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Kampf dem «Käfer» im Spital

Will man sich gründlich die Hände waschen, dauert dies mindestens 30 Sekunden. Das erfuhren gestern die Besucher des Männedörfler Krankenhauses an einem Aktionstag der Weltgesundheitsorganisation.

Von Christian Dietz-Saluz Männedorf – Wenn sich Hygienevorschriften Bakterien, Viren oder Pilze einnisten, droht in den Krankenhäusern grosse Gefahr. Denn in Spitälern befindet sich die risikobelastetste Klientel: die Patienten. Ihnen drohen sogenannte Spitalinfektionen. 60 000 bis 70 000 Menschen erkranken jedes Jahr in der Schweiz an Spitalinfektionen. Das verzögert Heilungsprozesse, verursacht Komplikationen. Zusätzliche Medikamente, weitere Behandlungen oder erneute Spitalaufenthalte sind die Folge. Dabei sind die Mittel einfach, um die Zahl der «nosokomialen Infektionen», wie sie der Mediziner bezeichnet, zu verringern. Denn in den meisten Fällen sind Kontaktübertragungen Ursprung der Infektion.Um die Menschen dazu zu bewegen, die Hände gründlicher zu säubern, beging die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern einen Aktionstag. Braune Flecken auf der Hand «Nicht hygienisch sauber», lautet das Verdikt von Charlotte Münch, die Beraterin für Infektionsprävention und Spitalhygiene in Männedorf. Und das, obwohl die Hände gewaschen sind – ja sogar mit einer Flüssigkeit aus dem Dispenser vor wenigen Minuten desinfiziert. Und dennoch zeigt die Haut unter der Ultraviolettlampe braune Flecken. Die Flecken zeigen, dass die Hände nicht vollständig desinfiziert wurden. Auch die Art, wie die Hände desinfiziert worden sind, kann zu verschmutzten Stellen führen. 30 Sekunden dauere ein korrekter Waschvorgang. Wer sich 60- bis 80-mal am Tag die Hände desinfiziert, kommt demnach auf über eine halbe Stunde. Dennoch: «Ich habe dafür nicht so viel Zeit, lasse ich nicht gelten», sagt Münch. Denn während man sich die Hände reibt, könne man immer noch denken und reden, verliere also kaum Zeit. Fünf Situationen entscheiden Der Aktionstag im Spital Männedorf wurde mit Schautafeln und Demonstrationen zwar in der Eingangshalle durchgeführt. Die Aufklärung richtete sich aber mindestens so sehr an das eigene Personal wie an die Besucher. «Wir stärken die Sensibilität und das Bewusstsein unserer Mitarbeiter», sagt Charlotte Münch.Am Vormittag schwärmte auf Hygiene geschultes Personal in alle Abteilungen aus. Dort beobachteten sie mit Check- und Strichliste jeden Handgriff des Spitalpersonals. Es gebe fünf Situationen, bei denen das Gebot zum erneuten Desinfizieren der Hände gelte: vor Patientenkontakt, nach Patientenkontakt, vor einer invasiven Handlung (Spritzen setzen, Infusionen stecken, Schnitte vollziehen), nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten (Blut, Nase putzen, Toilettengang) und nach Berührungen in der Patientenumgebung (Telefon, Trinkgefäss und andere Gegenstände im Zimmer). Die Beobachtungen dienten danach der internen Schulung. «Je höher die Arbeitsbelastung, desto geringer ist jeweils die Bereitschaft zum Händedesinfizieren», weiss Charlotte Münch. Die interne Disziplin dürfe aber nicht nachlassen. Neben dem Einsatz von Überschürzen, Einweghandschuhen, Mundmasken und Spritzschutzbrillen müsse immer wieder auf die Desinfektionsflüssigkeit hingewiesen werden, die durch ausgiebiges Reiben auf den Händen verteilt werde.Der Appell der Weltgesundheitsorganisation «Save Lives, Clean Your Hands» (rette Leben, reinige deine Hände) gelte auch für die Besucherinnen und Besucher. Und laut Hygieneberaterin Münch seien die Patienten in den Krankenhäusern im Zweifelsfall gut beraten, ihren Arzt zu fragen: «Haben Sie Ihre Hände eben erst desinfiziert?» Die Hygiene-Expertin des Männedörfler Spitals empfiehlt aus beruflicher Vorsicht sogar die Abkehr von der hierzulande üblichen Begegnungsform. «Im Spital würde ich lieber nicht die Hände schütteln.» Die Infektionsgefahr in Spitälern steigt. Nur mit grösserem Hygieneaufwand kann dem Problem begegnet werden. Der Schluss, in Spitälern werde schludriger mit Hygiene umgegangen, ist gemäss Experten aber falsch. Zum einen ist der Mensch wegen seiner Reinlichkeit anfälliger geworden. Zum anderen hat der Einsatz von Antibiotika dazu geführt, dass Bakterien resistent wurden (di) Das ultraviolette Licht zeigt deutlich – nicht hygienisch. Foto: Sabine Rock In einem Gerät prüfen die Pflegerinnen am Aktionstag in Männedorf, wie sauber ihre Hände sind. Foto: Sabine Rock

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