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Oerlikon ist reif für Sanierer Hans Ziegler

Oerlikon muss saniert werden. Hans Ziegler soll Löcher stopfen und Schulden abbauen. Ziegler war 2006 massgeblich daran beteiligt, dass die heute tiefrote Saurer bei Oerlikon landete.

Dass ein Sanierer die Suppe auslöffeln muss, die er einem Unternehmen Jahre zuvor als Berater eingebrockt hat, ist ungewöhnlich. Im Fall von Hans Ziegler passiert genau dies. Bekannt wurde Ziegler als Abwickler maroder Firmen wie der Winterthurer Erb-Gruppe und als Sanierer von Interdiscount, Elma und Schlatter. Jetzt hat Ziegler von Viktor Vekselberg, der 44 Prozent am Zürcher Industriekonzern Oerlikon hält, eine Strafaufgabe gefasst. Ziegler soll die angeschlagene Oerlikon vor dem Aus bewahren. Vorab die riesigen Verluste der 2006 für 2 Milliarden Franken zugekauften Arboner Saurer-Gruppe ziehen Oerlikon wie ein Stein in die Tiefe.

Vor drei Jahren hatte Ziegler sich vom britischen Finanzinvestor Laxey einspannen lassen. Dieser hatte ein grosses Saurer-Paket aufgekauft und portierte Ziegler als Kampfkandidaten. Die Briten wollten den damaligen Saurer-Präsidenten Giorgio Behr loswerden, weil dieser auf ihre Forderungen nicht einging. Ziegler war massgeblich daran beteiligt, dass das Laxey-Paket bei Oerlikon landete. Er sass damals auch im Verwaltungsrat der Neuen Zürcher Bank (NZB), die als Hausbank Vekselberg beim Aufbau seiner Beteiligungen beriet. Nachdem Oerlikon Saurer geschluckt hatte, nahm Ziegler dann Einsitz im Verwaltungsrat von Oerlikon.

Jetzt darf Ziegler für den Oligarchen die Kohlen aus dem Feuer holen. Oerlikon geht es so dreckig, dass der Verwaltungsrat die Notbremse zog. Ziegler wurde zum Delegierten des Verwaltungsrates und operativen Chef ernannt, der als eher zögerlich geltende Konzernleiter Uwe Krüger entlassen. Verständlich, dass Vekselberg sauer ist. Im Frühjahr 2007 war seine Beteiligung an der Börse im Höchst noch rund 5 Milliarden Franken wert, gestern weniger als eine halbe Milliarde.

«Optionen ohne Emotionen prüfen»

All dies beeindruckt Ziegler offenbar nicht. «Ich sehe meine Aufgabe darin, alle möglichen Optionen ohne Emotionen anzuschauen, alles zu hinterfragen, um die bestmögliche Lösung für Oerlikon zu finden», sagt er. Es brauche Emotionen, um die «Mannschaft für die Umsetzung» zu gewinnen, aber Analyse und Abwägen müssten «ohne Emotion» passieren.

Die Mitarbeiter dürften ihre Lage indes deutlich emotionaler wahrnehmen. Seit bei Oerlikon vor allem das Geschäft der ehemaligen Saurer - Textilmaschinen und Getriebesysteme - weggebrochen ist, wurden 2800 Arbeitsplätze gestrichen. Weitere 2500 der noch knapp 16 500 Mitarbeitenden sollen jetzt ihren Job verlieren. Die Schweiz sei nur am Rande betroffen, hiess es. Der Löwenanteil der Jobs falle in Deutschland, in Italien und den USA weg.

Der geschasste Krüger und der Verwaltungsrat haben Tiefe und Dauer der Krise unterschätzt. Allein im ersten Halbjahr 164 Millionen Verlust vor Zinsen und Steuern - das steht der Konzern nicht durch (siehe Kasten). Zumal man frühestens ab Mitte 2010 mit einer Trendwende rechnet. Bis dahin belasten vor allem die Bereiche Textilmaschinen und Getriebe, die im ersten Halbjahr auf Stufe Ebit 85 Prozent der Verluste ausmachten. Solange die Sorgenkinder Verluste machen, sind sie in der Krise praktisch unverkäuflich. Um jeden Preis auf den Markt werfen wolle man sie ohnehin nicht, betont Wladimir Kuznetsow, Interessenvertreter von Vekselberg und Präsident von Oerlikon.

Oerlikon braucht frisches Kapital

Mit Firmenverkäufen bringt Ziegler, der vier bis neun Monate lang interimistisch als operativer Chef fungieren soll, den Schuldenberg nicht auf ein tragbares Niveau herunter. Derweil blutet Oerlikon aus. Die neue Entlassungswelle verursacht allein im zweiten Halbjahr zusätzliche 100 Millionen Franken Restrukturierungskosten, plus weitere 30 Millionen im 2010. Zudem muss Oerlikon für die Kredite von 2,5 Milliarden Franken bei einem internationalen Bankenkonsortium massiv höhere Zinsen zahlen. Die Mehrkosten dafür machen allein im zweiten Halbjahr 2009 rund 100 Millionen Franken aus. Die knapp 400 Millionen flüssiger Mittel sinken rasch auf ein bedrohlich tiefes Niveau.

Obendrein muss Oerlikon nach Neujahr einen Kredit von 600 Millionen Franken zurückzahlen. Spätestens bis dann muss Ziegler zusätzliches Kapital auftreiben. «Die Kapitalquote von 20 Prozent ist ungenügend», anerkennt Kuznetsow auf Nachfrage, «wir müssen die Bilanz stärken, sei es über einen Schuldenabbau oder zusätzliches Kapital.» Ob dies über nachgelagerte Darlehen, einen Wandler oder eine Kapitalerhöhung geschieht, wird noch diskutiert. Die Chance, dass die Banken einen Teil der Schulden in Aktienkapital zu wandeln bereit sind, sei klein, sagt Kuznetsow. Aber das sei auch gar nicht nötig, noch pfeife Oerlikon schliesslich nicht aus dem letzten Loch.

Hans Ziegler, Viktor Vekselbergs neuer Mann an der Oerlikon-Spitze.

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