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Hochbetrieb auf Unterländer Feldern

Fast Tag und Nacht holen derzeit die Mähdrescher Roggen, Gerste, Raps und Brotweizen ein. Die Ernte wird dem Getreidezentrum Niederhasli geliefert und dort in Silos gelagert.

Von Sarah Sidler Unterland – Immer wieder ist es drückend heiss, unterbrochen von regnerischen Tagen. Staub und Stroh wirbeln durch die Luft, Rotmilane kreisen auf der Suche nach Heuschrecken und Mäusen über dem frisch gemähten Feld. Es ist die Zeit der Hauptgetreideernte im Zürcher Unterland. Alle verfügbaren Mähdrescher sind fast rund um die Uhr in Einsatz. Martin Schellenberg, Geschäftsführer von Agro-Serv in Höri, und seine drei Mitarbeiter holen im Auftrag vieler Bauern im Zürcher Unterland die Ernte ein. Er verfügt über vier Mähdrescher. «Das Geschäft ist wetterabhängig, da der Weizen nicht nur reif, sondern auch trocken sein muss», sagt er. Obwohl er die Qualität des Weizens als gut bewertet, ist er mit dem Ertrag nicht ganz zufrieden: «Aufgrund des verregneten Vorsommers ist die Anzahl Kerne in den einzelnen Ähren relativ gering», sagt er und begutachtet seine goldene Ernte. Zugleich ernten und abladen Manfred Wirth aus Bachs steuert den grössten Mähdrescher Schellenbergs über ein Brotweizenfeld in Oberhöri. Der rund 4,5 Millionen Franken teure und knapp vier Meter hohe Koloss macht einen Höllenlärm. Doch im Innern der Führerkabine ist davon wenig zu hören. Es ist sogar angenehm kühl. Eine wichtige Voraussetzung für stundenlange Arbeit in der glühenden Hitze: «Es gab Tage, da sass ich von 9.30 bis um 24 Uhr in der Führerkabine», sagt Wirth. Die Maschine sei pausenlos im Einsatz. Alle Bauern wollten derzeit ihre Felder geerntet haben. Wirth regelt die Geschwindigkeit des Mähdreschers mit einem Joystick. Fingerspitzengefühl ist gefragt, um das riesige Gefährt in angemessener Geschwindigkeit in der richtigen Spur zu halten. Trotz seiner Grösse scheint das Gefährt wendig. Martin Schellenbergs Feld stellt ihn vor eine Herausforderung. Der Inhaber der Mähdrescher ist selbst Landwirt und lässt seine Felder mähen. Viele Ähren wurden vom Wind zu Boden gedrückt. Um auch diese ernten zu können, fährt Wirth das Schneidemesser auf das Maximum hinaus, damit es unter die liegenden Ähren kommt. Ist der Weizen abgeschnitten, wird er in den Bauch des Mähdreschers gerecht. Während das Stroh hinten wieder ausgespuckt wird, reibt das Dreschwerk im Innern den Weizen aus den Ähren. Die Spreu wird während der Fahrt vom Weizen getrennt. Wenn der 9500 Liter fassende Behälter voll ist, meldet sich bei Wirth der Bordcomputer. Per Funk ruft er den Fahrer eines Überladewagens. Sobald dieser parallel zum Mähdrescher fährt, veranlasst Wirth, dass der Weizen über ein Rohr in den Anhänger abgeladen wird. Mit dem Überladewagen wird die Ernte in den Anhänger der wartenden Bauern am Feldrand gefahren. Kornkreis-Weizen an Lager Nachdem der Bauer sein Korn übernommen hat, fährt er damit ins nächste Getreidezentrum. Die grösste Anlage dieser Art im Unterland steht in Niederhasli. Sie verfügt über eine Lagerkapazität von 13 000 Tonnen. Dort wird das Getreide gereinigt, getrocknet und gelagert, bis es im Herbst per Bahn oder Lastwagen zum Beispiel der Stadtzürcher Mühle Swissmill geliefert wird. «Während der Hauptgetreideernte Ende Juli liefern die Bauern ihr Getreide im Viertelstundentakt ab», sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Getreidezentrums Niederhasli, Walter Kipfer. «In den strengsten Tagen nehmen wir zwischen 5 und 22 Uhr bis zu 1300 Tonnen an.» Im Getreidezentrum wird Weizen verschiedener Klassen und Labels gelagert. Diese reichen von Bio über IP-Suisse und Suisse Garantie, wobei Letztere 80 Prozent des gelieferten Weizens ausmacht. In Niederhasli wird das angelieferte Getreide erst gereinigt und falls nötig getrocknet. Die Maschinen rattern pausenlos. Ein Getreidereiniger sortiert Staub und andere Rückstände wie Steine, Strohresten oder auch mal Werkzeuge aus, die im Feld liegen geblieben sind. Nachdem die gereinigte Ware gewogen wurde, kommt sie zur Lagerung in eine der 150 Silozellen. Diese sind bis zu 30 Meter tief. Der Brotweizen wird nach Klasse und Label getrennt aufbewahrt. So liegt auch die Ernte von Peter Heidelberger in einem separaten Silo. Der Hochfelder Bauer lieferte jedoch keinen gewöhnlichen Brotweizen, sondern sogenannten Kornkreis-Weizen. Auf seinem Feld war Anfang Juli ein Kornkreis entdeckt worden. «Die Mühle hat mir diesen Weizen bereits abgekauft. Sie will ihn separat vermarkten», sagt Heidelberger. Es ist möglich, dass daraus ein Kornkreis-Brot gebacken wird. So sieht der Blick aus dem Mähdrescher von Martin Schellenberg aus, wenn der Brotweizen gemäht wird. Foto: Nathalie Guinand

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