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Kinder an die Macht

Christine Häsler

Kinder an die Macht.Ein grosses Kind hat mir dieses Thema empfohlen, und ich habs aufgegriffen, weil mir die Idee auch gefällt, mal die Kinder an die Machthebel zu setzen. «Gebt den Kindern das Kommando», singt Her-bert Grönemeyer, «statt zu unterdrücken gibts Erdbeereis auf Lebenszeit. Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende. Wir werden in Grund und Boden gelacht – Kinder an die Macht.» Wenn in Bern das Kinderparlament tagt, werden mit viel Engagement und Ernsthaftigkeit wichtige Anliegen und Sorgen von Kindern in einer Sitzung diskutiert, die sehr den Sitzungen von uns Erwachsenen ähnelt. Und nicht anders als unter den Grossen gibt es auch unter den Kindern solche, die gern referieren, andere, die froh sind, wenn sie nur abstimmen müssen, und eine grosse Menge, die nicht am Kinderparlament teilnimmt oder sich mit Kinderpolitik weder beschäftigen will noch beschäftigen kann. «Es gibt kein Gut, es gibt kein Böse» – Grönemeyer schrieb sein Lied eindeutig vor den heute gängigen Computerspielen, die sehr wohl Gut und Böse, Macht und Ohnmacht, Krieg und Sieg, Killer und Opfer einsetzen. Die Kinder werden früh in die Welt der Macht katapultiert. Und nicht alle können gleich gut damit umgehen. Mobbing via Facebook, Gewalt auf dem Pausenplatz, Gruppendruck, Konsumzwänge – Kinder haben es nicht leicht. Das war früher so, und das ist heute so – auch in unserer sogenannt sicheren und gut genährten Welt. Zu stark sind die Machtgelüste, die in uns allen schlummern. Und Macht macht zuerst hungrig und dann nimmersatt. Wer sie irgendwo mal hat, lebt in der steten Furcht, sie zu verlieren, und muss sie deshalb laufend sichern. Und das geht weder ohne Anstrengung noch ohne Blessuren ab. Wer sich Macht sichern will, muss schneller, schlauer oder stärker sein und grundsätzlich einfach am längeren Hebel. Kinder an die Macht. Ja, warum nicht. Dort, wo es um Kinder und ihre Bedürfnisse geht, sollen immer auch Kinder das Sagen haben. Das dürfen sich zum Beispiel Vormundschafts- und andere Behörden ganz dick und fett hinter die Ohren schreiben. Die Bedürfnisse der Kinder sind bei Entscheidungen ins Zentrum zu rücken – etwa bei häuslicher Gewalt, bei Fragen des elterlichen Sorgerechts, bei Fremdplatzierungen, aber auch bei Trennungen und neuen Familiensituationen. Kinder sollen mitreden, wo sie mitbetroffen sind. Kinder an die Macht, bloss: Wie sollen Kinder mit Macht klarkommen, wenn Erwachsene das nicht können. Wenn wir immer wieder in Versuchung geraten, das kleine, das mittlere oder gar das grosse Machtpotenzial in unseren Händen zu missbrauchen? Im Job, bei Mitarbeitenden, Geschäftspartnern, in der Politik, im Verein oder gar in unseren Beziehungen. Oder gibt es das gar nicht, Machtspiele in Beziehungen? Und wie es das gibt! «Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht, was sie tun. Sie sind die wahren Anarchisten, lieben das Chaos, räumen ab, kennen keine Rechte, keine Pflichten, ungebeugte Kraft, massenhaft, ungestümer Stolz.» Ungebeugte Kraft, massenhaft, ungestümer Stolz. Wir waren nicht nur, wir sind immer wieder auch Kinder. Und die Macht, die wir nutzen, machen wir uns selten bewusst, während uns die Macht, welche gegen uns eingesetzt wird, sehr stört, blockiert und oft auch richtig verletzt. Der richtige Umgang mit Macht ist ein Kunststück. Jene, die es häufig mal wagen, dem Kind in sich nachzugeben, haben vielleicht eine höhere Chance, anständig und verantwortungsbewusst mit Macht umzugehen. Aber so oder so – das wird nichts mit Erdbeereis auf Lebenszeit Das sieht eher nach Arbeit aus, wenn wir uns dieser Aufgabe ernsthaft stellen wollen, nach viel Arbeit – täglich aufs Neue Ich wünsche uns allen viel Erfolg dabei und Ihnen ganz viele gute Momente und einen mächtig goldenen Oberländer Herbst! E-Mail: haesler@sharenet.ch redaktion-bo@bom.ch>

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