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«Ich glaube, dass Politik auch die Sache eines Pfarrers ist»

Der Eglisauer Pfarrer Andreas Weber tritt für eine «Welt ohne Asylzentren» ein.Seine Haltung zum geplantenNeubau in seiner Gemeinde lässt er aber offen.

Mit Andreas Weber sprach Thomas Zemp Eglisau – Andreas Weber hatte letzte Woche einen überraschenden Auftritt. Am Informationsanlass «Kein Asylzentrum Eglisau» verlas er vor 200 Anwesenden eine Erklärung «Für eine Welt ohne Asylzentren». Darin drückte er seine Sorge aus, «ob in der Sache des Asyldurchgangszentrums nach der bestmöglichen Lösung gesucht wird». Die Erklärung richtete sich an Sicherheitsdirektor Hans Hollenstein, den Eglisauer Gemeinderat und den Verein «Kein Asylzentrum in Eglisau», der den Abend veranstaltete. Sie ist auch auf der Website der Kirchgemeinde Eglisau einsehbar (www.kircheeglisau.ch/News/Archiv). An der Veranstaltung waren nur Gegner des Zentrums aufgetreten. Herr Weber, war die Erklärung «Für eine Welt ohne Asylzentren» am Sonntag auch im Gottesdienst nochmals ein Thema? Das wäre schön gewesen. Wir feierten aber einen ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Das Vorbereitungsteam hatte damit einen anderen Schwerpunkt gesetzt. Welche Botschaft wollten Sie am Infoabend mit Ihrer Erklärung vermitteln? Ich suchte für mich einen Weg, wie ich an diesem Informationsabend auftreten konnte, ohne Fronten zu bilden. Die Ausgangslage war klar, der Titel des Abends lautete ja «Kein Asylzentrum Eglisau». Ich wollte aber verhindern, dass die Kirche und ich als Pfarrer einfach in eine politisch linke Ecke gestellt werden. Darum bin ich auf den Slogan «Für eine Welt ohne Asylzentren» gekommen. Was für Reaktionen haben Sie auf Ihren Auftritt erhalten? Es hat Aufbauendes gegeben, aber auch Beleidigendes. Ich versuche, den Menschen als solchen zu sehen. Und ich möchte den Leuten aufzeigen, dass Asylbewerber auch Menschen sind. Stellung für oder gegen das Asylzentrum haben Sie aber nicht genommen, oder? Es war weder ein Votum dafür noch eines dagegen. Ich sah an diesem Abend eine Chance, aufzuzeigen, dass man nicht nur immer Nein, Nein und Nein sagen kann. Das löst keine Probleme. Man muss die Ängste der Leute aber ernst nehmen und mit ihnen umgehen. Befürworten Sie selber nun das Asylzentrum in Eglisau oder nicht? Wenn es tatsächlich keine bessere Lösung gibt, werde ich mich für die Menschen im Asylzentrum und Menschen, die in der Nähe wohnen, nach meinen Möglichkeiten einsetzen. Welchen Weg sehen Sie dafür? Die Menschen sind zu wenig informiert über die Asylpraxis in der Schweiz und im Kanton Zürich. Der Kanton entlastet mit den Asylzentren die Allgemeinheit. Statt alle neuen Asylbewerber im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen zu verteilen, werden sie zuerst in diesen Zentren aufgenommen und betreut. Sowohl vom Kanton als auch von der Gemeinde wünschte ich mit bessere Informationen. Die Kantonsvertreter blieben dem Informationsabend fern, obwohl sie eingeladen waren. Wie denken Sie darüber? Ich hatte mit dem Vorsteher des kantonalen Sozialamts, Ruedi Hofstetter, ein sehr gutes Telefongespräch. Ich begreife aber auch, dass nicht jeder die Protokolle des Regierungsrats liest und sich selber erkundigt. Hofstetter sagte mir, dass zum Asylzentrum in Eglisau alles gesagt sei. Ich habe auch Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen des Kantons nicht an eine Veranstaltung kommen, die derart unausgewogen aufgezogen ist. Es wurde dort von Beginn weg über nationale Asylpolitik gesprochen. Es hilft nichts, sich über das Fernbleiben eines Vertreters des Kantons zu ärgern. Sie selbst haben sich nun politisch geäussert. Ist das Ihre Aufgabe als Pfarrer? Das ist eine Gratwanderung, das weiss ich. In meiner Ordination habe ich mich zum Dienst am Wort Gottes verpflichtet. Dabei geht es um das Leben und um Menschen. Mein Job bedeutet, mit dem Evangelium der Bevölkerung zu dienen. In diesem Sinne glaube ich, dass Politik auch die Sache eines Pfarrers ist. Bleiben Sie am Thema des Asylzentrums weiter dran? Ja. Falls der gerichtliche Weg eingeschlagen wird und zum Beispiel das Bundesgericht als letzte Instanz entscheiden würde, dass Eglisau das Asylzentrum bauen muss, möchte ich nach Möglichkeiten suchen, wie die Eglisauer Bevölkerung damit am besten umgehen kann. «Ich wollte verhindern, dass die Kirche und ich als Pfarrer einfach in eine linke Ecke gestellt werden.» Andreas Weber

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