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HSBC Private Bank lebt – trotz DatenklauHSBC Private Bank lebt – trotz Datenklau

Nach dem Diebstahl von Kundendaten sagten viele der Genfer HSBC-Tochter das Ende voraus. Doch der Bank geht es erstaunlich gut.

Von Bruno Schletti Es ist vor allem eine Zahl im Semesterabschluss, die überrascht: Die Bank weist einen Neugeldzufluss von netto 4,9 Milliarden Franken aus und verwaltet damit neu 195 Milliarden Franken von reichen Kunden. Statt dass der Schweizer Privatbanken-Tochter von HSBC nach dem Datendiebstahl Kunden in Scharen davongelaufen sind, scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Alexandre Zeller, Chef der HSBC Private Bank Schweiz, schwankt zwischen Erleichterung und Stolz: «Ohne arrogant sein zu wollen: Das hat niemand erwartet, nach dem, was passiert ist.» Hervé Falciani, ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank, hatte Daten entwendet und den französischen Behörden übergeben. Sieben Kunden seien betroffen, hiess es bei HSBC zunächst. Im März waren es dann plötzlich 15 000 Kontendaten. Daran hält die Bank auch heute noch fest, obwohl der mit dem Fall betraute Generalstaatsanwalt von Nizza, Eric de Montgolfier, von 127 000 Konten spricht (TA vom 12. März 2010) und obwohl HSBC nie vollen Einblick ins gestohlene Material erhielt. Dass die Bank mit Sitz in Genf den Diebstahl anfänglich unterschätzt hat, räumt Zeller heute freimütig ein. Hat er im März noch gesagt, man werde den Fall im Sprint bewältigen, redet er inzwischen von einem Marathon. Auf diesem befinde man sich «vermutlich in der zweiten Hälfte». Die Affäre ist also noch keineswegs bewältigt. Frankreich hat die Daten anderen Staaten zur Verfügung gestellt. Die Aufsichtsbehörde Finma untersucht den Fall. HSBC hat Klage gegen Falciani eingereicht. Und umgekehrt gibt es auch Klagen von Kunden gegen die Bank. «Wenige», sagt Zeller. Man habe keine Rückstellungen gemacht. In Europa hat der Datenklau aber sehr wohl Spuren hinterlassen. In dieser Region sind unter dem Strich 0,6 Milliarden Franken Kundengelder abgeflossen. In welchen europäischen Ländern Kunden wie viel Geld abgezogen oder der Bank neu anvertraut haben, macht HSBC nicht transparent. Den Zufluss von Neugeld verdankt der Schweizer HSBC-Arm übrigens auch der Solidarität aus dem Mutterhaus. Andere Bereiche der Gruppe haben Kunden der Schweizer Tochter zugehalten. Schon lange halten sich Gerüchte, dass die US-Behörden eine neue Bank ins Visier nehmen könnten, sobald der Rechtsstreit mit der UBS beendet ist. In diesem Zusammenhang fiel auch der Name HSBC. Aus Sicht der Schweizer Tochter sagt Zeller: «Die USA sind für uns kein relevanter Markt.»

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