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Paketbombe: Polizei fürchtet weitere Anschläge

Nach dem Anschlag auf die Atomlobbyistin Swissnuclear hat die Polizei Post und AKW-Betreiber zur Vorsicht ermahnt.

Von Maurice Thiriet Kurz nach acht Uhr morgens marschierten gestern 35 Greenpeace-Aktivisten vor dem Hauptsitz der AKW-Betreiberin Alpiq am Bahnhofquai in Olten zur friedlichen Demonstration auf. Gleichzeitig explodierte nur 500 Meter weiter eine Paketbombe in den Räumlichkeiten der Swissnuclear an der Frohburgstrasse. Zwei Angestellte der Atomlobby-Agentur, die von den AKW-Konzernen Axpo, Alpiq und BKW getragen wird, kamen beim Öffnen des Pakets um 8.15 Uhr zu Schaden und mussten ins Spital gebracht werden. Eine verletzte sich mittelschwer im Kopf- und Brustbereich, die zweite, die nach der Explosion Gehörprobleme beklagte, konnte das Spital bald wieder verlassen, wie Andreas Mock, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn erklärte. Die Explosion habe im Zimmer, in dem der Sprengsatz losging , vor allem den Tisch beschädigt. Scheiben seien indes keine zerbrochen, so Mock. Polizei mahnt zur Vorsicht Nach ersten Erkenntnissen war Swissnuclear gestern das einzige Ziel der militanten Atomgegner. Weder bei der Axpo, der Alpiq noch der BKW wurden weitere explosive Sendungen entdeckt oder abgefangen, wie die Kantonspolizeien Bern und Solothurn sowie die Stadtpolizei Zürich mitteilten. Trotzdem mahnt die Polizei zu erhöhter Vorsicht. Wie die «Aargauer Zeitung» online berichtete, riet die Polizei FDP-Ständerat Rolf Büttiker, der im Verwaltungsrat des AKW Leibstadt sitzt, seine Post vorsichtig zu behandeln. Eine ähnliche Weisung sei auch an die beiden Postfilialen in Olten und Wolfwil gegangen, welche die Post an Büttikers Arbeits- und Wohnort austragen.Bei Alpiq in Olten werden laut Pressesprecher Andreas Werz ebenfalls zusätzliche Sicherheitsmassnahmen im Umgang mit Brief- und Paketpost eingeführt. Und bei der BKW gilt laut einem Sprecher das «Prinzip der erhöhten Wachsamkeit». Der Sicherheitsdienst der Post ist über die bisherigen Ermittlungsergebnisse gemäss der Kantonspolizei Solothurn gestern informiert worden. AKW-Gegner verurteilen die Tat Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft – wie bei Sprengstoffdelikten üblich – die Ermittlungen übernommen. Für die Spurensicherung, die gestern den ganzen Tag andauerte, erhielt die Kantonspolizei Solothurn Unterstützung von mehreren Beamten des forensischen Instituts von Stadt- und Kantonspolizei Zürich. Hinweise auf die Täterschaft gab es bis gestern Abend nicht. Voraussichtlich heute will die Bundesanwaltschaft ein erstes Mal über den Fortgang der Ermittlungen informieren. Sowohl die Träger-Unternehmen von Swissnuclear als auch Stimmen aus der Anti-AKW-Bewegung verurteilten den Anschlag aufs Schärfste. Vertreter von Greenpeace zeigten sich ob dem Anschlag erschüttert. «Wir waren sehr überrascht und schockiert, als wir von der Explosion bei Swissnuclear hörten», sagt Greenpeace-Sprecher Yves Zenger und distanziert sich in aller Form von der Aktion. «Gewaltfreiheit ist das oberste Prinzip bei Greenpeace», so Zenger. In den internationalen Medien Der Anschlag auf Swissnuclear als erste militante Aktion nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat weltweit grosse Beachtung in den Medien gefunden und ist von den grossen internationalen Nachrichtenagenturen vermeldet worden. Seriöse Atomgegner gehen davon aus, dass durch den Anschlag viele Sympathien für die Anti-AKW-Bewegung verloren gehen. So schreibt die Alternative Liste Winterthur in einer Mitteilung: «Diese feige Tat wird den Bemühungen um einen Atomausstieg weit mehr schaden, als dies Swissnuclear je hätte tun können.»

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