Zum Hauptinhalt springen

Hier spielt am Dienstag die Musik

Gestern rollten im

Das Maleratelier sieht aus wie aus dem Bilderbuch: Sichtbetondecke, Farbspritzer an den Wänden, überall liegen leere Bierflaschen, auf einem Beistelltisch steht eine ungespülte Tasse. In diesem kleinen, chaotischen Raum im Hochhaus B des Gäbelbachquartiers sitzen zwei junge Männer. Sie singen. Und sofort ist sie da, diese Magie, von der die Fernsehleute den Journalisten auf Probebesuch vorgeschwärmt hatten. Tatsächlich: Wenn in einem normalen, ja tristen Umfeld auf einmal Musik erklingt, geschieht etwas Unbeschreibliches mit den Zuhörern. Man kriegt Gänsehaut. Plötzlich ist der plaudernde Haufen still, alle lauschen, versuchen einen Blick auf die Sänger zu erhaschen. Tenor Saimir Pirgu und Bariton Robin Adams proben hier im Block B als Rodolfo und Marcello den vierten Akt von Puccinis Oper «La Bohème». Das Atelier, das so klischiert aussieht, ist echt, jede Bierflasche, jeder Farbspritzer. Oper trifft auf Alltag Dieses Zusammentreffen von Alltagswelt und Hochkultur ist das Grundmotiv, das der Inszenierung «La Bohème im Hochhaus» zu Grunde liegt. Am Dienstag wird die Oper hier aufgeführt – an mehreren Spielstätten: in einer Waschküche, einem Wohnzimmer, in dem Malatelier, aber auch im 800 Meter entfernten Westside-Einkaufszentrum, wo das Orchester und der zweite Akt spielt (wir berichteten). «Alle Spielplätze sind im Originalzustand. Wir haben kaum etwas verändert», sagt Thomas Beck, Redaktionsleiter Musik, Tanz und Theater beim SF. Generalprobe am Montag Noch scheint die Livesendung aber weit weg. Fachleute aus Deutschland verlegen im «Foodcourt» im Westside einen Klangboden, der dem glas- und metalllastigen Libeskind-Bau eine akzeptable Akustik abtrotzen soll. Derweil stehen vor dem Block B an der Gäbelbachstrasse ein halbes Dutzend Lastwagen. Überall sind Techniker in schwarzen T-Shirts zu Gang; verlegen Kabel, entladen LKW, packen Kameras aus. Seit dem 14.September schon finden Proben vor Ort statt. Die TV-Technik aber kommt erst jetzt dazu. Am Sonntag geht die Hauptprobe über die Bühne, am Montag die Generalprobe. Am Dienstag muss alles sitzen. «Wir haben nur eine Chance», sagt Produzent Christian Eggenberger. Berner Produzent Die Bohème ist besonders technisch ein Kraftakt. «Die Technik ist die Lebensader zwischen Sängern, Ensemble und Orchester», sagt Redaktionsleiter Thomas Beck. Dabei steht dem SF mit Rad-WM, Eishockeyspielen und Grossanlässen auch so ein Grosskampfwochenende bevor. Jeder Kameramann, jeder Techniker, der verfügbar war, wurde aufgeboten. Allein an der «Bohème», die etwa so viel kostet «wie ein Fernsehfilm», sind inklusive Künstlern gegen 400 Personen beteiligt. 360 Tonspuren sind nötig, 23 Kameras im Einsatz, darunter eine «Spider-Cam», die spektakuläre Bilder der Hochhausfassade liefert. Beeindruckende Zahlen. Noch scheint es aber unvorstellbar, dass all diese Einzelteile am Dienstag ein Ganzes ergeben sollen. «An die Schwierigkeiten, oder schön gesprochen: an die Herausforderungen, die noch auf uns warten, darf man gar nicht denken», sagt Produzent Eggenberger. Der Berner hat die Oper in den Gäbelbach gebracht. Nun hängt er ständig am Telefon. Koordiniert, erteilt Auskünfte und Anweisungen. Das Leben geht weiter Von der Betriebsamkeit lassen sich die Gäbelbacher kaum stören. Bewohner kehren mit ihren Einkäufen heim, der Briefträger fährt mit dem Töffli heran und verteilt Post, ein Mann ist mit dem Laubbläser zu Gange. «In unserer Wohnung sind Kabel verlegt und zwei Kameras installiert», erzählt Fabienne Peter, die ihre Wohnung für die Sendung zur Verfügung stellt und als Statistin mitspielt. Die Präsenz des SF ist nicht nur angenehm. «Die Parkplätze sind alle zuparkiert.» Aber das sei kein Problem. Das einmalige Erlebnis entschädige für alles. Sarah Pfäffli >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch