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Hitzige Debatte über Raser

Ein Unfall in Gibswil forderte zwei Menschenleben. Nun ist eine emotionale Diskussion über Schuldfragen und Nationalität entbrannt.

Von David Kilchör Fischenthal/Wald – Nach dem tragischen Unfall mit zwei Todesopfern in Gibswil-Ried vom vergangenen Freitagabend liefern sich die Leser einen Schlagabtausch auf dem Newsportal www.zol.ch. Dabei geht es um Schuldfragen – aber nicht nur. In der Presse war zu lesen, dass die drei jungen Männer allesamt Schweizer seien, der Fahrer und einer der Verstorbenen soll aber Wurzeln im Balkan haben. Darob ist auch eine Nationalitätsdebatte entbrannt. Die Autoren der Kommentare teilen sich dabei in zwei Lager. Die einen verurteilen den Unfall und den Fahrer in aller Schärfe, die anderen gewichten die Tragödie um die Todesfälle stärker. Folgender Kommentar lanciert die Debatte: «Fakt ist, dass solche Raser, die ihre Fähigkeiten am Steuer massiv überschätzen, eine grosse Gefahr für die übrigen Strassenverkehrsteilnehmer darstellen.» In die gleiche Richtung geht die Antwort darauf: «Gegen Raser und deren vorsätzlich provozierten Unfälle nützt keine Radarfalle.» Überholen im «Balkanstil» Dies mobilisiert die Gegenseite: «Man spürt den Ausländer-Hass in Ihnen», schreibt ein Leser zurück. In der Folge wird die Nationalität von zwei der Verunfallten Männern diskutiert. Auf den Vorwurf des Ausländer-Hasses folgt postwendend die Antwort: «Wer meint, er müsse auch in der Schweiz so überholen ..., der hat entweder die Fahrstunden nicht begriffen oder ist nicht in unsere Kultur integriert.» Ob der Unfall mit der Nationalität des Lenkers in Zusammenhang steht oder nicht, bleibt umstritten. Ein Leser schreibt: «Es hat nichts mit der Nationalität zu tun, jugendlicher Leichtsinn ist nicht nur im Balkan verbreitet.» Ein anderer findet: «Der Raser hat im Balkanstil überholt, nämlich gleich drei Wagen und am Ende auch noch in der Rechtskurve. Das ist definitiv nicht schweizerische Fahrkultur ...» Jemand weist zwar darauf hin, dass es sich gemäss vorliegenden Erkenntnissen gar nicht um einen eigentlichen «Raserfall» handle. Darauf kommen allerdings Antworten wie: «Es ist, wenn die Polizei von übersetzter Geschwindigkeit spricht, eben doch ein Raserunfall.»Auch Ema Smajlovic, die Freundin von einem der beiden Todesopfer, meldet sich in der Diskussion zu Wort. «Ich finde, man sollte über die Hinterbliebenen und über jene, die uns verlassen haben, in so einem tragischen Fall immer ein gutes Wort behalten und Mitgefühl zeigen.» «Nicht fair gegenüber Familien» Kommentare über die Fahrweise und die Herkunft der Verunfallten halte sie für eine Frechheit. Dieser Aussage schliesst sich ein weiterer Leser an: «Fakt ist, dass zwei junge Erwachsene ihr Leben lassen mussten. Ich finde es nicht menschlich, wenn man das noch verurteilt – und auch nicht fair gegenüber Familien und Angehörigen.»Der Unfall hatte sich vergangenen Freitagabend kurz nach 20 Uhr auf der Tösstalstrasse bei Gibswil-Ried ereignet. Drei junge Männer waren mit einem Personenwagen von Wald Richtung Ried unterwegs, vermutlich mit übersetzter Geschwindigkeit, wie die Kantonspolizei Zürich annimmt. Die Männer überholten auf gerader Strecke mehrere Autos. In der Kurve bei der Fischzucht Gibswil geriet der Wagen auf die Gegenfahrbahn und kollidierte frontal mit dem entgegenkommenden Personenwagen einer jungen Frau.Beim Zusammenprall wurden die drei Männer im Auto eingeklemmt. Die zwei 18-jährigen Mitfahrer starben noch auf der Unfallstelle.Der 21-jährige Lenker, der Bruder des einen Opfers, wurde mit schweren Verletzungen von der Rega ins Spital geflogen. Die 24-jährige Lenkerin des entgegenkommenden Autos wurde leicht verletzt. Blumen zeugen vom tragischen Unfall in Gibswil. Foto: Hans Künzi

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