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In fünf Wochen fehlt der StapiPartnerin von Martin Graf will in den Stadtrat

Esther Hildebrand will mit einer Kandidatur für den Illnau-Effretiker Stadtrat den Sitz der Grünen verteidigen. Martin Graf will, dass sein Vize, Max Binder, den Stadtrat bis zur Neuwahl führt.

Neuer Lebensabschnitt Von Anna E. Guhl Illnau-Effretikon – Der Wahlsonntag ist passé, die Wahl des Illnau-Effretiker Stadtpräsidenten Martin Graf (Grüne) in den Regierungsrat Tatsache. Will denn Esther Hildebrand Stadträtin von Illnau-Effretikon werden? «Wenn man mich fragt, dann interessiert es mich», antwortet die Kantonsrätin der Grünen. Grafs Lebenspartnerin politisierte von 1994 bis 2007 im Grossen Gemeinderat von Illnau-Effretikon, den sie auch präsidierte. Die Grünen kämen auf jeden Fall mit einer Kandidatur, sagt Hildebrand. «Die Bürgerlichen sollen uns den Sitz nicht wegschnappen.» Wichtig ist ihr jedoch ein sauberes parteiinternes Auswahlverfahren. Das Stadtpräsidium dagegen interessiert Esther Hildebrand «nicht wirklich». Kandidatur abklären Bereits am Sonntagabend hat die SVP beschlossen, eine Kandidatur für den Stadtrat zu präsentieren, informierte SVP-Präsident Hansruedi Wespi. Namen nannte er noch keine. Was das Stadtpräsidium betreffe, wolle man sich erst mit der FDP und der JLIE absprechen. Ein möglicher SVP-Stadtratskandidat heisst André Büecheler. Er wisse, dass er gehandelt werde, meint der Gemeinderat auf Anfrage. Es gebe aber drei bis vier andere valable Kandidaten. Immerhin will Büecheler eine allfällige Kandidatur mit seinem Arbeitgeber, den SBB, abklären. Und: Er stecke in der dritten Amtsperiode als Gemeinderat. Da müsse man sich überlegen, wie es weitergehen könnte. Grünen durch Grünen ersetzen SP-Gemeinderat und Co-Parteipräsident der Sozialdemokraten Samuel Wüst sagt hingegen: Er stehe «grundsätzlich» nicht für eine Stadtratskandidatur zur Verfügung. Eine Ausnahme würde er höchstens bei einem völlig inakzeptablen Vorschlag der Grünen machen. Für Wüst ist klar: Im Prinzip solle der scheidende Grüne wieder durch einen Grünen ersetzt werden. Gestern Abend trafen sich Vertreter der SP, der GP und der GLP zu einer Strategiesitzung. Auch der frisch gewählte GLP-Kantonsrat Andreas Hasler überlegt sich nämlich, nach 2010 zum zweiten Mal für den Stadtrat zu kandidieren. Damals hat ihn das Stimmvolk zwar gewählt, er schied aber als überzählig aus. Hasler will in seiner Wohngemeinde ohnehin weiter politisieren und dies mindestens als Mitglied des Grossen Gemeinderates von Illnau-Effretikon, in dem er seit einem Jahr sitzt. Kein zweiter Anlauf Für BDP-Mann Hans-Jürg Gehri dagegen ist eine Stadtratskandidatur diesmal kein Thema. Seine expandierende Firma lasse ein umfangreicheres politisches Engagement als das im Grossen Gemeinderat nicht zu. Gehri hatte 2010 für den Stadtrat kandidiert, wurde aber nicht gewählt. «Natürlich habe ich Interesse», sagt Stadtrat Ueli Müller (SP), wenn es ums Stadtpräsidium geht. Er habe bisher zwar noch wenig Energie in die Frage der Graf-Nachfolge investiert, jetzt aber sei sie konkret. Vor allem dass die Stadtentwicklung vorankommt, ist dem heutigen Tiefbauvorstand ein Anliegen. Von noch grösserer Bedeutung als das Stadtpräsidium sei indessen, dass Martin Grafs Stadtratssitz im linken politischen Spektrum bleibe. Frau redet bei Kandidatur mit «Ich bewege gern etwas», sagt auch SVP-Stadtrat Reinhard Fürst, der im Übrigen