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Ist Corine Mauch amtsmüde? Oder ehrlicher als andere Politiker?

Täglich gebe es Momente, in denen sie ihre Wahl zur Stadtpräsidentin bereue, sagte Corine Mauch. Die FDP legt ihr darum nahe, sich einen Wechsel zu überlegen.

Von Benno Gasser und Georg Gindely Zürich – Ob es Momente gebe, in denen sie die Wahl zur Stadtpräsidentin bereue, wollte TA-Redaktor René Donzé von seinem «Stadtalk»-Gast Corine Mauch wissen. «Ja, die gibt es täglich», sagte die SP-Politikerin und lachte (siehe Text unten). Genauso wie das Publikum in der Winterthurer Coalmine. Gar nicht amüsiert zeigt sich Michael Baumer,Präsident der städtischen FDP. Jedermann kenne im Beruf negative Momente. «Mich erstaunt aber sehr, dass Corine Mauch jeden Tag solche Augenblicke erlebt», sagt Baumer. Sie müsse sich deshalb überlegen, ob sie die richtige Besetzung als Stadtpräsidentin sei. SVP-Fraktionspräsident Mauro Tuena sagt, Mauchs Worte zeigten, dass sie nicht in ihrem Amt angekommen sei. «Eine ironische Bemerkung» Die Vorgänger Mauchs mochten die «Stadtalk»-Äusserungen vom Donnerstagabend nicht bewerten. Er sei kein «schulterklopfender Onkel und auch kein Wadenbeisser», sagt Josef Estermann (SP). Thomas Wagner (FDP) meinte gegenüber Radio 24 bloss, dass die Aufgabe als Stadtpräsident anspruchsvoll sei, und er diese Rolle als spezielles Privileg erlebt habe. Elmar Ledergerber?(SP) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Politikexperte Andreas Ladner glaubt, dass Mauch wegen ihres harzigen Starts angreifbarer geworden ist. Vor diesem Hintergrund sei es leicht, jeden Fehler zu dramatisieren. Corine Mauch wehrt sich gegen den Vorwurf, sie sei amtsmüde. «Ich bin sehr gerne Stadtpräsidentin von Zürich und habe dies im «Stadtalk»-Gespräch auch mehrfach klar zum Ausdruck gebracht.» Was jetzt aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt werde, sei nicht mehr als «eine ironische Bemerkung» im Rahmen eines längeren Gesprächs gewesen. «Etwas anderes konstruieren zu wollen, ist Blödsinn.» Sie hoffe, dass es in Zürich auch in Zukunft eine Portion Ironie vertrage. In welchen Situationen sagt Mauch zu sich, «Stadtpräsidentin zu sein, ist mein Traumjob»? Das denke sie täglich. Sie wünsche sich keine andere Aufgabe, das Präsidialdepartement sei ihr Wunschdepartement. Im Jahr 2014 werde sie darum selbstverständlich als Stadtpräsidentin wieder zur Wahl antreten. Min Li Marti, Fraktionspräsidentin der SP im Gemeinderat, spricht von einem «Sturm im Wasserglas». Die Aussage Mauchs sei aus dem Zusammenhang gerissen. Die Stadtpräsidentin arbeite 80 bis 90 Stunden pro Woche; das Amt sei anstrengend. Das hätten auch ihre Vorgänger Estermann und Ledergerber gesagt, die beide gesundheitliche Probleme bekamen: Estermann litt an einer Hautkrankheit, Ledergerber hatte mehrere Gehörstürze. Mehr Einsatz als Ledergerber Sie habe auf keine Weise das Gefühl, dass Mauch leide, sagt Marti. Sie fülle die Rolle einfach anders und zurückhaltender aus als ihr Vorgänger Elmar Ledergerber. Auch SP-Gemeinderat Mark Richli hat keine Anhaltspunkte dafür, dass Mauch ihr Amt nicht gefällt. Er kann ihre Aussage nachvollziehen. «Sie arbeitet sehr viel.» So besuche sie regelmässig die Sitzungen der Kommission, die sich um ihr Departement kümmere. «Das konnte man von ihrem Vorgänger Elmar Ledergerber nicht behaupten.» Aus dem links-grünen Lager kommt aber auch Kritik. Mauch habe sich selbst zuzuschreiben, dass sie sich hin und wieder überlastet fühle. Sie wolle alle Erwartungen erfüllen und könne sich schlecht abgrenzen, sagen Politiker, die ungenannt bleiben wollen. Mauch wird aber auch Dossierkenntnis attestiert. Sie setze sich viel stärker für das ihr unterstehende Kulturressort ein als Elmar Ledergerber, der sich weitgehend aufs Repräsentieren beschränkt habe. Corine Mauch ist seit Mai 2009 Zürcher Stadtpräsidentin.Foto: Keystone

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