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«Friedhöfe zum Sein und Verweilen belassen»

FriedhofsnutzungBlumen pflücken, wo die Toten ruhen,TA vom 11. Januar Gefährdete Augenweiden. Die Aussage, unsere Friedhöfe seien zu gross, hat mich zuerst belustigt. Welch glückliche Stadt, in der so wenig gestorben wird. Und wenn doch, dann legt sich die freigeistige Bevölkerung am liebsten ins Platz sparende Gemeinschaftsgrab. So entstanden idyllische Wiesen zwischen den Gräbern, die von Grün Stadt Zürich aufs Liebevollste gepflegt werden. Beim Weiterlesen des Artikels packte mich dann das Entsetzen, denn diese wohltuenden Freiräume sind jetzt offenbar gefährdet. Wir haben schon Nutztiere, Nutzflächen und Nutzbauten – neu nun also auch Nutzfriedhöfe. Markus Huppenbauer von der Universität sieht keinen zwingenden Grund, andere Nutzungen zu verbieten. Ja, aber gibt es denn einen zwingenden Grund, sie anzustreben? Herr Fischer von Grün Stadt Zürich will sich für jeden Friedhof etwas einfallen lassen. Mir graut schon vor gut gemeinten Kunstausstellungen und Beeten, die pietätvoll zum Pflücken einladen. Ist ein Ort, an dem nicht konsumiert werden kann, ein unnützer Ort? Zürichs Friedhöfe sind wahre Augenweiden im wörtlichen Sinn. Das Auge darf hier schweifen und ausruhen, und so kommt auch die Seele zur Ruhe. Gabi Vigne, Zürich Letzte Rückzugsorte. Toll, jetzt werden mit der multifunktionalen Nutzung der städtischen Friedhöfe noch die letzten Ruhe- und Rückzugsorte der aktivitätsgeplagten Stadtbevölkerung genommen. Wieso kann sich Zürich nicht den Luxus leisten, solche Orte einfach zum Sein und Verweilen zu belassen? Jacqueline Orasch, Zürich Gemüse für die Altersheime. Da das Tiefbauamt offenbar noch ungenutzte Budgetkapazität hat, schlage ich im Sinne einer ämterübergreifenden nachhaltigen Lösung vor, die leeren Flächen auf den Friedhöfen mit Obst und Gemüse für die notleidenden Zürcher Altersheime zu bepflanzen. Catherine Ziegler Peter, Zürich Zuerst kommt das Essen. Wie Professor Huppenbauer richtig sagt, ist der Friedhof ein Ort, an dem ich mich in Ruhe mit dem Tod, dem Werden und Vergehen auseinandersetzen kann. Einen künstlerischen Ausdruck an diesem Ort könnte ich mir insofern vorstellen, als dass Menschen mehr Möglichkeiten bekommen könnten, die Gräber individuell zu gestalten. Auch eine Blumenwiese, auf der die Trauernden Blumen pflücken könnten, um diese als kleinen «Trost» mit nach Hause zu nehmen, wäre für mich eine sinnvolle Option. Ebenso eine kleine Schafherde, welche die stillgelegten oder noch freien Grabfelder «mähen» würden. All das wäre für mich persönlich noch keine Zweckentfremdung von geweihtem Boden. Alles andere lässt mich aber an raffgierige Menschen denken, die bei den grossen Friedhofsflächen nun Möglichkeiten sehen, um zuzugreifen. Ich erinnere an den Bericht über das Sparen in Altersheimen, der kürzlich im Tagi stand. Da wird auf der einen Seite über ein Kunstwerk im Hardaupark berichtet, kreiert von einem Künstler, der in den USA lebt, und das sage und schreibe 220 000 Franken kosten soll. Fast genauso viel wie nun in den Altersheimen beim Essen eingespart werden soll, welches für mich ja auch eine Form von Kultur und Kunst darstellt – und ehrlich gesagt noch die wichtigere. Und da das Altersheim für die meisten Leute ja oft der letzte Aufenthaltsort vor dem Friedhof ist, könnten wir doch nun anstatt Kultur in den Friedhöfen zu finanzieren, das Geld unseren alten Leuten in den Altersheimen zugute kommen lassen, indem wir ihnen weiterhin täglich ein anständiges und feines Essen servieren. Folgender Spruch kommt mir dabei noch in den Sinn: Schenke Kultur in Form eines guten Essens im Leben, auf dem Grab oder dem Friedhof sind sie vergeben. Und meiner Meinung auch daneben. Edith Reichmuth, Hausen am Albis Nicht auf den Ruhestätten spielen. Im vergangenen Sommer besuchte ich abends bei schönem Wetter das Gemeinschaftsgrab im Friedhof Zürich-Schwandenholz. Was ich dort antraf, war für mich sehr belastend, war doch eine ganze Familie auf der Ruhestätte am Picknicken und Spielen. Wenn schon Freigabe von unbenutzten Friedhofsflächen, dann bitte nur dort, wo bei den trauernden Hinterbliebenen keine negativen Gefühle ausgelöst werden. Heidi Schlegel, Zürich Blinder Nutzungswahn. Haben wir so sehr Angst vor der Leere, dass wir jetzt auch noch unsere Friedhöfe mit Betrieb füllen müssen? Zürichs Stadtregierung scheint einem blinden Nutzungswahn verfallen zu sein – jeder Quadratmeter öffentlichen Raumes muss (zusätzlich) genutzt, möbliert und mit Events überzogen werden. Wohin das führt, zeigt sich unter anderem jeden Sommer in den Zürcher Seeanlagen: Abfall, so weit das Auge reicht, weil zu viele Menschen die Anlagen als Müllkippe benutzen. Wie blauäugig ist die Stadt, dass sie glaubt, bei einer Öffnung der Zürcher Friedhöfe für zusätzliche Nutzungen würde sich eine ähnliche Entwicklung verhindern lassen? Claude Weill, Zürich Schafherden statt Schafsköpfe. Muss denn immer alles und jedes, was irgendwie und irgendwo brachliegt, genutzt, verwertet, umdisponiert, verändert, gestylt, verbessert, umgepflügt, bepflanzt, neu bestückt, ausgemessen, eingeteilt und aufgesplittet; eingezont, vermarktet, einer neuen Bestimmung zugeführt; zugänglich rentabel, öffentlich etc. gemacht werden? Können in der ohnehin hektischen Atmosphäre Zürichs nicht wenigstens diese stillen, einsamen Grasflächen so belassen werden, wie sie sind – mit Rasenmähern oder meinetwegen Schafherden kurzgehalten, statt von Schafsköpfen anderweitig bewirtschaftet werden? F. J. Ziegler, Kloten «Offenbar muss jeder Quadratmeter öffentlichen Raumes genutzt, möbliert und mit Eventsüberzogen werden.» Auch im Zürcher Friedhof Enzenbühl hätte es noch ungenutzte Flächen.Foto: Reto Oeschger

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