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Kinderkino erhält Bülacher Kulturpreis

Die Zauberlaterne versucht Mädchen und Buben im Primarschulalter zu bewusstem Filmkonsum anzuleiten. Am Samstag wurde der Verein dafür vom Stadtpräsidenten geehrt.

Von Andrea Söldi Bülach – Laurel und Hardy stolpern durch die schwarzweisse Welt der 1930er-Jahre, spritzen sich mit Wasser voll und blamieren sich am laufenden Band. Einfacher Slapstick im Vergleich zu heutigen Filmen mit ihrer ausgeklügelten Technik und schnell aufeinanderfolgenden Effekten. Doch die Missgeschicke von Dick und Doof vermögen nach wie vor zu begeistern. Sogar Kinder, denen die Stummfilmwelt dieser flimmernden Streifen ziemlich fremd vorkommen muss. 142 Kinogänger zwischen sechs und zwölf Jahren sassen am Samstagmorgen in den Sesseln des Bülacher Kinos ABC und lachten über die Spässe der angejahrten Komiker. Für 30 Franken pro Saison führt ihnen die Zauberlaterne insgesamt neun Filme vor. Im Anschluss an die Vorstellung erhielt der Verein dafür den Bülacher Kulturpreis, der mit 4000 Franken dotiert ist. Theaterleute im Saal In der Schweiz gibt es mittlerweile 73 lokale Zauberlaterne-Vereine, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein zukünftiges anspruchsvolles Kinopublikum aufzubauen. Seit 15 Jahren lockt auch in Bülach ein Verein die Jugend ins Kino. Einige Tage vorher erhalten die Mitglieder jeweils eine Einladung, die den nächsten Film ankündigt. Mami und Papi müssen bei der Filmvorführung draussen bleiben. Zu Beginn der Vorstellung gibt es eine Einführung sowie eine kurze Theaterszene. In Bülach sind es Schauspieler der Spielleute von Seldwyla, die die Figuren aus den Filmen lebendig werden lassen. «Zauberer, Bettler und Charlie Chaplin persönlich waren schon bei uns im Kino», freute sich Zauberlaterne-Präsidentin Clarissa Wojciechowski Senn, als sie den Preis entgegennehmen durfte. Ihr Dank ging auch an die Unterländer Kinobetreiber-Familie Stottele, die das Lokal gratis zur Verfügung stellt. In seiner Laudatio erinnerte sich Stadtpräsident Walter Bosshard daran, wie er selber vor etwa 50 Jahren im Bülacher Kino Bambi über Dick und Doof gelacht hatte. Am Samstag liessen sich seine Enkelinnen vom gleichen Film unterhalten. «Die Zauberlaterne ermöglicht den Kindern grosse Kino-Erlebnisse», würdigte Bosshard die ehrenamtliche Arbeit des Vereins. Mit dem Kulturpreis, der dieses Jahr zum 24. Mal vergeben wurde, werden abwechslungsweise Engagierte aus verschiedenen kulturellen Sparten geehrt, Einzelpersonen oder Gruppen. Jedermann kann bei der Kulturkommission Vorschläge einreichen. Die zehnköpfige Kommission mit Vorsitz des Stadtpräsidenten prüft die Kandidaten und unterbreitet dem Stadtrat zwei Anwärter. Dieser fällt den Schlussentscheid. Für die Preisverleihung ist auch Cornelia Etter vom Dachverband der Zauberlaterne aus Neuenburg angereist. «Wir wollen den Kindern die grossen Gefühle und den Umgang damit vermitteln», erklärt sie. Unter den Filmen sind solche, die zum Lachen, Träumen oder Weinen anregen, aber auch solche, die Angst auslösen. «Auch Angst gehört zu den grossen Gefühlen», sagt Etter. Natürlich würden keine Filme gezeigt, die im Kino nicht für Kinder zugelassen sind. Aber jüngere Kinder hätten manchmal bereits Angst, wenn zum Beispiel einem Zeichentrickfilm-Häschen etwas zustosse. Eltern sind in den Vorstellungen nicht zugelassen, dafür stehen immer einige «Angstmamis» im Einsatz. Sie betreuen die Kleinen, wenn sie sich fürchten oder aufs WC müssen. Medienerziehung im Kino Das Saisonprogramm besteht aus neuen Überraschungsfilmen aus verschiedenen Zeiten und Genres. Neben der «Heidi»-Verfilmung aus den 1950er-Jahren waren in früheren Jahren etwa «Pippi Langstrumpf», «Shrek» und «Ice Age» zu sehen. So soll den Kindern etwas Filmgeschichte vermittelt werden. Medienerziehung und das Lesen von Bildern würden in der Schule kaum gelehrt, sagt Cornelia Etter. Und Clarissa Wojciechowski Senn ergänzt: «Wir wollen den Kindern auch einen Zugang zu Nicht-Mainstream-Filmen vermitteln.» Dass den Eltern jeweils zu einem freien Samstagmorgen verholfen wird, sei ein willkommener Nebeneffekt. Die Zauberlaterne Bülach ist ein Filmklub nur für Kinder im Primarschulalter. Weitere Auskünfte erteilt die Präsidentin, Clarissa Wojciechowski Senn, Telefon 044 941 09 83, clarissawojcie@gmail.com Stadtpräsident Walter Bosshard würdigte die ehrenamtliche Arbeit des Bülacher Zauberlaterne-Teams. Foto: David Baer

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