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Interesse an den Wahlen schwach

Die wenigen abgegebenen Couverts für Kantons- und Regierungsratswahl lassen im Bezirk auf eine tiefe Beteiligung schliessen.

Von Anja Müller und Patrick Gut Die Wahlcouverts liegen zwar schon lange zu Hause auf dem Küchentisch, doch bis jetzt – zwei Tage vor der Wahl – hat sie knapp ein Viertel der Stimmberechtigten im Bezirk Meilen ausgefüllt und abgeschickt. Dies ergibt eine Umfrage bei den grösseren Gemeinden an der Goldküste. In Zollikon haben bis gestern 2446 Personen brieflich abgestimmt, das entspricht 30 Prozent der Wahlberechtigten. Bei 30 Prozent ist man gestern auch in Küsnacht angelangt. Rund 2000 Personen haben dort schon gewählt. In Stäfa sind bis gestern die Unterlagen von 27 Prozent der Stimmberechtigten eingetroffen, in Männedorf 24 Prozent. In Meilen waren es – allerdings am Mittwoch – 22 Prozent. Zwischen 75 und 90 Prozent der Wähler geben ihre Stimme brieflich ab. Tiefer als vor vier Jahren Auch wenn die Verantwortlichen der Gemeinden allesamt heute noch einen Schub erwarten, zeigt dieser Trend doch, dass die Wahlbeteiligung im Bezirk Meilen voraussichtlich ebenso schwach oder sogar noch schwächer ausfallen wird wie bei den letzten Kantons- und Regierungsratswahlen 2007. Damals lag die Wahlbeteiligung im Bezirk bei rund 41 Prozent. Ein tiefer Wert zwar, der Bezirk Meilen war damit aber jener Wahlkreis mit der höchsten Stimmbeteiligung. Zum Vergleich: Bei den kommunalen Wahlen 2010 gaben in Uetikon immerhin 44 Prozent der Wählerschaft ihre Stimme ab. Markant mehr sind es bei grossen Sachgeschäften. Die Ausschaffungsinitiative lockte im November bezirksweit 64 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne. «Wenig Spektakel» Den Zürcher Politologen Michael Hermann überraschen die wenigen brieflichen Stimmen im Bezirk Meilen nicht. Während die Wahlbeteiligung auf nationaler Ebene in den letzten Jahren wieder gestiegen sei, befinde sie sich auf kantonaler Ebene im Sinkflug, sagt er. Dies liege vor allem daran, dass der Kanton in der «vergessenen Mitte» zwischen den nationalen und den kommunalen Wahlen liege: «National geht es um grosse und wichtige Themen sowie bekannte Gesichter, die medial präsent sind. Das ist attraktiv. Die kommunalen Wahlen gehen den Leuten nahe, da sie Einfluss auf ihre unmittelbare Umgebung haben.» Zusätzlich beobachtet Hermann auf kantonaler Ebene – vor allem in der Exekutive – eine Entpolitisierung: «Jede politische Seite gesteht der anderen ihre Sitze zu, die Wahlkämpfe werden sehr zivilisiert geführt, es herrscht eine konkordante Kultur – das bietet nun mal wenig Spektakel.» Bei Sachgeschäften reden hingegen wesentlich mehr Wählerinnen und Wähler mit. Darin sieht Hermann einen weiteren Nachteil für die Kantons- und Regierungsräte: «Die Personen sind für die Wähler weniger wichtig als in anderen Ländern, weil sie hier wissen, dass sie über wichtige Sachgeschäfte sowieso selber abstimmen können.»

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