einem vollumfänglichen Geständnis durch und zeigte Reue. «Ich war einfach hässig und wollte dem andern Angst machen.» Beinahe vorsätzliche Tötung Dem Antrag des Staatsanwaltes auf 12 Monate Freiheitsstrafe bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren, einer Busse von 1000 Franken sowie auf Übernahme sämtlicher Verfahrenskosten stimmte auch der amtliche Verteidiger des Angeklagten weitgehend zu. Das Gericht ging über den Antrag hinaus und verurteilte den jungen Aargauer zu 16 Monaten Freiheitsstrafe bedingt auf drei Jahre, zu einer Busse von 500 Franken sowie zur Übernahme sämtlicher Verfahrenskosten. Es blieb damit immer noch am unteren Rand des Strafrahmens, der eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren ermöglicht hätte. Und dies, obwohl sich der Gerichtspräsident nach eigenen Aussagen auch überlegt hatte, ob da nicht der Straftatbestand der versuchten vorsätzlichen Tötung infrage kommen könnte. «Das war kein Bubenstreich, sondern ein schwerwiegendes Delikt», sagte der vorsitzende Richter. Und: «Ein Auto ist kein Spielzeug und auch keine Waffe». Mit dem Geständnis und der Einsicht in letzter Minute hat sich der Angeklagte vor einer noch härteren Strafe gerettet. Strafmildernd hat sich ausgewirkt, dass er nicht vorbestraft ist und in geordneten Verhältnissen lebt. Viel hat er seiner Freundin zu verdanken, die er seit sieben Jahren kennt. Sie verhalf ihm nicht nur zu seiner jetzigen Arbeitsstelle, sondern begleitete ihn auch liebevoll durch den ganzen Prozess. «Mein Mandant bekundete Mühe, seine Skrupellosigkeit, ja Hemmungslosigkeit einzusehen.» Der Anwalt des Angeklagten

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