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Mit Rubel-Trick 23 000 Franken erbeutet

Ein einschlägig vorbestrafter Pole hat unzählige VBZ-Billettautomaten mit präparierten Münzen «gefüttert» – und das Wechselgeld behalten.

Von Stefan Hohler Zürich – Weinend und schluchzend, wie ein Häufchen Elend, ist gestern ein 38-jähriger Mann vor dem Bezirksgericht gestanden. Es tue ihm leid, er habe seine Lektion gelernt und werde sich in der Schweiz nie mehr blicken lassen, sagte er dem Gericht. Mit Erfolg: Die Richter verurteilten den zweifachen Familienvater aus Polen zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wobei die Hälfte zur Bewährung aufgeschoben wird. Der Staatsanwalt hatte eine unbedingte Strafe von 30 Monaten gefordert. Die Vorgehensweise des Beschuldigten war immer die gleiche: Er wählte an einem VBZ-Billettautomaten jeweils das günstigste Ticket zum Preis von 2.10?Franken aus und warf eine präparierte, fast wertlose russische Rubelmünze hinein. So bekam er neben einer Fahrkarte 2.90 Franken Wechselgeld. Diesen Trick machte er zwischen November 2009 und September 2010 in der Stadt Zürich insgesamt 7879-mal. Die Beute: knapp 23 000 Franken. Bei Stadtbus Winterthur wechselte er 300 Rubel und steckte 870 Franken ein. Zudem verpflegte er sich für 2400 Franken an Selecta-Automaten mit südamerikanischem Geld. Frau reichte die Scheidung ein Am 9. September 2010 verhaftete ihn die Stadtpolizei, nachdem der Mann aufgefallen war, wie er an einem Automaten zu eifrig Billette löste. In der Jugendherberge, wo er in Zürich wohnte, fanden die Polizisten weitere Rubelmünzen. Seit knapp sieben Monaten sitzt er im Gefängnis. Es gehe ihm nicht gut, er beanspruche psychologische Hilfe und brauche Medikamente, sagte er den Richtern. Sein Mandant möchte so schnell wie möglich zu seiner Familie, um seine Ehe zu retten, da seine Frau die Scheidung eingereicht hatte, ergänzte sein Verteidiger. Er verlangte eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten, welcher der 38-Jährige zum grössten Teil schon abgesessen hat. Staatsanwalt Daniel Kloiber sprach im Plädoyer von einer erheblichen kriminellen Energie. Der Beschuldigte habe mit dem Wechseltrick seinen Lebensunterhalt bestritten. Der Pole ist kein unbeschriebenes Blatt. In der Schweiz ist er schon knapp ein halbes Dutzend Mal wegen des gleichen Delikts vorbestraft, zuletzt in Lausanne, knapp zwei Monate vor seiner Verhaftung in Zürich. Der vermutlich gleiche Mann war der Stadtpolizei im August 2004 eine Pressemeldung wert. Damals berichtete die Polizei, dass ein 31-Jähriger an der Tramhaltestelle Haldenegg Trambillette en gros kaufte und das Wechselgeld einsteckte. Dies fiel wartenden Passagieren auf. Die alarmierten Polizisten fanden beim Verhafteten 90?VBZ-Tickets, 1100 Franken in Münz und 120 Rubelmünzen. Damals war er mit einer Einreisesperre bis ins Jahr 2014 belegt worden. Staatsanwalt Daniel Kloiber wird gegen das Urteil Berufung einlegen. Nicht primär wegen des Strafmasses, sondern weil der mehrfach vorbestrafte Beschuldigte die Hälfte der Strafe nicht absitzen muss.

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