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Libyen pocht auf Anerkennung

Hans-Rudolf Merz hat sich bei den Libyern entschuldigt. Dort versteht man die Missstimmung gegenüber dem Deal nicht.

Gerade einmal ein Jahr ist vergangen, seitdem die ehemalige amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice den libyschen Staatschef Muammar al-Ghadhafi in seinem Beduinenzelt besuchte. Die Visite war die Belohnung für Ghadhafis Verzicht auf Massenvernichtungswaffen, die er noch gar nicht besessen hatte. Tatsächlich ging es bei dem Treffen um die Ausbeutung der elf grössten Ölreserven der Welt durch amerikanische Firmen. Ghadhafi muss von «Condi» begeistert gewesen sein. «Ich unterstütze diese mir liebe afrikanische Frau», sprudelte der Libyer, nachdem «Condi» ihm versichert hatte, wie leid es ihr tue, dass seine Adoptivtochter Hannah bei den amerikanischen Bombenangriffen auf Tripolis im April 1986 ums Leben gekommen sei. Über «Condis» Sympathieerklärung oder Entschuldigung für Hannah regte sich in den USA kaum jemand auf. Und als Nicolas Sarkozy im Dezember 2007 den von 500 Dienern und Amazonen begleiteten Ghadhafi in Paris den Hof machte, gab es zwar Unmutsäusserungen der Opposition. Dennoch war Sarkozys Botschaft an Ghadhafi deutlich: Ihr Libyer seid uns lieb und könnt, solange wir gute Geschäfte miteinander machen, tun, was ihr wollt. Ghadhafis Sohn Hannibal konnte in Paris die neue Freiheit gleich ausprobieren. Er raste mit Tempo 200 über die Champs-Elysées und durfte ungestraft französische Polizisten anpöbeln, die es gewagt hatten, ihn auf die Geschwindigkeitsübertretung aufmerksam zu machen. Spielregeln verletzt Auch andere europäische Staaten haben seither den Libyer hofiert. Nur die Schweiz hat sich – aus der Sicht der nach Jahren der Isolation wieder stolzen Nordafrikaner – nicht an die neuen Spielregeln gehalten. Also war es an der Zeit, ein weiteres Exempel zu statuieren: Was eine Condoleezza Rice und ein Nicolas Sarkozy vormachten, sollte Hans-Rudolf Merz nachmachen. Er bewältigte diese Aufgabe äusserst ungelenk. Darüber ist man in Tripolis nicht böse. Merz konnte es halt nicht besser. Verärgert, vielleicht sogar wütend ist man in der libyschen Hauptstadt aber über das permanente Nachhaken vieler Schweizer auf ihr Beharren auf Recht und Gesetz. Haben diese Leute denn nicht begriffen, fragen sich viele Libyer erbost, dass die grosse Politik über dem Gesetz steht? Es sei denn, es geht um die Ehre der Familie, die steht noch über der Politik. Michael Wrase >

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