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Lieber Pinot braun als Peperoniwein

Weine von der Goldküste können mit Ausländern mithalten. Dies zeigte eine Blinddegustation auf der Stäfner Redaktion des «Tages-Anzeigers».

Stäfa. - Es ist, als ob der Gaumen lesen könnte. Das Lesen einer Etikette beeinflusst nämlich Degustanten so stark, dass sie oft nicht mehr in der Lage sind, Weine objektiv zu beurteilen. Dann lähmen Vorurteile wie «Burgunder ist gut und Klevner schlecht» die Geschmackpapillen. Für jene einheimischen Produzenten, die in den vergangenen Jahren die Qualität ihrer Weine verbessert haben, ist das hart.

Besonders am Zürichsee leiden viele Weinbauern und Önologen unter solchen Vorurteilen. Dafür können sie nichts, schliesslich sind ja ihre Vorgänger dafür verantwortlich, dass man den «richtigen» Burgunder dem Blauburgunder (Pinot Noir oder eben Klevner) vom Zürichsee vorzieht. Aber etwas dagegen tun können sie schon.

Neun Laien und ein Kenner

So geschehen am Mittwochabend auf der Redaktion des «Tages-Anzeigers» in Stäfa. Auf Einladung des vom Meilemer Weinpavillon her bekannten Winzerförderers und Garagisten Wilfried Graf verkosteten zehn TA-Mitarbeiter sechs Weiss- und sieben Rotweine.

Geführt wurde die Degustation von den Produzenten Urs Zweifel (Höngg) und Reto Honegger (Stäfa). Die beiden bewiesen bei diesem Anlass Selbstvertrauen und Mut: Sie liessen ihre mit Flaschen-Überziehern getarnten weine gegen die ebenso camouflierte Konkurrenz aus nahen und fernen Gebieten antreten.

Nach einer kurzen Einführung von Zweifel begann die Degustation mit drei Weissweinen. Schnell zeigte sich: Vom TA-Team kennt sich nur der Redaktionsleiter einigermassen mit Weinen aus. Er identifizierte zum Beispiel die Nummer drei richtig als Zürichsee-Räuschling (2008er von Honegger). Von seinen Mitarbeitern hingegen waren Quotes zu hören wie «Vom mittleren könnte man literweise saufen» oder «der kommt sicher aus dem Coop».

Auch in der zweiten Runde bewies der Redaktionsleiter Kompetenz, indem er eine der Proben als französischen Sauvignon Blanc identifizierte. Es war ein Sancerre AOC Les Baronnes 2007. Allerdings waren gleich alle drei Weine aus der gleichen Sorte gekeltert worden. Einer davon, ein besonders fruchtiger, im Holz ausgebauter, kam bei den Frauen gut an. Das freute die anwesenden Produzenten. Es handelte sich nämlich um eine einheimische Ko-Produktion. Honegger pflegt am Stäfner Lattenberg die Reben, die Zweifel in Höngg keltert. Erfreulich für die beiden war, dass die beiden Stäfner Sauvignon Blancs, der dritte war nämlich der 2007er von Honegger, von den meisten Degustanten besser bewertet wurden als das Original aus dem Loire-Tal.

Vor der dritten Runde war man gespannt, ob denn auch die Rotweine vom Zürichsee so gut abschneiden würden. Zweifel: «Lassen Sie sich von den unterschiedlichen Farben nicht beeinflussen. Mit der Farbe wird nämlich viel geblufft.» Links stand ein dunkler, rubinroter Tinhof Zweigelt/Blaufränkisch 2006 aus Österreich, daneben ein fast schon transparenter Wein mit einem Braunstich, der auch von Laien schnell als Klevner vom Zürichsee identifiziert war. «Ein Pinot Braun», witzelte ein Redaktor über diesen Lattenberger Clevner 2006 von Honegger.

Ein Bär aus dem Lattenberg

In der vierten Runde wurden zwei Pinot Noirs verkostet: Ein Burgunder (Santenay AOC 1er Cru Beauregard 2006) und ein Pinot Noir 566 Barrique gleichen Jahrgangs von Urs Zweifel. Der Nachteil des Originals aus dem Burgund: (Zu) viel Hefe in der Nase, die sich erst mit der Zeit etwas neutralisierte. «Man merkt keinen grossen Qualitätsunterschied zwischen den beiden», sagte der frühere Redaktionsleiter.

Dass die Weine aus Stäfa mittlerweile höchsten Ansprüchen genügen, bewies die fünfte und letzte Degustationsrunde. Zu verkosten waren Chameleon Red 2005, eine Bordeaux Blend aus Stellenbosch (Südafrika), in welcher der Cabernet Sauvignon den Merlot stark dominierte, eine Trilogie Noir 2006 von Honegger (Pinot Noir, Cabernet Dorsat und Cabernet Cubin) sowie ein «Ursus» 2007 aus der Kellerei Zweifel. Der Name erinnert an seinen Schöpfer Urs Zweifel. Dieser sagt: «Es ist eine Mischung aus Syrah, Pinot Noir und Cabernet Cubin aus Stäfa.» Von mehreren TA-Mitarbeitern erhielt dieser Wein die allerbeste Note des Abends.

Besser als der Südafrikaner

Ganz schlecht kam hingegen der Cabernet Sauvignon aus Südafrika weg. Er zeigte die sortentypischen grünen, pfeffrigen Noten etwas gar stark. Der stellvertretende Redaktionsleiter, überlegte sich nach dem Probieren dieses «Peperoniweins» sogar, ob er seine bereits gebuchten Übernachtungen in Stellenbosch nicht besser absagen sollte. Lieber ein Pinot Braun vom Lattenberg als ein Peperoniwein vom Kap: In diesem Punkt waren sich die TA-Mitarbeiter einig.

Urs Zweifel, Wilfried Graf und Reto Honegger (v. l.) schenken zum Degustieren ein.

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