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Im Gleichtritt Richtung Gipfel

An der Rad-Weltmeisterschaft in Mendrisio stehen in den heutigen Strassenrennen Zwillinge aus Wichtrach im Einsatz.

«Ich bin Bergfahrer», sagt er. «Er ist zum Allrounder geworden», ergänzt sie. «Stimmt eigentlich», erwidert er, «wenn es sein muss, kann ich fast überall mithalten.» Sie fahre gerne Kriterien, «ich bin eine Sprinterin», sagt sie. «Und eine gute Abfahrerin, die sehr viel Risiko auf sich nimmt», sagt er schmunzelnd – und erntet einen kritischen Blick. «Alles halb so wild», entgegnet sie, «die Strecken sind meistens abgesperrt.» Sie und er heissen Jessica und Christian Schneeberger, leben in Wichtrach, sind zweieiige Zwillinge, 20 Jahre alt und werden die Schweiz heute an der Rad-Weltmeisterschaft in Mendrisio vertreten. Küken in Helferrollen Am Ursprung ihrer Passion standen der Vater und der ältere Bruder, «vor sieben Jahren haben sie uns zu einem Rennen mitgenommen», sagt Jessica, sich bestens erinnernd. Es folgten der Eintritt in den RSC Aaretal Münsingen und der kontinuierliche Aufstieg. Trainiert wird gemeinsam, sofern beide zu Hause weilen. Christian scheint die Ruhe zu personifizieren, Jessica wirkt etwas impulsiver, sie ist 20 Minuten älter. Er absolviert seine Wettkämpfe im Dress des Velo Club Mendrisio, «weil die Förderung im Tessin besser ist als bei uns, wir viele Rennen in Italien bestreiten und das Niveau dort höher ist als in der Schweiz». Sie startet für das in Zollbrück beheimatete «Team bike-import. ch» – als reine Amateurin. Nebenbei absolviert Jessica das Sport-KV, arbeitet im Durchschnitt zu 50 Prozent, «im Sommer natürlich weniger als im Winter». Christian hat jüngst die Matura bestanden, erhält kleine Spesenvergütungen und schlägt sich mit Temporärjobs durch. Wobei er und seine Schwester konstatieren, ohne die Unterstützung der Eltern liesse sich der Leidenschaft niemals in diesem Mass frönen. Im Tessin erleben Schneebergers den Höhepunkt ihrer Karrieren, wie üblich im Gleichtritt. Nervosität ist spürbar, auch weil viele Kollegen aus dem Aaretal an der Strecke stehen werden. Jessica tritt um 9 Uhr im Elite-Rennen an, Christian bestreitet um 13.30 Uhr den U23-Wettkampf. In den Landesauswahlen sind die Wichtracher die Jüngsten, ihre Nominationen seien auch «als Nachwuchsförderung» zu verstehen, glaubt Christian. «Lange werden wir kaum überleben», sagt sie. «Was heisst hier wir?», entgegnet er. «Unser Rennen ist 180 Kilometer lang, da kann viel geschehen.» Auch wer nicht zu den Favoriten gehöre, könne am Schluss dabei sein, «wenn er Geduld und die richtige Nase hat». Aus ihrer Perspektive sei der gut 120 Kilometer lange Parcours «zu stark coupiert», sagt sie; «ich bin zufrieden, wenn ich den andern ein bisschen helfen kann». Die Rolle der Leaderin gebührt der 30-jährigen Nicole Brändli, welche ihre Karriere mit einem Goldmedaillengewinn krönen und gleichzeitig beschliessen möchte. Auch von Christian Schneeberger sind Helferdienste gefragt; gemäss U23-Nationaltrainer Stephan Joho soll er in bekannter Umgebung primär in der ersten Rennhälfte in Fluchtgruppen Präsenz markieren – und Erfahrungen sammeln. Olympia 2016 und Plan B Der nächste grosse Schritt im Sportlerleben von Jessica und Christian Schneeberger soll jener zu den Profis werden. «London kommt etwas früh, aber an den Olympischen Spielen 2016 möchte ich dabei sein», verrät sie. Er spricht von der Tour de Suisse, streift die Tour de France, wird dabei jedoch jäh unterbrochen. «Wenn du dort gewinnen willst, musst du gedopt sein», meint sie. Worauf er das Thema aufnimmt und sagt, er könne nachvollziehen, dass die Hemmschwelle bei vielen sinke, wenn sie vor der Entscheidung zwischen Dopingkonsum und dem Fall in die Bedeutungslosigkeit stünden. Er selbst sei jedoch nicht gefährdet, «weil ich einen Plan B habe». Sollte er nicht reüssieren, würde er sich an der Universität einschreiben und sich auf eine andere Aufgabe konzentrieren. Micha Jegge >

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