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Klettern, feilschen

Fortsetzung von Seite 2: Vor verschlossenem Tor. Um an die Informationen zu kommen, die er braucht, muss der Journalist öfters manche sprichwörtliche Hürde überwinden. Eine Hürde bot sich mir auch im vergangenen Herbst, und zwar eine echte, aus Stahl und mit Zacken obendrauf. Der Gemeinderat Balsthal hatte sich auf einem Firmengelände in der Klus zur Sitzung getroffen und mein um wenige Minuten verspätetes Eintreffen wurde fürchterlich bestraft – das Werkstor war geschlossen. Trotz spärlicher Kletterkünste überwand ich es unfallfrei und die Sitzung ging nicht an mir vorbei. Die Lehre aus der Episode mit dem verschlossenen Tor in Balsthal: Fortan sass ich an Sitzungstagen jeweils überpünktlich im Gemeindehaus.Helge LandbergHelge Landberg berichtete seit August 2008 über die Region Thal-Gäu. Der Herr Kolumnist. Frühling 2001, Monate vor dem Start des Solothurner Tagblatt wird ein Kolumnist gesucht. Herr Thiel, sagen die Kollegen Kaiser und Schäfer, Herr Thiel sei unser Mann. Kaiser sondiert und meldet zurück, der Mann verlange 2500 Franken pro Kolumne. Das war ungefähr das Zwanzigfache dessen, was wir uns vorgestellt hatten. Nach kurzem Räsonieren über Künstler und deren Verhältnis zum Geld bescheiden wir dem Unbescheidenen: «Wir sind leider nicht die Financial Times». Als allerdings Wochen vor dem Start noch immer ein Kolumnist fehlt, verabreden wir uns doch noch – im Vini. Andreas Thiel erscheint pünktlich, legt einen metallenen Aktenkoffer auf den Tisch, packt die NZZ aus und erklärt forsch: «Da ihr Journalisten ohnehin alle links steht, sage ich es gleich: Ich wähle FDP und bin gegen hohe Steuern». Der Mann tingelte damals zwar durch Kleintheater und arbeitete zusätzlich im Service – aber das schien ihm noch lange kein Grund zu Konzessionen. Nach der Zusicherung, er werde nicht zensuriert, und hartem Feilschen um das Honorar kam es doch noch zum Handschlag. Zum Glück. Michael HugMichael Hug war von 2001 bis 2005 Chefredaktor des Solothurner Tagblatt. >

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