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Es ist Zeit für Tulpen

Marktfrisch Die Farben sind zurück auf dem Markt. Nach einer kurzen Winterpause hat Blumengärtner Rüegg seinen Stand auf der Winterthurer Steinberggasse wieder aufgeschlagen (vorderhand nur am Freitag). Diese Woche hat Raphael Rüegg, der jüngste Vertreter des Hettlinger Traditionsbetriebes, die ersten eigenen Tulpensträusse im Angebot. Dank des warmen Wetters sind sie etwas früher als andere Jahre, ebenso die Primeln, deren Blüten rot und gelb und blau zwischen dicken grünen Blättern hervorspriessen. Um schon im Januar einheimische Tulpen auf den Markt zu bringen, betreibt der Gärtner einen grossen Aufwand. «Im Herbst setzen wir wochenlang Tulpenzwiebeln von Hand in Plastikkisten», erklärt Rüegg, «und zwar in eine speziell gemischte Erde, 50 Stück pro Kiste.» Danach brauchen sie eine Kühlphase von mindestens zwei Monaten, sonst blühen sie im Frühling nicht schön. Im Boden überstehen sie jeden Winter, wenn sie zehn Zentimeter oder tiefer gesteckt sind. In den Kisten dürfen sie aber nicht zu kalt haben; Rüeggs halten sie deswegen unter Folien bei circa 0 Grad. Nach der Kühlphase werden die Kisten gestaffelt in die Wärme gebracht, und nach zwei bis drei Wochen beginnen die Tulpen zu treiben. Für den Verkauf werden sie von Hand geschnitten. Die Arbeit hat ihren Preis: 10 Tulpen kosten bei Rüeggs 18 Franken. Dafür sind sie kräftiger als jene aus Holland, die meist für 10 Franken pro Bund zu haben sind. Im Land der Tulpen erfolgt die Produktion maschinell, auf Flächen so gross wie bei uns die Weizen- und Maisfelder. Wenn nötig, werden die Pflanzen künstlich gekühlt – damit sie schon zu Weihnachten in den Läden stehen. Die Tulpe ist ein holländischer Exportschlager, über eine halbe Milliarde Zwiebeln gehen allein nach Deutschland. Nach der Überlieferung soll der Flame Ogier Ghislain Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Tulpenzwiebeln von der Türkei in die Niederlande gebracht haben; er war Gesandter des habsburgischen Kaisers in Konstantinopel. Aus 15 natürlichen Sorten entstanden durch Kreuzung bis heute rund 5000 verschiedene Tulpen. Die gefüllten halten sich übrigens im Strauss in der Regel etwas länger als die einfachen. Hilfreich ist auch, die Stiele schräg anzuschneiden und sie in handwarmes Wasser zu stellen. Nachgiessen nicht vergessen, Tulpen sind durstig! Zwei Marktbesucherinnen wollen von Raphael Rüegg wissen, ob man verblühte Tulpen im Garten zurückschneiden darf. Der Fachmann rät, sie stehen zu lassen, bis die Blätter verwelkt sind: «Dann geht die Kraft zurück in die Zwiebel.» Wer die Zwiebeln ausgräbt und im Keller lagert, darf nicht vergessen, sie im Oktober oder Anfang November wieder einzupflanzen. Für Freilandtulpen braucht es noch Geduld. Ein Marktfahrer auf dem Zürcher Bürkliplatz vertröstet die Kundin auf Mitte März. Derzeit hat er Tulpen aus dem Tessin im Angebot, für 1.50 Franken das Stück. An den zahlreichen Blumenständen auf Zürichs bekanntestem Markt dominieren noch immer die Rosen. Der Einzige, der hier bereits eigene Tulpen verkauft (zu 1.50 Franken), ist Blumengärtner Frieden aus Wangen bei Dübendorf. Man habe schon vor zwei Wochen damit begonnen, sagt die Verkäuferin. Die Blumen kommen aus dem Treibhaus und werden, anders als bei Rüeggs, nicht in der Erde, sondern in gedüngtem Wasser gezogen. Auf dem Markt stechen sie mit ihren leuchtenden Farben hervor: Orangerot, Knallrot, Dunkelrot, Violett.Susanne Anderegg Wochenmarkt in Winterthur auf der Steinberggasse: Dienstag und Freitag von 6 bis 11 Uhr. Wochenmarkt auf dem Bürkliplatz Zürich gleichzeitig.

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