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Männedorf lehnt Initiative Hanhart ab

Die Initiative wollte die Grundlagen für bezahlbaren Wohnraum in Männedorf schaffen. Das Resultat fiel knapp aus. Die Befürworter bedauern die «vertane Chance».

Von Sandra Flückiger Männedorf – Die Gegner der Wohnbau-Initiative atmen auf. «Mir fällt nicht nur ein Stein, sondern eine ganze Zentnerlast vom Herzen», sagt Willi Nutz, Geschäftsführer der Druckerei Engeler. Sein Wohn- und Arbeitsplatz an der Seestrasse wäre verkauft worden, um das Projekt für bezahlbaren Wohnraum in Männedorf mitzufinanzieren. Nun kann Nutz – zumindest vorerst – bleiben. Ebenfalls erleichtert zeigt sich Giovanni Weber, Ortsparteipräsident der FDP, die sich zusammen mit der SVP gegen die Initiative Hanhart gestellt hat. Das Resultat zeige einmal mehr, dass eine Urnenabstimmung manchmal einen anderen Ausgang nehme als eine Gemeindeversammlung, an der sich Gruppen einfacher organisieren könnten. «In der Abstimmung siegt die Vernunft über die Emotionen, weil man sich ausführlicher mit den Argumenten auseinandersetzen kann», sagt Weber. Das Argument des Initianten Dieter Hanhart, dass genossenschaftlicher Wohnbau gefördert werden soll, um die soziale Durchmischung des Dorfes zu erhalten, lässt Weber nicht gelten. «Die Durchmischung ist vorhanden. Heute, aber auch mittelfristig, ist solcher Wohnbau nicht nötig.» Dem widerspricht Gemeinderat Rolf Eberli (CVP) vehement. Er hat sich im Vorfeld der Abstimmung für die Initiative eingesetzt, indem er sich dem bürgerlichen Komitee «Ja zur Schaffung von Rahmenbedingungen zur Realisierung von bezahlbarem Wohnraum» angeschlossen hat. Dementsprechend «schade» findet es Eberli, dass die Initiative abgelehnt wurde. Bei einer Stimmbeteiligung von rund 46 Prozent stimmten 1603 Personen dafür, 1406 dagegen. Initiative am Geld gescheitert Eberli sieht die Ablehnung der Initiative als vertane Chance. «Das Resultat ist ein Ausdruck des kurzfristigen und rein monetär orientierten Denkens.» Dass die soziale Durchmischung heute noch intakt ist, bezweifelt er zwar nicht. «Der Trend geht aber in eine andere Richtung.» Leute mit niedrigeren Einkommen würden wegen der steigenden Mieten zunehmend verdrängt. Dass die Initiative letztlich am Geld gescheitert ist, davon ist auch Initiant Dieter Hanhart überzeugt. Er bedauert das Resultat sehr, wie er sagt. Den Grund dafür sieht er einerseits bei einer unfairen Kampagne der Gegner, die die Tatsachen bewusst verdreht hätten. «Es wurde mit Millionen argumentiert, obwohl die Initiative nur als Anregung dienen sollte», sagt Hanhart. Die Kosten habe niemand nachgerechnet. Einen weiteren Grund sieht der Initiant darin, dass mit dem Schicksal von Willi Nutz stark auf die Tränendrüse gedrückt worden sei. Und schliesslich seien sich zwei grundsätzliche Sichtweisen gegenübergestanden: die Eigennutz- und die Gemeinnutzorientierung. Er selbst habe keine eigenen Interessen verfolgt, sondern etwas zur Gemeindeentwicklung beitragen wollen. Die Initiative sollte die Rahmenbedingungen für den Bau von 30 bis 40 für den Mittelstand bezahlbare Wohnungen schaffen. Bei einem Ja wäre die Gemeinde beauftragt worden, Bauland im Gebiet Brüsch zu erwerben. Dazu hätte sie mit dem Kanton, dem Eigentümer, abklären müssen, ob sie das Areal zu einem bezahlbaren Preis bekommt. Um dieses allenfalls zu finanzieren, hätte die Gemeinde die Liegenschaft an der Seestrasse 152, wo sich die Druckerei Engeler befindet, verkaufen sollen. Beide Geschäfte hätten separat von den Stimmbürgern bewilligt werden müssen. Die Initiative war an der Gemeindeversammlung im Juli bereits angenommen worden. FDP-Präsident Weber hatte aber – erfolgreich – eine Urnenabstimmung beantragt. Resultat ist «ehrenvoll» Mit der Ablehnung der Initiative an der Urne ist das Thema für Hanhart nun abgeschlossen. Der 80-Jährige, der sich mit Herzblut für die Sache eingesetzt hat, ist zwar enttäuscht, freut sich aber über das knappe, «ehrenvolle» Resultat. Nicht geschlagen geben will sich dagegen Rolf Eberli. «Irgendwo öffnet sich irgendwann wieder eine Tür», sagt er, «wir müssen diese Chancen suchen.» Die Wahrscheinlichkeit würde einfach immer kleiner, da die Bodenpreise tendenziell stiegen.

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