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Kung-Fu-Schüler zeigen ihre Kunst an der WM

Alexa Erni und Asim Maruan trainieren in Horgen an der Kung-Fu-Schule. An der Jugend-WM in Neu-Ulm, Deutschland, stellen sie Anfang September ihr Können unter Beweis.

Kung Fu. - Alexa Erni hebt das linke Bein bolzengerade in die Höhe und legt den Fuss auf die drittoberste Sprosse der Sprossenwand. Sie verweilt einige Sekunden in dieser Haltung.

Die 11-jährige Alexa Erni ist die jüngste unter den Schülerinnen und Schüler, die sich zum Kung-Fu-Training in der Turnhalle der zweisprachigen Tagesschule Zimmerberg in Horgen eingefunden hat. Sie wird Fadri Canal, 3. Dan, aus Adliswil, begrüsst. «Ich bin ihr Meister, nicht ihr Trainer», sagt Canal. «Jeder Schüler braucht einen guten Meister.» Die Bezeichnung Meister geht auf die alte Tradition des Shaolin Hung Gar zurück, die Form des Kung Fu, die Alexa Erni aus Horgen praktiziert.

Der 15-jährige Asim Maruan aus Adliswil verbeugt sich vor Canal. Mit diesem Zeremoniell begrüssen alle Schüler den Meister. Wie Erni betreibt auch Maruan seit vier Jahren Kung Fu. Er und Erni tragen beide den grünen Gurt. Sie kamen durch lokale Anzeigen zum Kung Fu und waren auf Anhieb von der Sportart begeistert.

Feilen an der Kür für die WM

Canal lässt die Schüler erst Positionen üben. Alexa Erni nimmt die Katzenform ein - eine tiefe Stellung, welche die Beine kräftigt. Dann üben Canals Schüler Sei Pin Ma, eine vier Fuss breite Reiterstellung. Die Schüler verharren in der Hocke. Dabei übersäuern die Oberschenkelmuskeln. Asim Maruans Beine beginnen zu zittern. Er soll auf die Zähne beissen, weist Canal sein Schüler lächelnd an.

Die beiden Nachwuchssportler üben schliesslich einen knapp fünfminütigen Vortrag mit verschiedenen Verteidigungs- und Angriffspositionen. «Das ist Meditation in der Bewegung» sagt Canal, der ihnen nun zuschaut. Diese Kür werden Alexa und Asim auch an den Kung-Fu-Weltmeisterschaften vortragen, die vom 3. bis 6. September in Neu-Ulm, Deutschland, stattfinden. Beide gehören dem Schweizer Nationalteam an und starten in der Jugend-Kategorie. «Kung Fu ist eigentlich nicht messbar», sagt Maruan. «Eine Ausnahme sind Titelkämpfe wie Weltmeisterschaften.» Erni sagt: «Ich hoffe, den Schiedsrichtern gefällt, was ich zeigen werde.» Bewertet werden Technik, Körperhaltung, Kraft, Schnelligkeit und Gleichgewicht - aber auch die Geisteshaltung, mit der die Wettkämpfer ans Werk gehen.

«Vielleicht gewinne ich eine WM-Medaille», sagt Alexa Erni lachend. Wie stark die Konkurrenz sein wird, weiss sie nicht genau. Im nationalen Vergleich gehört sie jedenfalls zu den Besten ihres Fachs. «Ich mache Kung Fu, weil es gut für die Gesundheit ist, aus Freude an der Bewegung, und weil ich mich wohl fühle, wenn ich mich selbst verteidigen kann», sagt das aufgeweckte junge Mädchen.

«Dank Kung Fu lebe ich noch»

Darauf angesprochen, was er Kung Fu zu verdanken habe, erzählt Asim Maruan Dramatisches. «Dank Kung Fu lebe ich noch», sagt der Junge und erinnert sich an die Schrecksekunden im April vergangenen Jahres, als er vom Glasdach der Adliswiler Post stürzte. «Ich wollte den Fussball eines Freundes holen.» Er fiel sechs Meter in die Tiefe, auf den Beton. «Während des Falls dachte ich daran, was mir mein Meister beigebracht hat. Ich konnte mich in der Luft drehen und landete etwa so, wie wenn man einen Liegestütz macht.» Beim Aufprall brach er sich beide Hände und erlitt am Kinn Schnittwunden. Während der Genesung konnte er nicht ins Kung-Fu-Training. Seit einem halben Jahr trainiert er wieder. Die Narben an den Händen sind geblieben. «Damals habe ich einen Anruf bekommen, dass Asim vom Dach gestürzt sei», sagt Alexa Erni. «Ich ging zu ihm ins Spital.» Seither sind sie Freunde.

Alexa Erni und Asim Maruan: Zusammen reisen die Kung-Fu-Schüler an die WM.

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