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Jean Todts donnernde Geräuschlosigkeit Jean Todts donnernde Stille

Formel 1?Der oberste Automobilsportler fordert eine grünere Formel 1. Von Oliver Meiler Manchmal passt die Botschaft einfach nicht zum Botschafter. Etwa im Falle des Franzosen Jean Todt, früher Teammanager von Ferrari, 65 Jahre alt – ein aktives Leben lang in und um laute, schnelle und umweltschädliche Autos. Im zweiten Jahr als höchster Funktionär seiner Branche schlug der Präsident des Internationalen Automobilsportverbands (FIA) der Paradegattung Formel 1 nichts weniger als eine Revolution vor: eine grüne, ausgerechnet. Bald soll es, so Todts Idee, eine Weltmeisterschaft für Rennwagen mit umweltfreundlicheren, energiesparenden, viel leiseren Hybridmotoren geben. «Da die Formel 1 die Spitze dieses Sports bildet», argumentierte er, «sollte sie auch als Erste die Trends in der Gesellschaft aufnehmen und auf grüne Technologien setzen.» Der Zirkus wäre dann plötzlich ein Vehikel für die Bewusstseinsförderung. Die Europäische Union, so hört man, unterstützt Todts Vorstoss. Alles klingt schön und schlüssig. Aber ist es auch realistisch? Die Lust am Lärm Es gibt äusserst dezidierte und ablehnende Meinungen dazu, allen voran jene von Bernie Ecclestone, dem kommerziellen Boss der Formel 1: «Unter Todt ist der Verband ein Witz», sagte er, «die Leute lieben und erregen sich am Lärm: Darum bin ich dagegen, dagegen, dagegen, dagegen. Das brauchen wir nicht, wir würden nur das Publikum und das Fernsehen verlieren.» Die beiden Männer verbindet eine lange Rivalität. Todts Vorgänger Max Mosley raufte sich zwar auch oft mit Ecclestone, doch am Ende einigten sich die beiden Briten stets gütlich. Bei Todt ist das anders. Der Franzose möchte alles neu machen. Die Statuten sind schon überholt. Er möchte auch mehr Geld aus dem Formel-1-Topf für seinen Verband und tangiert damit die Interessen von Ecclestone, der einst einen 100-Jahre-Deal mit der FIA abgeschlossen hatte. Sportlich hat Todt fast alles erreicht, nur nicht im Cockpit. Er wäre selber gerne Formel-1-Pilot geworden. Doch dazu reichte das Geld des Sohns eines zugewanderten polnischen Arztes nicht. In den Sechzigerjahren brachte er es zum bekannten Co-Piloten im Rallye-Sport, bevor er das Team Peugeot als Manager zu Ruhm führte. In die Formel 1 holte ihn Luca Cordero di Montezemolo von Ferrari in den Neunzigerjahren, als die Scuderia seit Jahren schon erfolglos darbte. Todt organisierte den Rennstall neu, engagierte Michael Schumacher – und gewann sieben Weltmeisterschaften. Mit lauten, dröhnenden, nicht sehr umweltfreundlichen Motoren. Der damalige Ferrari-Teamchef Jean Todt 1997 auf dem Nürburgring. Foto: AP

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