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«-ic» und «-gün» wurden fleissig gestrichen«-ic» und «-gün» wurden fleissig gestrichen

Kandidatinnen und Kandidaten mit fremd klingenden Namen hatten bei den Wahlen einen schweren Stand. Nicht nur bei der SVP, sondern vor allem auf SP-Listen fielen Politiker mit ausländischen Wurzeln fast überall durch.

Von Daniel Schneebeliund Helene Arnet Zürich – Für Schüler auf Lehrstellensuche ist ein «-ic» im Namen ein Nachteil. Dasselbe gilt auch für Kantonsratskandidaten, wie ein Blick auf die Wahlresultate vom Wochenende zeigt. Von den drei SVP-Kandidaten mit eindeutig ausländischen Namen hat es keiner geschafft, auf der Wahlliste vorzurücken: Im Zürcher Wahlkreis 6/10 war Aleksandar Naumovic auf Platz 4 mit Ambitionen gestartet. Obwohl er Schütze und Unternehmer ist und aktiv für seine Wahl geworben hat, fiel er auf Platz 5 zurück. Er musste Gemeinderat Thomas Monn den Vortritt lassen. Im Bezirk Dietikon fiel Daniel Gardavsky von Platz 9 auf 10 zurück, im Kreis 3/9 schaffte es Kiryakica Teodoru immerhin, ihren zweitletzten Listenplatz zu halten. Bei der SP nach hinten gereicht Auffällig ist, dass fremdländische Namen nicht nur von SVP-Wählern gestrichen werden, sondern auch von den Linken. Bei den Sozialdemokraten gibt es deutlich mehr fremd klingende Namen auf den Listen. Doch bei den Wählerinnen und Wähler besteht ein überraschend grosses Misstrauen ihnen gegenüber – selbst im linken Zürich. In der Altstadt wurde Ökonom Zülfikâr Güzelgün von Platz 3 auf den letzten Platz durchgereicht. Schlecht erging es im Kreis 11/12 auch Buchhalter Milazim Lecaj. Er wurde von vier Kandidaten mit Schweizer Namen überholt. Im Bezirk Affoltern war der 20-jährige Kaufmann Can Külahcigil auf Platz 3 gestartet, und landete abgeschlagen auf dem letzten Platz – mit gegen 200 Stimmen Rückstand. Im Bezirk Bülach wurde Rechtsanwalt Amir Abdel Aziz von der kaufmännischen Angestellten Ester Caviola überholt. Zwei Gegenbeispiele gibt es bei der SP: Im Bezirk Hinwil hat Canan Taktak-Düs drei Plätze gutgemacht. Möglich, dass ihr Beruf geholfen hat: Sie ist Gewerkschaftssekretärin. Und in der Zürcher Altstadt machte Gemeinderat Andrew Katumba einen Platz gut – auf Kosten des bereits erwähnten Zülfikâr Güzelgün. Ruf nach einer Migrantenpartei Der Dietiker Schulpfleger Zeljko Vuksanovic ist auf der SP-Liste auf Platz 7 gestartet und landete auf dem elften und letzten Platz mit über 150 Stimmen weniger als der Rest. Überraschend traf ihn das nicht. Er habe gesehen, dass Kandidierende mit Migrationshintergrund den Parteien zwar Stimmen liefern, selbst aber kaum Chancen haben, gewählt zu werden. «Wir bringen ihnen Wähler aus unserem Umfeld, werden aber von vielen der andern Wählerinnen und Wählern gestrichen.» Vuksanovic überlegt sich daher, eine neue Partei zu gründen, welche die spezifischen Anliegen der Migrantinnen und Migranten vertritt. Er erhofft sich davon, Personen anzusprechen, welche sich bisher nicht für politische Fragen interessierten. «Das wäre gut für die Politik und für die Integration dieser Menschen.» Selbst bei der AL ein Handicap Mit Abstand am meisten fremde Namen finden sich bei der Alternativen Liste. Doch selbst hier ist der fremde Name ein Handicap, wenn auch nicht so auffällig wie bei den Sozialdemokraten. Im Zürcher Stadtkreis 3/9, einer Hochburg der Alternativen, verlor Familienfrau Kumuduni Ametamey zwei Plätze. Im Kreis 4/5 fiel Studentin Ezgi Akyol einen Platz zurück. Allerdings wurde sie von AL-Schwergewicht Niklaus Scherr überholt. Besser erging es im Bezirk Dietikon Kamil Mohamed Issadeen, der zwei Plätze gutmachte. Er engagiert sich als Schlichter im Mietrecht, einem Kerngeschäft der AL. In der FDP, in der GLP und in den Mitteparteien kandidieren nur wenige mit ausländischen Namen. Zu ihnen gehört Nicole Dusoczky, welche bei den Grünliberalen im Bezirk Horgen kandidierte. Die Studentin büsste fünf Plätze ein.

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