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«Foto- und PC-Freaks» entdecken ihre Heimat

Die Horgner Pixeljäger – alle sind mindestens 60 Jahre alt – zeigen in einer Ausstellung, was sie sich unter «Heimat» vorstellen.

Von Nicole Trossmann Horgen – Viele Pixeljäger sagen, Heimat zu definieren, sei das Schwerste am gesamten Projekt gewesen. Die Pixeljäger sind «Foto- und PC-Freaks», wie sie sich selber betiteln, alle mindestens 60 Jahre alt, die sich jeweils dienstags im Horgner Seniorenzentrum Baumgärtlihof treffen und gemeinsam Projekte auf die Beine stellen. Am neuesten Wurf arbeiteten sie ein halbes Jahr lang. Daraus entstand eine interaktive Ausstellung mit Bildern, Filmen, Tönen, Gerüchen. So fertigten etwa Peter und Sylvia Rufer Ansichtskarten mit Motiven der Fasnacht, des Appenzells, der Halbinsel Au. Gerry Städele kreierte eine Diashow. Dafür interviewte er verschiedene Horgner Wirte unterschiedlicher Nationalitäten – Inder, Japaner, Chinesen – und fragte sie, was «Heimat» für sie bedeute. Trudy Baumann und Maja Abbühl stellten Tischsets her, Herbert Huwiler und Carita Benz machten Porträts von Auslandschweizern, René Corthay zeigte in einer Powerpoint-Show, dass in der Schweiz vieles kleiner und «heimeliger» sei als das Pendant im Ausland, und Roland Bachofen drehte kurzerhand einen Film über das Projekt selbst. Heimweh in Chile Nathalie Nüesch vom Baumgärtlihof begleitete die Pixeljäger bei ihrem Projekt. Es sei eine spannende Zeit gewesen, sagt sie: «Am Anfang herrschte eine kreativ-überschäumende Stimmung, dann kehrte Ruhe ein; alle begannen eifrig zu arbeiten, und als das Datum der Ausstellung näher rückte, harzte es auch mal ab und an – wie das halt so ist auf der Zielgeraden.» Es sei schwer, sich mit dem Begriff «Heimat» auseinanderzusetzen, ohne in Kitsch abzudriften. Das sei eine «Gratwanderung», sagt Nüesch, und immer wieder diskutierten die Pixeljäger, ob ein Begriff – etwa «Obdach haben» – zu schwülstig klinge oder nicht. Durch das Projekt setzte sich auch Nüesch selbst mit der «Heimat» auseinander. Für sie definiert sich der Begriff vor allem in Abgrenzung, quasi zur Nicht-Heimat. Kürzlich war die Horgnerin in Chile in den Ferien. Sie habe «brutal» Heimweh gehabt. «Da merkt man schnell, wie viel einem die eigene Heimat bedeutet.» Für Nüesch selber hat Heimat mit Sicherheit, mit Aufgehobensein zu tun. Und auch: ein Zuhause zu haben. «Für mich ist unser Haus in Horgen der Inbegriff von Heimat», sagt sie. «Ich sage jeweils scherzend zu meiner Familie: Hier bekommt ihr mich nie mehr weg.» Haus, Kirche oder Schwan? Auch Nüesch trug einen «winzigen» Teil zur Ausstellung bei. Über Facebook fragte sie ihre im Ausland wohnenden Schweizer Freunde, was sie denn kulinarisch an ihrer alten Heimat vermissten. Die Antworten umfassten: Totebeinli, Toni-Joghurt, Kägi-fret, Ovomaltine und natürlich Schoggi, Schoggi, Schoggi. Einige Artikel sind an der Ausstellung als Versuecherli zu kosten. Für Nüesch ist die Ausstellung der krönende Abschluss eines langen, kreativ-intensiven Arbeitsprozesses. Sie hofft, dass die Ausstellung auch bei Besuchern zu einem Denkanstoss führt: Was würde ich fotografieren? Das eigene Haus, einen Schwan auf dem Zürichsee oder die Kirche? Nüesch schmunzelt. «Diese Frage kann ich für mich selbst nun beantworten – ich fotografierte mein Haus.» Ausstellungseröffnung heute Dienstag, 5. April, 17 Uhr im Baumgärtlihof Horgen. Öffnungszeiten: Montag 14–17 Uhr, Dienstag–Freitag 8–17 Uhr. Engagiert sich für die Senioren: Nathalie Nüesch präsentiert Fotos aus dem Projekt mit den Pixeljägern. Foto: Reto Schneider

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