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«Ich war selber erstaunt, wie positiv ich war»

ZSC-Coach Colin Muller hat am Wochenende zwei «Schicksalsspiele» überstanden. Heute folgt in Kloten die nächste Probe.

Mit Colin Muller sprach Simon Graf Colin Muller, sind Sie mit den ZSC Lions aus dem Gröbsten heraus? Ich sehe, dass wir als Team besser harmonieren. Das macht mir Freude. Aber es bleibt kritisch. Wir hatten eine schwierige Startphase, hoffentlich haben wir jetzt Selbstvertrauen geschöpft. Ja, ich hoffe schon, dass das Gröbste hinter uns liegt. Wir brauchten vor dem Wochenende dringend Punkte, sonst wäre ich weg gewesen und das Team noch tiefer gesunken. Diese Situation haben wir gemeinsam bewältigt. Und ich glaube, wir haben etwas daraus gelernt. Was? Welche Arbeitsmoral, welchen Willen wir brauchen, um zu gewinnen. Und dass wir als Kollektiv spielen müssen. Wir haben nicht die Stars, die Abend für Abend den Match reissen. Bei uns müssen alle 20 miteinander arbeiten, etwas beitragen. Und wenn man so gewinnt, als Team, ist es noch schöner. Haben Sie aus diesem Grund die Konzentration der besten Kräfteauf zwei Linien wieder rückgängig gemacht? Richtig. Die besten Kräfte zusammenzufassen, funktioniert nur für ein paar Spiele. Wir brauchen mehr Ausgeglichenheit. Ich muss Spielern wie Krutow, Schommer, Bastl Verantwortung geben. Ist das Derby in Kloten für Sie ein weiteres Schicksalsspiel? Ich hoffe nicht. Aber ich weiss nicht, was das Management denkt. Ich will einfach, dass wir mit Selbstvertrauen nach Kloten fahren und einen guten Match zeigen. Haben Sie denn keinen Kontakt zu Sportchef Edgar Salis? Doch, doch. Und ich habe nach den letzten beiden Spielen nur Positives gehört. Fünf der letzten sechs Partien waren gut, nur die ersten zehn Minuten gegen Bern nicht. Wir hatten einfach Mühe, Tore zu schiessen. Und das ist eine Sache des Kopfes. Zuletzt sah man, wie befreiend es ist, wenn der Puck reingeht. Gegen Davos waren alle schon viel kreativer. Wie gingen Sie damit um, dass eine Niederlage gegen die SCL Tigers oder Davos Ihre letzte hätte sein können? Ich kam an einen Punkt, an dem ich mir sagte: Wenn es passiert, passiert es. Ich muss einfach meine Arbeit machen, mein Bestes geben. Mich zu sorgen, bringt mich nicht weiter. Im Gegenteil: Wer sich sorgt, funktioniert nicht mehr. Haben Sie in diesen kritischen Tagen gut geschlafen? Ja. In den Tagen vor dem Langnau-Spiel habe ich sogar sehr gut geschlafen. Ich war selber erstaunt, wie positiv ich war. Ich dachte: Hoffentlich gewinnen wir. Und wenn ich meinen Job verliere, habe ich immerhin mein Bestes getan. Sind Sie erstaunt, dass Sie so schnell in die Kritik gerieten? Nein. Das ist Zürich. Man hatte mehr von uns erwartet. Bei diesem Job muss man damit leben, dass man unter Druck ist. Sehen Sie die Reaktion des Teams als Statement für Sie? Ich glaube, die Mannschaft hat das eher für sich gemacht. Sie wollte selber aus diesem Loch kommen. Wie stehen Sie zum Vorwurf, dem ZSC mangle es an Spielkultur? Hat uns ein Gegner geschlagen, weil er eine überlegene Spielkultur hatte? Ich glaube nicht. Der HCD ist für mich das beste Beispiel für Spielkultur. Trotzdem haben wir gegen die Davoser fünf von neun Punkten geholt. Haben Sie Ihre Linien nun gefunden? Ich hoffe es. Ich hasse es, wenn ich die Linien umstellen muss. Deshalb freut mich, dass ich nun zwischen den Stürmern eine gewisse Chemie spüre. Das macht alles viel einfacher. Was kann man vom ZSC in den nächsten Spielen erwarten? Gute Frage. Diese Mannschaft kann unglaublich gut spielen, wenn das Selbstvertrauen stimmt. Das haben wir in der Champions League gesehen. Aber wenn es weg ist, wird es schwierig. Der ZSC ist unberechenbar. Das habe ich in meinen Zürcher Jahren gelernt.

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