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Kastriert im Dreiminutentakt

Ab dem 1. Januar 2010 dürfen Ferkel nur noch schmerzfrei kastriert werden. Zwei Tüftler aus der Region, Ernst Ramseier und Fritz Schär, haben ein Gerät entwickelt, das die Eingriffe im Dreiminutentakt ermöglicht.

Wie kann man Ferkel schmerzfrei kastrieren? Dies überlegte sich Maschineningenieur Ernst Ramseier aus Feldbrunnen im Herbst 2007. Das revidierte Tierschutzgesetz untersagt nämlich, diese Eingriffe bei kleinen Schweinchen weiterhin bei vollem Bewusstsein durchzuführen. Aus den im Rahmen des Projekts «Pro Schwein» gewonnenen Untersuchungen wusste Ramseier, dass die blosse Verabreichung von Schmerzmitteln gegen die akuten Schmerzen während der Operation eine völlig ungenügende Wirkung hat. Andere Kastrationsmethoden und Möglichkeiten, den Schmerz auszuschalten, entsprachen entweder nicht den tierschutzrechtlichen Anforderungen oder waren nicht praxistauglich – mit Ausnahme der Inhalationsnarkose. Möglichst wenig Stress Darum entwickelte und konstruierte Ernst Ramseier zusammen mit Maschineningenieur Fritz Schär, dem Inhaber der Promatec Automation AG in Derendingen, einen Prototypen des Inhalationsnarkosegerätes Porc-Anest 3000, welches verschiedene Voraussetzungen erfüllen musste. Ramseier: «Es muss für die Schweinezüchter, welche die Eingriffe selbst vornehmen, einfach einzusetzen sein, wenig Kosten verursachen und bei den Ferkeln möglichst wenig Stress auslösen.» Die beiden Tüftler erklärten ihr Gerät bei einem Besuch in der Promatec: Die Ferkel werden bei der Kastration in einem ersten Schritt in ihrer natürlichen Position, die Beine nach unten, an einer der drei Stellen platziert und fixiert. Dabei wird die Nase in eine Maske eingeführt, durch welche das Tier das Narkosemittel inhaliert. Nach rund eineinhalb Minuten hat das Ferkel das Bewusstsein verloren, wird auf den Rücken gedreht und kommt dadurch auf einer gepolsterten Halterung auf dem Rücken zu liegen. Jetzt erfolgt die Kastration, indem der Züchter mit einem Skalpell den Hodensack aufschneidet und die Hoden entfernt. Nach der Wundbehandlung wird das Ferkel zurück in die «Schweinebucht» gelegt, wo es nach zwei bis drei Minuten wieder erwacht. Alles automatisch Die Funktionen des Gerätes sind weitgehend automatisiert. Fritz Schär: «Es müssen weder Knöpfe gedrückt noch Hebel betätigt werden.» Die Zufuhr des Narkosemittels wird automatisch konstant und in der richtigen Dosierung gesteuert und nach der Betäubung wieder beendet. Auf einer Anzeige ist ersichtlich, wann das Ferkel betäubt ist und gedreht werden kann. Das Abluftsystem vermeidet unerwünschtes Austreten von Narkosegas und leitet die Ausatmungsluft ab. Ein Zähler zeigt die Anzahl der behandelten Ferkel an. Das erleichtert die Kontrolle durch den Tierarzt, welcher den Verbrauch des Narkosemittels überwacht. Bringt man die Zahl der kastrierten Ferkel und die Menge des verwendeten Narkosemittels zueinander in Relation, lassen sich mögliche Missbräuche leicht feststellen. Als Narkosemittel kommt Isofluran zur Anwendung, welches über eine gute Narkosewirkung verfügt und in Bezug auf Nebenwirkungen gute Resultate ausweist. Mit Umgebungsluft Die Apparate sind mit einer Niederdruckpumpe ausgerüstet; so ist es möglich, den Ferkeln das Narkosemittel mit der angesaugten Umgebungsluft zu verabreichen. Würde anstelle der Umgebungsluft Sauerstoff verwendet, wäre dies mit erheblichem Mehraufwand und Mehrkosten verbunden. Mit der Provet AG in Lyssach fanden die Beiden einen Partner für den Vertrieb der Geräte, von denen bei der Promatec 600 Exemplare gefertigt werden. Ein komplettes Narkosegerät, das aus einer Versorgungs- und einer Kastrationseinheit besteht, kostet knapp 10000 Franken. Die Aufteilung in zwei Einheiten ermöglicht eine Reduktion der Kosten. Muss aus Hygienegründen jeder Züchter eine eigene Kastrationseinheit haben, können mehrere kleinere Züchter die Versorgungseinheit, in der das Gas-Luft-Gemisch erzeugt wird, gemeinsam nutzen. Mit der Porc-Anest 3000 hat die Promatec Neuland betreten. Das 1991 gegründete Unternehmen ist vor allem als Entwickler und Produzent von Applikationen für die Automation in Industriesparten tätig. Hanspeter Flückiger •www.promatec.ch >

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