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Mit neuer Struktur alte Stabilität erlangen

Der SC Uster-Wallisellen schwimmt auf einer Erfolgswelle und setzt die Messlatte für die Konkurrenz höher. Denn die Ausbildung der 320 Athleten wird noch professioneller.

Schwimmen. - Der Schwimmclub Uster-Wallisellen (SCUW) ist landesweit der führende Verein. Und zwar hält der Vergleich mit der nationalen Spitze den Kriterien der Quantität wie vor allem der Qualität stand. Darauf ist Philippe M. Walter, seit 1973 Mitglied des Vorstands und seit 30 Jahren Langzeit-Präsident, mit Recht stolz. «Dabei haben wir den mit Abstand kleinsten Tümpel in der Schweiz», verweist er auf die knappen Platzverhältnisse. Das Hallenbad Buchholz ist deshalb längst nicht mehr die einzige Trainingsbasis.

Rund 240 Lizenzierte in 12 stufengerechten Trainingsequipen nahmen die neue Saison in Angriff. Weitere 80 Jugendliche besuchen die Sportschwimmgruppen. Sie besitzen noch keine Wettkampflizenz, bilden aber das Reservoir für die Nachwuchsrekrutierung. Diese Zahlen machen den im Jahr 1941 gegründeten SCUW zum grössten Fisch in den hiesigen Schwimmbecken. «Für den Verband sind wir gewissermassen der Key-Account», äussert sich Walter pointiert zur Rolle als Schlüsselkunde. Von offizieller Seite aus wird der Nummer-1-Status auf Anfrage ohne Wenn und Aber bestätigt. «Basierend auf den Zahlen von 2008, wies der SCUW 235 Lizenzierte aus und ist damit der mitgliederstärkste Verein», sagt Barbara Moosmann, Geschäftsführerin des Schweizerischen Schwimmverbandes. Die Ehrenplätze belegen Lausanne mit 217 sowie Genf mit 208 Athleten. «Schlüsselt man die Statistik auf, ist der Vorsprung noch deutlicher. Denn Uster ist ein reiner Schwimmverein, während die Verfolger aus der Romandie viele Wasserballer und Wasserspringer in ihren Reihen haben», ergänzt Moosmann.

Auch das beste Leistungszeugnis

Im ewigen Medaillenspiegel gilt der Oberländer Klub ebenfalls als Schwergewicht und hat in jüngster Vergangenheit wieder Oberwasser erhalten. Seit 1976 warfen die nationalen Titelkämpfe der Senioren bemerkenswerte 391 Titel ab. Die eigenen Junioren schwammen bis heute zu 345-mal SM-Edelmetall. Aktuell reiten sie auf der dritten Erfolgswelle der Klubgeschichte und etablierten sich 2007 sowie 2008 im Punkteklassement wieder ganz zuvorderst. «Im Nachwuchsbereich haben andere zwar aufgeholt. Bei der Elite setzen die Ustermer nach wie vor die Massstäbe, wie ein Blick auf die Liste der Schweizer Rekorde beweist. Dort ist jede zweite Bestmarke im Besitz eines SCUW-Athleten», führt Moosmann aus.

Die Geschäftsführerin des Verbandes erwähnt die solide Arbeit an der Basis mit einem behutsamen und zielorientierten Aufbau als wichtigsten Erfolgsfaktor. «So etwas spricht sich schnell herum. Und wenn viele gute Leute involviert sind, wirkt das als Anziehungskraft», glaubt Moosmann. Komme dazu, dass Uster von einem grossen Einzugsgebiet profitiere und die Nähe zu Zürich mit beliebigen Ausbildungsmöglichkeiten ein Plus sei.

Kontinuität hat den SCUW ebenfalls zu einem Vorzeigeverein gemacht. «Wir lassen viel Herzblut einfliessen, dafür vergleichsweise wenig Geld», bemerkt Präsident Walter. Der 61-Jährige verfügt über ein Budget von 450 000 Franken. Mehr finanziellen Spielraum wird weiterhin nicht gewährt. Trotzdem kann mit zusätzlichem Knowhow in die sportliche Zukunft investiert werden. Der Klubvorsitzende verweist auf strukturelle Veränderungen im Trainingsalltag. Ihre Ankündigung wirft keine hohen Wellen, intern gelten die Massnahmen aber als effektiv. Walter hat dabei «etwas losgelassen» und dem verantwortlichen Ausbildner Gerard Moerland mehr Kompetenzen eingeräumt. Der Präsident, früher selbst Trainer und WM-Coach der Schweizer Delegation 1986 in Rom, gab die sportliche Leitung an Moerland ab. Er kümmert sich aber weiterhin in Personalunion um die Klubführung, die Finanzen und die Belegschaft. Dies macht der Dübendorfer nebenberuflich, im Geschäftsleben ist er Direktionsmitglied einer Krankenversicherung.

