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Im skandalgeschüttelten Heim hat die Leitung versagt

Misshandlungen, zerstrittenes Personal, schlechte Führung – auf Adliswils Alters- und Pflegeheim prasselten im Herbst viele Vorwürfe nieder. Ein Bericht zeigt auf, weshalb die Situation eskalierte.

Von Bettina Ledergerber Adliswil – Der Psychologe Jürg Krummenacher ist auf seinem Gebiet ein erfahrener Mann. Und für den Patienten, der ihn in Adliswil erwartete, musste er das auch sein: Gleich ein ganzes Alters- und Pflegeheim sollte der langjährige Direktor der Caritas, der heute Dozent an der Hochschule Luzern ist, untersuchen. Den Auftrag dazu hatte ihm die Stadtregierung erteilt, nachdem im Herbst schwere Vorwürfe publik geworden waren: Im Heim seien Leute misshandelt worden, die Führung habe versagt, und das Personal liege sich in den Haaren. Nach Gesprächen mit 42 Pflegeangestellten und Kaderleuten hat Krummenacher nun seine Befunde präsentiert. Mit Neuigkeiten zu den angeblichen Misshandlungen wartete er zwar nicht auf – mit diesen befasst sich die Zürcher Rechtsanwältin Katharina Sameli. Dafür sprach der Konfliktberater deutliche Worte, was die Heimleitung betrifft: «Die Mitarbeitenden haben eine klare Führung vermisst.» Das sei die Hauptursache dafür gewesen, dass die Situation eskaliert sei. Er empfiehlt, die Kader neu zu organisieren. Heimleiter ist schon weg Direkte personelle Konsequenzen wird sein 20-seitiger Bericht jedoch nicht haben. Heimleiter Theodor Bollinger wurde schon Ende Oktober freigestellt und interimistisch durch das Ehepaar Hilda und Peter Portmann ersetzt. Eine Pflegedienstleiterin, welche in den Medien massiv kritisiert wurde, wird ihre Tätigkeit dagegen weiterhin ausüben. «Sie ist sehr engagiert, war aber wegen der Konflikte in einer schwierigen Position», sagte Krummenacher. Sozialvorsteherin Susy Senn (FDP) ergänzte, dass der Stadtrat noch keine Schlüsse ziehen wolle. «Wir warten erst den Bericht zur administrativen Untersuchung von Katharina Sameli ab.» Dass die Juristin einen weiteren Skandal aufdecken könnte, nimmt Senn hin. Angst bereite ihr diese Möglichkeit nicht. «Mir ist wichtig, dass alles aufgedeckt wird», sagt sie. Das sei im Interesse aller. Vier Mitarbeiterinnen, darunter eine Leiterin, haben das Heim definitiv verlassen. Sie hatten sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Misshandlungsvorwürfe krankgemeldet – allerdings nicht, weil sie dafür verantwortlich gewesen wären, sondern aus anderen Gründen, über die sie schweigen wollten. Die vier haben die Kündigung eingereicht. So sei es ihnen seitens der Stadt nach Einzelgesprächen nahegelegt worden, sagten sie auf Anfrage. Zu den näheren Umständen wollten sie nichts sagen. Im Bericht von Jürg Krummenacher kristallisierten sich neben der mangelhaften Führung noch andere Probleme heraus, darunter auch die schlechte Kommunikation. Wichtige Angelegenheiten sollten den Mitarbeitenden gemäss seinen Empfehlungen direkt mitgeteilt werden. Seit den Vorfällen im Herbst sind denn auch schon mehrere Vollversammlungen des Personals durchgeführt worden. Vor dem Bekanntwerden der mutmasslichen Misshandlungen lief die Kommunikation im Alters- und Pflegeheim über die Vorgesetzten oder auf schriftlichem Weg. Laut Krummenacher begünstigte dies Unruhen und Gerüchte. Trotz aller Turbulenzen gibt sich Susy Senn zuversichtlich, dass Adliswil inzwischen wieder ein gut geführtes Alters- und Pflegeheim habe. «Ich bin überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gute Arbeit leisten und dass die Probleme im Kader keine Auswirkungen auf die Pflege hatten», sagt sie. Sie sei in den letzten Wochen oft vor Ort gewesen und habe festgestellt, dass eine «gute Atmosphäre» herrsche. Hinter diesen Mauern ist zuletzt vieles schiefgelaufen.Foto: Silvia Luckner

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