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Gut, dass bald Fachleute übernehmen

KommentarVon Susanne Anderegg Der Fall Bonstetten ist einzigartig und tragisch: Ein Vater versucht, seinen ersten Sohn zu ermorden, und 20 Jahre später tötet er seinen zweiten Sohn.Heute ist klar, was die Vormundschaftsbehörde hätte tun sollen, als sie von der Vorgeschichte des Vaters erfuhr: Dessen Gefährlichkeit seriös abklären lassen und den Jungen derweil in ein Heim oder eine Pflegefamilie geben. Die Behörde hat die Gefährlichkeit der speziellen Konstellation unterschätzt. Warum? Sie war überfordert, zeitlich und fachlich. Zudem hatte sie emotional Partei ergriffen. Ihre Sympathien lagen eher beim Vater, der kooperierte und sich um den Knaben kümmerte, als bei der Mutter, die kein Deutsch sprach und als Prostituierte arbeitete. Und vielleicht hat auch das Geld eine Rolle gespielt, obwohl die Behörde dies bestreitet. Eine Fremdplatzierung kostet schnell Zehntausende oder gar Hunderttausende von Franken, was in einer kleinen Gemeinde wie Bonstetten das Budget spürbar belastet. Gut, dass bald Fachleute die Vormundschaftsarbeit übernehmen. 2013 wird das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht eingeführt, Fachbehörden lösen die politischen Laienbehörden ab. Profis, die sich täglich mit Problemfamilien befassen, laufen weniger Gefahr, von schwierigen Fällen überfordert zu werden. Sie können sich im Team beraten. Sie haben Erfahrung, weil sie für einen ganzen Bezirk zuständig sind. Sie haben gelernt, die nötige emotionale Distanz zu ihren Klienten zu wahren. Und sie können jene Massnahmen anordnen, die aus fachlicher Sicht angezeigt sind, um eine Gefahr abzuwenden, unabhängig von den finanziellen Folgen. Es darf nicht sein, dass ein Kind ungenügend geschützt wird, weil eine Gemeinde sparen will.

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