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Hilfe für die bedrohten Jäger der Nacht

Die Schleiereule wird seltener, weil ihr die menschliche Zivilisation zusetzt. Im Rafzerfeld hängen Naturschützer deshalb Nisthilfen auf.

Von Sibille Schärer Rafz – Das Gesicht der Schleiereule sieht aus, als trage sie einen schneeweissen herzförmigen Schleier. Ebenso weiss ist ihr Bauch, der Rücken hingegen schimmert goldbraun mit grauen Flecken. Das Exemplar, das auf dem Arm von Willi Landis sitzt, kann allerdings nicht mehr im Tiefflug durch die Dämmerung sausen und Mäuse jagen. Denn der Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Rafzerfeld hat es tot auf einem Bahnwaggon gefunden und es von einem Präparator ausstopfen lassen. «Jetzt hat sie eben einen Platz bei mir zu Hause», sagt er ein bisschen wehmütig. Zum Leidwesen der Vogelschützer ist es nicht die einzige Schleiereule, die der menschlichen Zivilisation zum Opfer gefallen ist. Immer wieder sterben vor allem Jungvögel bei Kollisionen mit Autos. «Wenn die Jungen flügge werden und ihr eigenes Revier suchen, sind sie besonders gefährdet», sagt Landis. Tempo drosseln, Licht an Hinzu kommt, dass Böschungen am Strassenrand gute Jagdgebiete sind, gerade jetzt, im Winter. Sie sind häufig schneefrei und deshalb ein beliebter Aufenthaltsort von Mäusen. Um Unfälle mit Schleiereulen zu vermeiden, braucht es laut Landis nicht viel: «Das Tempo drosseln und mit Scheinwerferlicht fahren.» Schliesslich seien die Vögel gut zu erkennen, weil ihre Augen im Scheinwerferlicht funkeln. Neben den Unfällen mit Autos macht den Schleiereulen auch die Tatsache zu schaffen, dass ihr Lebensraum stetig schwindet. Intensive Landwirtschaft und die zunehmende Siedlungstätigkeit des Menschen verkleinern ihre Jagdgebiete. Ein gutes Jagdrevier für Schleiereulen ist Kulturland, das aus einer Mischung von Weiden, Ackerland, Hecken und Feldern besteht. Letztere sollten ab und zu brach liegen. Nur so entwickelt sich eine grosse Mäusepopulation. «Je mehr Mäuse, desto besser geht es den Schleiereulen», sagt Landis. Nicht nur das Jagdgebiet der Eulen verkleinert sich, sie finden auch immer weniger natürliche Nistplätze. Früher gab es in Kirchtürmen und anderen Gebäuden Spalten, durch welche die Vögel ins Innere gelangten, um dort zu nisten. Wegen der modernen Bauweise sind solche Schlupflöcher heute Mangelware. Deshalb hat der Natur- und Vogelschutzverein im Rafzerfeld 25 Nisthilfen montiert – mehrheitlich in Scheunen. Jetzt sei der ideale Zeitpunkt zum Aufhängen der Eulenkästen, denn so könnten die Vögel das Nest für ihre Brut rechtzeitig bauen, sagt Landis: «Wer einen Kasten aufhängen möchte, kann sich bei uns melden.» Liegt über längere Zeit eine Schneedecke von 10 bis 20 Zentimetern, haben die Eulen Mühe, genug Beute zu machen. «Wer einen Eulenkasten in einer Scheune hat, kann dort Körner ausstreuen und so Kleinnager anlocken», rät Landis. Jungvögel in einem Nistkasten.Foto: PD

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