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Merken, wie gut Bewegung tut

Seit dem Frühling treffen sich in Thun zehn übergewichtige Kinder einmal pro Woche zum «Hipfit»-Training. Im Pilotprojekt des Kantons Bern sollen die Sieben- bis Neunjährigen vorab erfahren, dass Bewegung Spass machen kann.

Sie sitzen im Kreis und warten. Sie sind hier, weil sie ein gemeinsames Problem haben: Sie sind übergewichtig. Sieben Mädchen und drei Knaben haben sich für eine weitere «Hipfit»-Trainingsstunde in der Sporthalle Buchholz in Thun eingefunden. Bevor es losgeht, lässt sich die Trainerin Simone Salzmann von jedem das Blatt mit dem «Fitnessturnschuh» zeigen. Je bunter der Schuh, umso fleissiger waren die Sieben- bis Neunjährigen zu Hause: Für jede halbe Stunde, die sie sich betätigt haben, «sodass sie richtig ins Schnaufen kamen», durften sie ein Eckchen ausmalen. «Einige sind immer dran, weil sie den Turnschuh fertig ausmalen wollen», freut sich die Sportstudentin über den Motivationseffekt ihres Turnschuhs. «Das Mörderlispiel»Das Training beginnt. Ein Knabe darf wählen, welches Spiel die Gruppe heute zum Aufwärmen spielen wird. «Das Mörderlispiel», wünscht er. «Nichts mit Herumrennen?», fragt Simone Salzmann lächelnd. Sie verspricht, das Ratespiel, bei dem die Teilnehmer im Kreis sitzen bleiben, am Schluss des 75-minütigen Trainings zu spielen. Jetzt will sie mit den Kindern ins Freie und sie noch einmal von der warmen Herbstsonne profitieren lassen. Auf dem Rasen drückt sie jedem zweiten Kind ein Küchentuch in die Hand. Damit sollen sie ihren Kolleginnen und Kollegen die Augen verbinden. Jetzt nehmen die Sehenden die «Blinden» am Arm, führen sie zu einem Baum – und schlendern zurück zur Trainerin. Hier können die Kinder die Tücher abnehmen. Sie sind aufgerufen, den Baum, von dem sie denken, dass sie zu ihm hingeführt wurden, noch einmal zu berühren. Dann werden die Rollen getauscht, die rund fünfzig Meter langen Wege sind noch einmal zu gehen. Es kommt Bewegung aufJetzt bildet Simone Salzmann Dreiergrüppchen und verteilt Tennisbälle. Eines pro Gruppe geht einen Ball verstecken. Währenddessen versuchen die anderen, sich den Ball im Abstand von etwa drei Metern zuzuwerfen. Als es dann darum geht, die versteckten Bälle zu suchen und möglichst schnell zum Ausgangspunkt zurückzubringen, setzen die Kinder erstmals zum Laufschritt an. Kastanien, Steine, BlätterDie Trainerin hält den erwachten Ehrgeiz am Leben: «Wer findet zuerst eine Kastanie?» – «Ein Blatt?» – «Einen Stein?» Lachend und wetteifernd eilen die Kinder hin und her. Ein Mädchen ruft im Übermut: «Jetzt schlage ich dann gleich einen Purzelbaum!» – lässt es dann aber bleiben. Der Puls beruhigt sich wieder, als immer zwei und zwei ein Küchentuch spannen und versuchen sollen, darauf einen Tennisball zu jonglieren. Schwieriger wird es, als der Ball auf dem Tuch der Nachbargruppe landen soll. Immer wieder bückenDie Kinder üben, kichern – und schimpfen. «Tue doch nid eso», weist ein Mädchen seinen Kollegen zurecht, als es sich zum wiederholten Mal nach dem davonrollenden Ball bücken muss. Als die Konzentration nachlässt, wechselt Simone Salzmann zu einem Spiel, das auf allgemeine Begeisterung stösst: Verstecken. Dabei kommt es zuweilen zu richtigen Sprints. Die Kinder sind mit Eifer dabei. Doch nach der zweiten Runde klagt der Junge, der sich seit Beginn des Trainings aufs «Mörderlispiel» freut: «Ich mag nicht mehr. Mir tun die Beine weh vom Rennen.» Während sich die anderen ein letztes Mal verstecken, setzt er sich hin – nicht direkt auf den Rasen allerdings. Er nimmt ein Küchentuch. «Ich will keine Grasflecken», sagt er. Am Anfang keine FreudeSimone Salzmann weiss, dass die Kinder im Frühling nicht gerne in ihr Training gekommen sind. Sei seien von den Eltern angemeldet und geschickt worden. «Aber inzwischen kommen sie gerne», glaubt die Trainerin und verweist auf ein Briefchen, in dem ein Mädchen geschrieben habe, wie «megatoll» das Training sei. «Hier turne ich lieber als in der Schule», pflichtet eine Achtjährige bei und erklärt: «Hier sind alle nett. In der Schule tun sie manchmal blöd, wenn ich nicht so schnell bin bei den Stafetten.» Ohne teure Geräte Einzelne haben Simone Salzmann stolz berichtet, sie hätten seit dem Training ein bis zwei Kilo abgenommen. Wichtiger ist ihr aber, bei den Kindern eine Freude am Spielen und der Bewegung zu wecken. «Und ihnen zu zeigen, dass es dafür keine teuren Ausrüstungen und Geräte braucht», betont die Sportstudentin. Susanne Graf>

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