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Goldküsten-Gemeinden sind am grosszügigsten

Neun von elf Gemeinden im Bezirk Meilen haben in diesem Jahr Geld an Hilfsprojekte gespendet. Anders als bei privaten Gönnern gilt auf Behördenebene: Wer mehr hat, gibt auch mehr.

Von Marco Huber Sind Bürokraten etwa die besseren Menschen? Zumindest was die Spendierfreude angeht, macht es den Anschein. Denn während die Durchschnittsschweizer ihre Nächstenliebe zumeist nur gezielt auf Weihnachten hin entdecken, zeigen sich die Gemeindebehörden das ganze Jahr hindurch freigiebig. Und noch in einer zweiten Hinsicht verhalten sie sich untypisch: Während Private laut einer Studie einen umso grösseren Anteil ihres Einkommens spenden, je ärmer sie sind, ist es bei den Gemeinden im Bezirk Meilen gerade umgekehrt. «Der eigentliche Sinn des Reichtums ist, freigiebig davon zu spenden» – dieses Credo des französischen Denkers Blaise Pascal scheint man an der wohlhabenden Goldküste ernst zu nehmen, zumindest auf Behördenebene. Keine Abzüge für Spenden Finanzielle Anreize für die Grosszügigkeit gibt es – anders als im Privaten, wo Spenden von den Steuern abgezogen werden können – auf kommunaler Ebene keine: «Wir können Spenden nicht von den Zahlungen an den Finanzausgleich abziehen», sagt Daniel Wipf, Leiter der Küsnachter Finanzabteilung. Insgesamt haben die Gemeinden des Bezirks im vergangenen Jahr über 2 Millionen Franken an Hilfsprojekte im In- und Ausland gespendet. Der grösste Betrag kam aus dem finanzstarken Küsnacht: 650 000 Franken. In der Schweiz profitierten davon vor allem andere Gemeinden, sagt Daniel Wipf; im Ausland würden die Gelder für Wasserprojekte oder für den Wiederaufbau in Katastrophengebieten eingesetzt. Besonders generöse Zumiker Noch grosszügiger als Küsnacht zeigte sich Zumikon, die Gemeinde mit dem tiefsten Steuerfuss des Bezirks. Je 150 000 Franken an Unterstützungsbeiträgen gingen von hier ins In- und Ausland. Anders gesagt: jeder 185. Steuerfranken, während es in Küsnacht jeder 270. Franken war. Die Auslandhilfe ging laut Gemeindeschreiber Thomas Kauflin vor allem nach Haiti und Pakistan, die beide von folgenschweren Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Eventuell werde für diese Länder noch ein Zusatzbeitrag lockergemacht. Ähnlich spendabel zeigte sich auch die Gemeinde Herrliberg, die jedoch beim Spenden einen anderen Ansatz verfolgte: Die 280 000 Franken kamen grösstenteils Projekten in der Schweiz zugute, Auslandhilfe wird nur beschränkt betrieben. Anders Erlenbach, das einen substanziellen Teil seiner 133 000 Franken den Erdbebenopfern von Haiti zukommen liess. Ein Zusatzbetrag von 350 000 Franken für die Inlandhilfe ist an der Gemeindeversammlung vom 29. November gutgeheissen worden. Das Geld geht im kommenden Jahr an ein Projekt in der Partnergemeinde Valendas im Bündnerland. Lang ist die Liste der Empfänger, die in diesem Jahr Spendengelder aus Zollikon erhalten haben: Die Patengemeinde Saas-Balen, die Schweizerische Partnerschaft für Berggemeinden, die Tagesschule Sool im Glarnerland, die Médecins Sans Frontières, das Hilfswerk der evangelischen Kirchen sind nur einige davon. Insgesamt sprach der Zolliker Gemeinderat für Entwicklungshilfe im In- und Ausland je 125 000 Franken. Das ist nicht nur gemessen am Steueraufkommen weniger als in der kleinen Nachbargemeinde Zumikon. Der Gemeinderat Meilen hat seit diesem Jahr jeweils einen Gesamtkredit von 300 000 Franken für Hilfsaktionen vorgesehen. Mit Spenden in der Höhe von total 260 000 Franken ist dieser im laufenden Jahr zwar nicht ganz ausgeschöpft worden, dennoch gehört Meilen zu den grosszügigen Gemeinden im Bezirk. Das Geld kam heuer vor allem Berggemeinden in den Kantonen Bern, Graubünden und Tessin zugute. Zudem gingen 40 000 Franken als Soforthilfe an die Opfer des Erdbebens in Haiti; finanziell unterstützt wurden aber auch Projekte in Brasilien oder Vietnam. Untere Gemeinden knausern Die oberen Seegemeinden waren im letzten Jahr deutlich knausriger als die klassischen Goldküsten-Gemeinden in Stadtnähe. In Uetikon, Männedorf und Stäfa ging im Schnitt nur nicht einmal mehr jeder 1000. Steuerfranken an ein Hilfsprojekt. «Wir wollen haushälterisch mit Geld umgehen», erklärt dies der Uetiker Finanzvorstand Marco Zolin-Meyer. Mit den finanziell stärkeren Gemeinden könne man nicht mithalten. Gar keine Unterstützungsbeiträge leisten konnten sich Oetwil und Hombrechtikon. «Wir spenden nur, wenn der Beitrag einen direkten Nutzen für Oetwil mit sich bringt», erklärt Finanzabteilungsleiterin Monica Cirocco. In Hombrechtikon klingt es ähnlich. Gemeindeschreiber Jürgen Sulger: «Die finanzielle Situation lässt das schlicht nicht zu.»

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