bedauert, am Sonntag die Wahl in den Kantonsrat verpasst zu haben. Wenn seine Partei ihn frage, ob er Stadtpräsident werden wolle, würde er die Sache deshalb «positiv-kritisch» anschauen. Allerdings stehe der Stadtpräsident üblicherweise noch mehr im Schaufenster als der Bauvorstand. Das gelte es mit der Familie zu besprechen, seine Ehefrau nehme nämlich intensiv Anteil an seiner Aufgabe. Weiter mit seinen allfälligen Aspirationen hinter dem Berg hält FDP-Stadtrat André Bättig. In der Illnau-Effretiker Exekutive sind die Freisinnigen zweimal vertreten. Er und seine Stadtratskollegin Erika Klossner würden sich bis Mitte Woche entscheiden und informieren. Von Till Hiemer Illnau-Effretikon – «Mein Ziel ist es, bei der Konstituierung des Zürcher Regierungsrates am Montag, 9. Mai, dabei zu sein – und dann die Arbeit sofort aufzunehmen.» Bis zur Wahl eines neuen Illnau-Effretiker Stapi soll laut dem Grünen sein Vizepräsident Max Binder (SVP) den Stadtrat führen – bis zur Wahl eines regulären Nachfolgers im September. Binder will dem von Graf angedachten Szenario allerdings nicht vorgreifen: «Wir werden uns im Stadtrat auf alle Fälle so organisieren, dass bis zum September weiterhin alles rund läuft.» Grundsätzlich sei es schon die Aufgabe eines Vize, in einer solchen Situation das Amt des Präsidenten weiterzuführen. An der nächsten Sitzung des Stadtrats am Donnerstag werde man die Sache sicher ein erstes Mal thematisieren. Gesundheitsvorstand Binder würde im Falle einer befristeten Präsidiumsübernahme im kommenden halben Jahr eine ziemlich grosse Last zu schultern haben: Für den SVP-Nationalrat steht zur selben Zeit die Sommersession in Bundesbern an – und vor allem sein persönlicher Wahlkampf. Die kommenden National- und Ständeratswahlen finden am 23. Oktober statt.Da das Stadtpräsidium in Illnau-Effretikon kein Vollamt ist, der Job eines Regierungsrates hingegen schon, muss Graf bis Anfang Mai auch noch mit seinem langjährigen Arbeitgeber Agridea eine für beide Seiten befriedigende Lösung finden. Graf zeigte sich gestern zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Bei Agridea, der Schweizerischen Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums, ist der Effretiker mit einem 50-Prozent-Pensum als Projektleiter im Informatikbereich tätig. Sein Arbeitsplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe des Lindauer Strickhofs, dem Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung des Kantons. Sowohl bezüglich seiner politischen als auch privatwirtschaftlichen Arbeit wird Graf sich auf eine geordnete Übergabe der Geschäfte beschränken müssen. «Laufende Projekte werde ich keine mehr abschliessen können», macht er sich keine Illusionen.Nun freut sich Martin Graf – der in der Nacht auf Montag «gut, aber viel zu kurz» geschlafen hat – erst einmal auf den Empfang durch die Bevölkerung. Dieser wird am Donnerstag auf dem Effi-Märt-Platz in Effretikon über die Bühne gehen, dies um 18.30 Uhr. Dann wird der frisch gewählte Regierungsrat ins Illnauer Rössli dislozieren. Dort wird Graf ab 20 Uhr im geschlossenen Rahmen weiterfeiern. «Die Bürgerlichen sollen uns den Stadtratssitz nicht wegschnappen.» Esther Hildebrand (Grüne) «Ich bewege gern etwas. Eine Kandidatur würde ich darum positiv-kritisch anschauen.» Reinhard Fürst (SVP) Martin Graf packt in Effretikon seine Sache. Er wird als Regierungsrat in Zürich arbeiten. Foto: Mano Reichling

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