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Fälschungen sind keine Rarität

Unter Sammlern immer wieder ein Ärgernis: Mineralien und Fossilien werden oft gefälscht. Im Rahmen der Schweizerischen Mineralien- und Fossilientage in Interlaken sind in einer Sonderausstellung spektakuläre Beispiele zu sehen.

Von jeher üben Mineralien, Edel- und Schmucksteine eine grosse Faszination auf den Menschen aus. Die einen erfreuen sich einfach an Glanz und Schönheit dieser seltenen Kostbarkeiten. Es gibt aber auch die anderen, die versuchen, die natürliche Schönheit der Steine zu imitieren und zu fälschen – oft in der Absicht, sie auf betrügerische Weise zu verkaufen. Fälschungen sind das Thema einer Sonderschau der Schweizerischen Mineralien- und Fossilientage in Interlaken (siehe Kasten). «Geschönte Steine» sieht man nicht nur heute an Ausstellungen, sondern man trifft sie auch immer wieder in alten Sammlungen an, ja sogar in Museen. Das zeigt, dass seit Menschengedenken Kristallstufen (als Stufe bezeichnet man eine Gruppe von Kristallen, die zusammenstehen, also nicht nur eine einzelne Kristallspitze) und Fossilien zusammengebastelt, montiert oder geklebt worden sind. Sie wurden meist als echte Fundstücke oder zumindest als nicht korrekt beschriftete Objekte an arglose Leute verkauft. Keine Kavaliersdelikte Man sollte es den Fälschern nicht allzu leicht machen. Grobe Fälschungen kann auch der Laie mit einfachen Mitteln und etwas Übung erkennen. Sollte man jedoch bei einer Mineralienstufe oder einem Fossil einmal unsicher sein, so wendet man sich am besten an einen professionellen Gutachter, einen Edelsteinkenner oder einen anderweitig qualifizierten Fachmann. Fälschungen oder Manipulationen ohne Kennzeichnung sind als Betrugsversuch zu werten und keinesfalls als Kavaliersdelikt! Verschönern erlaubt Hingegen sind «Verschönerungsmassnahmen», um die Stufe ausstellungswürdig zu machen, wie Reinigen, Präparieren (Freilegen von Kristallen) und gegebenenfalls sogar Haltbar machen, sind hingegen keine Verfälschungen oder Manipulationen. Sie dienen vielmehr der Wertsteigerung der Fundstücke und machen aus einem unscheinbaren Objekt erst eine ästhetische und optisch ansprechende Bereicherung einer Sammlung. Im Gegensatz dazu mindern Reparaturen (zum Beispiel das Wiederankleben abgebrochener Kristalle) den Wert einer Stufe ganz erheblich. Ehrlich deklarieren Hier stellt sich die Frage, ab welchem Punkt eine betrügerische Manipulation vorliegt. Grundsätzlich ist nichts gegen die Reparatur einer Mineralstufe, wie etwa das Kleben eines abgebrochenen Kristalls, einzuwenden. Allerdings ausdrücklich nur dann, wenn der betreffende Händler den Kunden auf diese Reparatur aufmerksam macht und die Stufe zum Beispiel als «repariert» deklariert. Krimineller wird es, wenn Kristalle auf Mineralstufen montiert werden, auf denen diese ursprünglich gar nicht vorhanden waren – möglichst noch in einer seltenen Zusammensetzung mit anderen Kristallen. Derartige Machwerke werden heute nahezu fabrikmässig in «hoher Qualität» produziert und an unwissende Steinliebhaber verkauft. Zu jeder Mineralienstufe gehören Angaben wie Namen des Minerals und dessen Fundort. Preisbestimmend sind Seltenheit, Stufengrösse, Kristallgrösse, Ausbildung, Erhaltungszustand, ästhetischer Gesamteindruck und anderes. Ganz sicher aber ist preiswirksam, ob ein Käufer vorhanden ist oder nicht. Achate «bevorzugt» Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass den Fälschern kein Mineral oder Fossil heilig ist. Die bekanntesten Fälschungen sind Achatscheiben. Achate sind eine Variante des Quarzes und haben streifige Zeichnungen. Sie werden oft in schöne pinke, rote, blaue oder grüne Farbstofflösungen eingetaucht, beziehungsweise darin gekocht. Achate, die in Zuckerlösung eingelegt und anschliessend gebrannt werden, können schnell zum Karneol werden. Ein Karneol ist ein orange bis orangerotes Quarzgebilde und ein gesuchteres Mineral als Achat. Andere Farbe, höherer Preis Ein Bergkristall ist ein farbloser Quarz. Amethyste sind violette Quarze und nehmen beim Erwärmen auf Temperaturen um die 400 Grad Celsius eine gelbbräunliche Färbung an, die dem natürlichen Citrin (gelblicher, gesuchter Quarz) gleicht. Diese gebrannten Amethyste werden dann im Handel häufig ohne weiteren Hinweis als Citrine angeboten – mit dem Ziel, einen viel höheren Preis erzielen zu können. Aragonite (ein häufig vorkommendes Mineral) werden in Farblösungen getaucht und nehmen schnell die jeweilige Färbung an. Lapislazuli, ein blau glänzendes, sehr schönes Mineralgemisch, wird gelegentlich zur «Intensivierung» der blauen Farbe in blau gefärbtes Öl eingelegt. Topase, ein Edelstein, können durch Bestrahlung in blauen Topas umgewandelt und dadurch teurer verkauft werden. Lose Smaragdkristalle (grüner Edelstein) werden in ein weisses Calcitgestein geschickt eingeklebt. Zinkite, die im Prozess der Verhüttung von Zinkerzen oder bei der Aufarbeitung des Rohzinkes entstehen können, werden als «Naturprodukte» verkauft. Rot lackierte und in Originalgestein eingeklebte Almandinkristalle (ein rotviolettes Mineral) wurden zu «alpinen Mineralstufen» arrangiert. Diese Fälschungsliste könnte noch fast endlos fortgesetzt werden Der Weg des Betrugs Die Herstellung einer Fälschung gleicht sich immer wieder. Zuerst kauft der Fälscher kleine Einzelstücke, im besten Fall sogar das korrekte Ursprungsgestein bei einem Händler. Dieser schöpft vielleicht Verdacht, sagt aber nichts, da er froh ist, dass die schwer verkäuflichen Stücke nun endlich weg sind. Dann tritt der «Künstler» aufs Parkett und beginnt seine Arbeit. Aufkleben der Einzelkristalle auf das Gestein, fehlende Endflächen und Facetten werden angeschliffen, zuletzt werden die Verbindungsstellen sorgfältig kaschiert. Heute kommen Stufen auf den Markt, die sehr schwer und nur mit speziellen Prüfmitteln und Prüfmaterial eindeutig als Fälschungen identifiziert werden können. Charles Handschin Der Autor Charles Handschin ist Zentralpräsident der Schweizerischen Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler (SVSMF).>

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