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Mist zu Kohle machen

Wissenschaftler an der Hochschule in Wädenswil forschen an einer viel- versprechenden Technik zur Energiegewinnung.

Von Bettina Ledergerber Wädenswil – Die Natur braucht über eine Million Jahre, um Biomasse in Kohle zu verwandeln. In Wädenswil geht das in zwei bis zwölf Stunden. Seit einem Jahr forscht man am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil an einem Verfahren mit dem Namen Hydrothermale Carbonisierung (HTC). Doch das Verfahren ist nicht neu. Es wurde bereits 1913 vom deutschen Chemiker und Nobelpreisträger Friedrich Bergius beschrieben. Danach geriet es in Vergessenheit. Erst vor vier Jahren hat das renommierte Max-Planck-Institut die Technologie wiederentdeckt und damit das Interesse der Industrie und der Forschungswelt geweckt. Auch der Wädenswiler Umweltchemiker Rolf Krebs und der Elektroingenieur Christoph Koller sind schon nach wenigen Versuchsmonaten euphorisch: «Wir sind überzeugt, es wird sich durchsetzen», sagen sie unisono. Bei der Hydrothermalen Carbonisierung wird Biomasse erhitzt und unter sehr grossen Druck gesetzt. So wird Energie freigesetzt und der Kohlestoff herausgelöst. So lautet die einfache Erklärung des Verfahrens. Noch keine Nachteile entdeckt Ein Grund für die Euphorie von Krebs und Koller ist, dass bisher nur Vorteile und praktisch keine Nachteile bekannt sind. Die Ausgangsmaterialien für das HTC-Verfahren sind vielfältig: Holzschnitzel, Molke, Mist, aber auch Klärschlamm. Auch nasse Abfälle können karbonisiert werden und müssen nicht wie zum Teil bei Biogasanlagen mit grossem Energieaufwand vorgetrocknet werden. Je nach Ausgangsmaterial kann der Reaktor 55 bis 80 Prozent der Biomasse in Biokohle umwandeln. Der Heizwert der Biokohle ist um 10 bis 30 Prozent höher als jener der Biomasse. Bei geschickter Nutzung der Wärme, die während des HTC-Prozesses entsteht, hat das Verfahren zudem eine ausgeglichene Energiebilanz. Bislang sind weltweit nur sehr wenige HTC-Reaktoren in Betrieb. Wie praxistauglich das Verfahren ist, müssen Krebs und Koller noch herausfinden. Doch grosse Visionen haben sie schon, ausgelöst auch durch erste Interessenbekundungen von Industrieunternehmen, aber auch von Kläranlagebetreibern. Die Wädenswiler Forscher können sich vorstellen, dass irgendwann jedes Haus seine eigene HTC-Anlage hat. Rolf Krebs sagt: «Die Hausbesitzer könnten beispielsweise mit ihren Garten- und Küchenabfällen ihr Haus beheizen.» So weit ist man aber noch lange nicht. Doch heute hoffen die Forscher, an einer Fachtagung in Wädenswil ihre Kontakte zu möglichen Partnern der Industrie herzustellen.

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