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«hier ein schönes Zitat»«Früher nahm man die Kinder schneller weg»

Statt Politikern werden ab 2013 Fachleute über Kinderschutzmassnahmen entscheiden. Regierungsrat Markus Notter (SP) verspricht sich viel davon.

Mit Markus Notter sprachenSusanne Anderegg und Benno Gasser Herr Notter, der Gutachter im Fall Bonstetten spricht von einem «Fall Hauert» im Vormundschaftswesen. Wird man den Eltern künftig vermehrt die Kinder wegnehmen? Dafür gibt es keine generelle Weisung. Man kann auch zu streng sein, wie die Geschichte der Kinder der Landstrasse zeigt. Früher nahm man die Kinder schneller weg, auch weil Fremdplatzierungen relativ günstig waren. Heute ist es eine teure Massnahme, weshalb die Behörden vielleicht dazu neigen, sie eher weniger als nötig anzuordnen. Hat Bonstetten auch aus finanziellen Überlegungen auf eine weitere Fremdplatzierung von Florian verzichtet? Der Gutachter deutet das Thema an, und auch der TA hat entsprechende Hinweise erhalten. Das kann ich nicht sagen. Klar ist aber, dass es zu Interessenkonflikten kommen kann, wenn eine Behörde sowohl für das Kindeswohl schauen muss als auch die Budgetverantwortung hat. Dieses Problem wird mit dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz entschärft, das 2013 landesweit eingeführt wird. Was ändert sich? Die Vormundschaft ist neu eine Fachbehörde. Ihr gehören zwingend ein Jurist, ein Psychologe oder Pädagoge und ein Sozialarbeiter an. Diese klären die Fälle ab und treffen auch die Entscheide. Heute entscheiden politische Laienbehörden, die sich auf Vorarbeiten ihrer Vormundschaftssekretariate stützen. Fehlt diesen das nötige Fachwissen? Die wenigsten erfüllen die Anforderungen, die wir an die Mitglieder der Fachbehörden stellen, etwa einen Hochschulabschluss. Viele Sekretäre haben eine Verwaltungslehre gemacht und sich in Spezialgebieten weitergebildet. Die Fachbehörden werden auch mehr Erfahrung haben mit schwierigen Fällen, weil es im ganzen Kanton nur 12 bis 18 geben wird. Heute hat jede der 171 Gemeinden eine eigene Behörde. Was war der Anlass für die Gesetzesänderung – mehr Fälle? Die Professionalisierung der Vormundschaft ist schon seit 20 Jahren ein Thema. Wir stellen in der Tat eine Häufung der Fälle fest, in denen das Kindeswohl gefährdet ist – weil wir heute genauer hinschauen. Seit vier Jahren haben wir im Kanton Zürich ein neues Gewaltschutzgesetz. Wenn die Polizei wegen Gewalt in der Familie ausrückt und feststellt, dass Kinder gefährdet sind, muss sie die Vormundschaftsbehörde informieren. Doch die unternimmt oft nichts, wie man aus Sozialarbeiterkreisen hört. Wenn Milizbehörden mit solchen Informationen eingedeckt werden, sind sie vielleicht etwas überfordert. Auch das spricht für eine Professionalisierung. Als Folge des aktuellen Falls haben Sie eine Weisung erlassen: Vormundschaftsbehörden müssen Eltern mit «risikobehafteter Vergangenheit» unabhängig begutachten lassen. Wann sind denn Eltern ein Risiko für ihre Kinder? Wenn sie strafrechtlich aufgefallen sind, weil sie jemanden im familiären Bereich an Leib und Leben gefährdet haben. Ich denke, dass es wenige solche Fälle gibt. Markus Notter Der Jurist steht der Direktion des Innern vor. Diese hat die Oberaufsicht über Gemeinde- und Bezirksbehörden.

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