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Gnadenfrist für Cargodrome

Kein Konkurs: Jetzt kann die Betreiberin des Güterterminals in Wiler einen Käufer suchen und sich mit ihren Gläubigern einigen.

«Wichtig ist, dass es zur Nachlassstundung kommt.» Gregor Saladin zeigt sich glücklich darüber, wie Richter Markus Bärtschi gestern mit Blick auf das Cargodrome in Wiler bei Utzenstorf entschieden hat. Er habe mitbekommen, so der Sprecher im Bundesamt für Verkehr weiter, dass die anderen Gläubiger ähnlich zufrieden seien. Bund als grosser Gläubiger Diese Stimme ist für den Güterumladeterminal, auf dem schon seit über zwei Jahren gespenstische Ruhe herrscht, nicht unwesentlich. Immerhin vertritt Saladin den Bund, der das Bauvorhaben vor Jahren massiv mit Geld unterstützt hat. Gegen 15 Millionen Steuerfranken liess er als rückzahlbares Darlehen und als à-fonds-perdu-Beitrag springen in der Hoffnung, dass sich so Schwerverkehr von der Strasse auf die Schiene verlagern lasse. Bereits gibts Interessenten Doch die erhofften Gütermengen blieben aus, im Cargodrome wurde es immer stiller und Anfang 2007 ganz still. Kein Wunder, ging der Wiler Terminal und Logistik AG als Betreiberin das Geld aus. Schliesslich blieb ihr nichts anderes übrig, als beim Richter um Nachlassstundung zu bitten. Mit Bärtschis gestrigem Ja hat sie nun ein halbes Jahr Zeit, sich mit den Gläubigern zu einigen. Ob damit das Geld des Bundes zu einem grossen Teil futsch ist? Saladin glaubt es nicht. Er weist darauf hin, dass nun ein Makler den Terminal ohne unnötigen Zeitdruck möglichst gut zu verkaufen versucht. Aus dem Erlös werden dann die Ausstände gedeckt – er gehe davon aus, so Saladin, dass mit diesem Geld ein Grossteil der Schulden gedeckt werden könnten. Die Aussichten auf einen höheren Ertrag sind denn auch mitverantwortlich dafür, dass Bärtschi gestern der Nachlassstundung zugestimmt hat. Die Experten der als Sachwalterin eingesetzten Transliq AG hatten ihm nämlich vorgerechnet, dass so für die Gläubiger mehr Geld herausspringen werde als mit einem Konkurs. Der wiederum wäre nicht mehr zu vermeiden gewesen, hätte der Richter gestern Nein gesagt. Saladin glaubt daran, dass der Verkauf gelingen wird. «Wir sind überzeugt, dass es für einen Güterterminal im Mittelland eine wirtschaftliche Basis gibt», betont er. Ähnliche Anlagen in Reckingen im Aargau oder in Chavornay im Waadtland fänden auch ihr Auskommen. Bereits haben sich erste Interessenten bei der Transliq AG gemeldet. Leute, die dem Cargodrome in Wiler weiter eine Chance geben, ebenso wie Leute, die das Gelände umnutzen möchten. Obwohl der Bund dann einen Teil seiner Beiträge zurückfordert, weil er das Geld mit Blick auf die Verkehrsumlagerung gesprochen hat Unter unglücklichem Stern Damit wird klar, was niemand offen so sagt: Die Wiler Terminal und Logistik AG und mit ihr die Crossrail AG als Mutterkonzern haben nicht mit dem nötigen Elan geschäftet. Der Terminal steht seit langem unter einem unglücklichen Stern: Einst von der RM-Bahn angerissen, war er später bei der Fusion mit der BLS plötzlich überflüssig. Also wurde er an die australische Investmentfirma Babcock&Brown verkauft. Doch die hatte weniger Interesse am Güterumlad in Wiler als vielmehr daran, mit der Crossrail AG Güterzüge durch ganz Mitteleuropa führen zu können. Stephan Künzi>

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