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Mit Gessler und den Majorettes

Der Gessler aus Interlaken, die Majoretten aus Steffisburg, die Jugendmusik aus Spiez: Der Thuner Ausschiesset lädt morgen zum Jubiläumsumzug. Weshalb einiges anders ist, sagen der Korpsleiter und die Umzugsorganisatorin.

Ab morgen gehört die Stadt am Ende des Thunersees den Blauuniformierten und den Kadettenfans jeglichen Alters: Mit dem Jubiläumsumzug um 12.30 Uhr wird der Thuner Ausschiesset eröffnet. Wegen des 150-Jahr-Jubiläums der Kadettenmusik und der Tambouren marschieren im Umzug nebst den Kadettinnen und Kadetten Überraschungsgäste. Korpsleiter Urs Balmer und Marlen Erb Frei, Mitglied der Kadettenkommission und als solches «Tätschmeisterin» des Jubiläumsumzuges, sagen, weshalb der Ausschiesset für sie die «drei schönsten Tage» von Thun sind und was die Bevölkerung zum Jubiläum erwartet. Was ist der Ausschiesset für Sie? Urs Balmer: Er ist der Höhepunkt unserer Aktivitäten und der Abschluss des gemeinsamen Jahres. Als Korpsleiter ist es mein 9.Kadettenjahr, und meine Freude ist noch immer gross. Marlen Erb Frei: Auch für mich ist es ein Höhepunkt, da das Jubiläumsjahr nun zu Ende geht und im Schlussumzug sicherlich einen schönen und würdigen Abschluss findet. Sind es für Sie die «drei schönsten Tage» von Thun? Balmer: Ganz sicher! Es ist der Lohn für die Arbeit während des ganzen Jahres. Wir dürfen mit den Kadettinnen und Kadetten präsentieren und zeigen, was heute mit Jugendlichen geleistet werden kann. Erb Frei: Der drei Ausschiesset-Tage sind die drei schönsten im Jahr und dieses Mal auch die drei anstrengendsten Tage. Was ist am Jubiläums- und Eröffnungsumzug anders als sonst? Balmer: Zwar starten wir wie immer mit dem Böllerschuss beim Rex-Kreisel, doch wird der Umzug doppelt so lange sein. Es laufen nicht nur das Korps, die Musik- und Schützengesellschaften. Erb Frei: Einerseits sind zum Jubiläum viele Leute aus der Region eingeladen. Ihnen wollen wir zeigen, was der Ausschiesset ist. Balmer: Andererseits schauen wir zurück. Deshalb enthält der Umzug historische Elemente. Welches sind die Höhepunkte, die für die Vergangenheit stehen? Balmer: Wir blicken auf die Anfänge und die Entwicklung des Gesslerschiessens und zeigen im Umzug sechs alte und nachgebildete Gesslerbilder. Das erste Gesslerbild wurde nach meinen Recherchen 1860 gemalt. Erb Frei: Da die Tellspiele von Interlaken einen Gessler haben, wird er mitsamt Gefolge in Thun am Umzug teilnehmen. Unser Tell und der Schwyzermaa, die normalerweise erst am Montag dabei sind, begleiten sie. Balmer: Ausnahmsweise marschieren die Armbrustschützinnen und -schützen in der Armbrust- statt in der Kadettenuniform. Und einige Mädchen und Buben tragen die alte Uniform. Wie zeigen Sie den Ausschiesset den Leuten aus der Region? Erb Frei: Da das Kadettenwesen ein Angebot für Kinder und Jugendliche ist, haben wir zum Jubiläum benachbarte Jugendgruppen eingeladen. Mitmachen werden die Jugendmusik und die Majoretten aus Steffisburg sowie die Jugendmusik und die Tambouren aus Spiez. Balmer: Auch die Moskauer Suworow-Kadetten werden wiederum mitmarschieren. Gibt es weitere Überraschungen? Erb Frei: Da wir zu unserem Jubiläum am Fasnachtsumzug teilnehmen konnten, wird dieses Jahr am Ausschiesset-Umzug eine Guggemusig dabei sein. Balmer: Ausnahmsweise tritt der Umzug nicht beim Hotel Elite ab, sondern auf dem Rathausplatz. Dort laden alle Musikgruppen zum exklusiven Konzert ein. Nachher spielen sie zum Abschluss alle zusammen – inklusive der Suworow-Kadetten – den «Berner Marsch». Erb Frei: Zum Jubiläum findet sowohl am Sonntag- wie auch am Montagabend ein Zapfenstreich mit grösstmöglicher Beteiligung statt. Ich rechne mit über 150 Trommeln und ebenso vielen anderen Instrumenten. Sollte nicht jedes Jahr Neues hinzukommen, damit der Anlass auch neue Leute anspricht? Erb Frei: Dies wäre sicherlich wünschenswert. Dabei darf der organisatorische Aufwand nicht unterschätzt werden. Diese Arbeit geschieht immerhin ehrenamtlich. Dazu ist das Ganze mit einem grossen finanziellen Aufwand verbunden, der mit Sponsoring gedeckt werden muss. Balmer: Das Traditionelle zu erhalten und gleichzeitig Neues zu integrieren und alles miteinander zu verbinden ist eine Herausforderung. Die einen wollen das Alte erhalten, die anderen sagen, es sei immer dasselbe. Was sagen Sie eigentlich dazu, dass es auf dem Kunstblatt des Thuner Kadettenvereins zum ersten Mal eine Fulehündin gibt? Balmer: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Fulehung einmal von einer Frau übernommen wird. Für diese Aufgabe, die ein körperlicher und psychischer Stress ist, braucht es eine starke und sportliche Person – egal, ob Mann oder Frau. Erb Frei: Für mich ist das ebenso wenig eine Frage des Geschlechts, sondern der Fähigkeiten. Ich kann mir sehr gut auch eine Fulehündin vorstellen. Was ist für Sie der persönliche Höhepunkt des Ausschiessets? Erb Frei: Dieses Jahr ist es eindeutig der Kadettenball, da unsere Tochter im Kader ist und die «aktive» Kadettenzeit für uns als Eltern zu Ende geht. Balmer: Den Montagmorgen auf dem Rathausplatz, wenn der Fulehung um fünf Uhr schlagend in die Menge stürmt, finde ich wegen seiner einzigartigen und faszinierenden Stimmung der mystischste Moment des Anlasses.Franziska Streun>

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