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«Keiner spielt Country so hart wie wir»

Die Countryband Deathrope um den jungen Langnauer Danilo Neve veröffentlicht ihr erstes Album. Die Kritik reicht von «grottenschlecht» bis «grossartig».

Mit Danilo Neve sprach Nicole Trossmann Die CD Ihrer Band Deathrope heisst «Hang ’em high». Wie hoch sollen Sie denn hängen – und warum überhaupt? Wir sind zufrieden mit unserem Meisterwerk; somit haben wir eigentlich gar keinen Grund, uns zu erhängen. Der Albumtitel bezieht sich auf die Wildwest-Geschichten in den Songs, die fast immer ein böses Ende nehmen. Ausserdem spielte Clint Eastwood 1968 in einen Film mit diesem Namen. Stellvertretend wollten wir mit dem Titel dem ganzen Genre des Westernfilms unsere Ehre erweisen. Haben Sie ein Lieblingslied auf dem neuen Album? Das habe ich tatsächlich: «The Undertaker». Der Song handelt von einem Leichenbestatter, der in einer wildstürmischen Nacht in ein Dorf reitet, wo bald danach die Angst umgeht: Die Menschen sterben wie die Fliegen. Nachdem er eines nachts in flagranti ertappt wird, will ihm ein aufgepeitschter Mob an den Kragen – doch da ist er schon von dannen geritten. Ihren Musikstil nennen Sie Outlaw-Country. Was genau ist denn so ungesetzlich an Ihrer Art Country? Wir spielen nicht jene bequeme Countrymusik, die man am Albisgüetli-Country-Festival hört. Unser Stil ist jünger, härter, wilder – kurz: Rock ’n’ Roll. Es ist eine neue Art von Country. In der Schweiz sind wir die Einzigen, die eine solche Art Musik machen. Und wie kamen Sie auf die Idee, eine solche Band zu gründen? Die Idee geisterte mir schon lange im Kopf herum. Ich wollte das biedere Image, das dem Country anhaftet, gehörig aufmischen. Aber es war schwer, Musiker zu finden; vielen fehlte es an der Weitsicht, sich eine neue Art von Country vorzustellen. Die schauten mich dann ungläubig an und fragten: «Bitte, Country?», bevor sie lachend abwinkten. Übrigens sind wir noch nicht vollzählig. Ich hätte nämlich noch gern einen Geiger in der Band. Sie sagten, Ihr Country wäre nicht unbedingt Albisgüetli-konform. Am Countryfestival Interlaken indes traten Deathrope auch schon auf. Und dort waren wir die Exoten! – Und die Freude von so mancher älteren Lady. Viele kamen zu uns und sagten, wir junge Burschen seien eine Augenweide gewesen. Manch alteingesessener Countryfan wusste mit unserer Musik aber nichts anzufangen. Unser Stil polarisiert beim Countrypublikum. Entweder findet man uns grossartig oder grottenschlecht. Wenn man Ihre Banditenballaden und Räuberhymnen hört, scheint es, als würden Sie sich nach einem gloriosen Wilden Westen sehnen. Da liegen Sie falsch. Ich hege keinerlei melancholische Gefühle dem amerikanischen Westen gegenüber. Zugegeben, ich war mal ein halbes Jahr in Nashville in einem Studio, aber auswandern würde ich nicht wollen. Wir sind Schweizer, und überhaupt leben hier auf dem Land die wahren Cowboys, jene in der Schweiz sind doch Kuhhüter par excellence. Unsere Songs sind also durchaus auch als Hommage an die Schweiz zu verstehen. Woher kommen die Geschichten, die Sie Ihrem Publikum erzählen, wenn nicht aus dem amerikanischen Westen? Wir liessen uns von der Filmmusik der italienischen Spaghettiwestern und deren typischen Erzählungen inspirieren, etwa wenn eine Gang von Banditen eine Farm anzündet und deren Besitzer dann Rache schwört und die Banditen durch die Wüste verfolgt. Wenn man unsere Musik hört, soll im Geist ein Film ablaufen. Wir erschaffen mit unseren Songs eine eigene Welt. Leben Sie diese Wild-West-Attitüde auch, oder ist es einfach eine Rolle, die Sie auf der Bühne spielen, weil sie gut ankommt? Am Anfang war es klar eine Rolle. Aber man beginnt, sich richtig darin einzuleben. Mit der Zeit verwischen die Grenzen immer mehr. Bald fange ich wohl noch an zu reiten. Die CD von Deathrope, «Hang ’em high», ist ab sofort im Plattenhandel erhältlich. www. deathtrope.ch Danilo Neve Der Langnauer ist der Kopf der Band Deathrope.

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