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«Geburtshilfe ist nicht planbar, Frühgeburten kündigen sich selten an»

In der Schweiz gibt es neun Intensivstationen für Frühgeborene, was zu Engpässen führen kann. Das Spital Zollikerberg ist für solche Fälle gewappnet.

Mit Marion Mönkhoff* sprach Petra Schanz Frau Mönkhoff, verfügt das Spital Zollikerberg über eine Intensivstation für Frühgeborene? Die Neonatologie des Spitals Zollikerberg ist keine Intensivstation, es gibt keine Beatmungsplätze. Hier kommen Frühgeborene erst ab der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt. Und wenn sie jünger sind? Bei noch früher Geborenen wird es problematisch, denn sie bedürfen einer noch intensiveren Betreuung. In der Stadt Zürich verfügt nur das Universitätsspital über die dafür nötigen Intensivplätze an einer Geburtsklinik. Diese werden aber auch an den übrigen Neonatologie-Kliniken knapp – denn die Anzahl der Frühgeborenen nimmt zu. Was passiert dann? Oftmals werden diese Frühgeborenen nach einer Stabilisierungsphase zur weiteren Betreuung von Zürich zu uns verlegt, damit am Zentrumsspital die Intensivplätze für die Kleinsten wieder frei werden. Diese enge Zusammenarbeit, die wir seit 2004 mit dem Unispital Zürich pflegen, ist auch eine Massnahme, um Engpässen, vor allem bei den Intensivplätzen, zu begegnen. Kann es bei Ihnen zu Engpässen kommen? Ja, das kann vorkommen. Solche Situationen sind aber selten. In aller Regel versuchen wir nämlich – wie andere Spitäler übrigens auch –, diesen Engpässen bereits vor der Geburt zu begegnen: Die Frauen werden bereits auf die Geburt hin in ein anderes Spital verlegt. Dies ist für das Kind weit schonender, als ein Transport nach der Geburt. Das gilt auch für die nicht ganz so kleinen Frühgeborenen, die älter als 32 Schwangerschaftswochen sind. Ist die Neonatologie oft überbelegt? Wie in allen Neonatologien unterliegt die Auslastung auch bei uns grossen Schwankungen. Das liegt daran, dass die Geburtshilfe nicht planbar ist und Frühgeburten meist unerwartet auftreten. Wir erstellen deshalb variable Einsatzpläne für unser Pflegepersonal, dabei ist stets eine zusätzliche Pflegende auf Abruf bereit. Zudem haben wir genügend Platz und Apparaturen, um auch einmal eine grössere Anzahl Neugeborener fachgerecht zu pflegen, als eigentlich vorgesehen wäre. Unsere Abteilung hat einen Versorgungsauftrag für 6 Patienten; wir haben über das Jahr gemittelt seit nunmehr 5 Jahren eine Auslastung von über 100 Prozent. Das ist aufgrund des erwähnten Systems gut zu bewältigen. Zudem ist unser Pflegeteam sehr stabil, mit nur wenigen Wechseln. Damit konnten wir Engpässen bisher gut begegnen. Mussten Sie schon Schwangere in andere Spitäler verlegen lassen? Das kommt vor, ist aber eher selten. Wo werden diese untergebracht? Meistens in Spitälern, mit denen wir eng zusammenarbeiten: Im Unispital Zürich, im Kantonsspital Winterthur oder im Triemlispital. Es kommt auf das Alter und die zu erwartenden Probleme an. Ist ein Ausbau der Neonatologie geplant? Nein, derzeit gibt es keine Pläne, die Neonatologie am Spital Zollikerberg auszubauen, denn wir haben die Möglichkeit, zeitweise bis zu 9 Neugeborene adäquat und fachgerecht zu betreuen. Im Sommer konnte die Neonatologie vergrössert werden. Aber nicht um neue Plätze zu schaffen, sondern um mehr Platz für den einzelnen Patienten und Raum für die Eltern zu erhalten. Tendenziell gibt es immer mehr Frühgeburten. Wie ist die Entwicklung am Spital Zollikerberg? Auch wir stellen eine Zunahme der Frühgeborenen auf unserer Neonatologie fest: Das mittlere Gestationsalter auf unserer Abteilung ist ebenfalls zurückgegangen. Hinzu kommt die wachsende Zahl kleiner Frühgeborener aus dem Universitätsspital, die nach einer ersten Stabilisierungsphase auf der dortigen Intensivstation für die weitere Betreuung zu uns verlegt werden. * Marion Mönkhoff ist Leitende Ärztin der Neonatologie am Spital Zollikerberg. Marion Mönkhoff.

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