Moerland amtet neu in der Funktion des Headcoachs mit einem 100-Prozent-Pensum. Der gebürtige Holländer engagiert sich seit 1996 im Bezirkshauptort und erlangte nicht zuletzt als zweifacher Olympia-Missionschef der Wassersportler bei den Sommerspielen 2004 in Athen sowie 2008 in Peking einen beachtlichen Leistungsausweis. Bis vor zwei Jahren war er als Cheftrainer der Elite tätig, ehe er aus eigenem Antrieb in den Juniorenbereich wechseln wollte.

Remo Lütolf als Wegbereiter

Moerland meldet sich mit frischem Elan zurück und ist nach dem Ausscheiden von Trainer Stefan Trümpler wieder der höchste Ausbildner. Ihm zur Seite stehen der Belgier Guy Adriaensen, ebenfalls Profi mit Ustermer Vergangenheit und einer letzten Station beim SC Meilen, Yvonne Diener, Sandrine Paquier und Janine Jung mit Teilzeitmandaten sowie ein zwölfköpfiger Stab an nebenamtlichen Trainern. Laut Moerland wurde mit der neuen Zuständigkeitsregelung zwischen ihm und Walter ein noch professionelleres Modell geschaffen. «Die Entscheide können effizient und direkt am Beckenrand getroffen werden. Zudem kommen wir von der One-Man-Show weg, denn Philippe hat zuletzt zu viel in Eigenregie gemacht», lässt der bald 47-jährige Familienvater aus Nänikon durchblicken.

Daneben übernehmen zwei weitere verdienstvolle Grössen des Schwimmsports zentrale Aufgaben. Weil Uster ein nationaler Nachwuchsstützpunkt ist, muss man sich laufend neuen Richtlinien anpassen. Aus diesem Grund verpflichtete der Verein sein einstiges Aushängeschild Remo Lütolf, WM- und EM- Medaillengewinner über 50 m Brust, als Athletenbetreuer. Er kümmert sich um die Karriereplanung von aufstrebenden Talenten und bringt dabei einen sportlichen sowie schulischen Hintergrund mit. In absehbarer Zeit soll zudem der zurückgetretene Spitzenathlet Karel Novy den fünfköpfigen Vorstand ergänzen. Er wird die Lücke schliessen, die nach dem Rückzug von TV-Frau Regula Späni entstanden ist.

Fokus auf die eigenen Kräfte richten

Die Exponenten im Wasser dürften in der neuen Saison hinter Captain Flori Lang, der sich möglicherweise erneut Inputs im Ausland suchen wird, Simon Rabold (19), Maximilien Bon (20), Martin Schweizer (21) und Megan Connor (15) sein. Der Wangemer Rabold, der kürzlich als Staffelmitglied seine WM-Feuertaufe bestand, soll zu einer festen Grössen im Nationalteam heranwachsen. Von Bon verlangt Moerland, dass er sich langsam an internationalen Zielen orientiert. «Gesamthaft müssen wir wieder stabiler werden. Obwohl bei den Männern der Titel des Vereinsmeisters uns gehört, war das Mannschaftsgefüge zuletzt wacklig. Denn wir haben uns zu sehr auf die Athleten im Ausland - allen voran auf Olympiafinalist Dominik Meichtry und Gregory Widmer - verlassen», urteilt Moerland. Walter nickt bei diesen Bemerkungen und ergänzt: «Wir und unsere Athleten sind weiterhin gefordert. Denn gross zu werden, ist nicht allzu schwierig. Gross zu bleiben, ist hingegen eine wahre Herausforderung.»

Einer, der mit seinen Leistungen für den Schwimmclub Uster-Wallisellen hohe Wellen werfen soll: Der 19-jährige Simon Rabold aus Wangen. Philippe M. Walter. Gerard Moerland.

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